Die Welt im Pausenmodus

Baltikum – das war der Plan. Doch dann kam Corona, also erst einmal abwarten.
Relativ schnell verdichtete sich der Verdacht, dass wir auf etwas Grösseres zusteuern.
Seit dem 6. Dezember 2019 waren wir nach Krebs OP & Co. schon wieder zurück in Deutschland, die meiste Zeit (mit Ausnahme von 3 Wochen „Badekur“ in Bad Dürrheim) im Haus bei Igels Eltern. Wir nutzten die Zeit zur Rekuperation , Entgiftung, zum Fasten und zur Renovation und Verbesserung von Big Blue. So lange waren wir schon ewig nicht mehr in „normalen 4 Wänden“, wir freuten uns wie verrückt aufs Reisen, zurück in die Natur vor allem. Das wollte Corona uns vermiesen.

Kurzentschlossen entschieden wir das Baltikum abzublasen und die kommende Zeit, was immer sie bringen würde, in Portugal zu verbringen. Wir wollten in die Natur, warm, in Flüssen oder Seen baden, günstige Lebenshaltungskosten und falls es mit Corona länger ginge, einen Ort, wo man zur Not auch überwintern konnte.

Wir brachen eine Woche zu spät auf, nach und nach gab es Einschränkungen, Schliessungen und Verbote, wir schafften es gerade noch nach Frankreich. Nicht schlimm, wir mögen Frankreich und wir fanden auch gleich einen herrlichen Ort für uns allein für unsere selbst auferlegte Quarantäne im Département Haute-Vienne.

Und dort, am Flüsschen Vienne, ging die Welt für uns in den Pausenmodus über. Man konnte das richtig spüren.
Als wenn sich die Erde plötzlich langsamer drehen würde…

Die Welt im Pausenmodus – Paola Viajera

Wir lauschten oft dem Radio, dank free France über Internet SWR1, so verstanden wir wenigstens, was in der Welt so vor sich ging. Erstaunliche Dinge mussten wir feststellen.

Es vergingen keine Nachrichten, in welchen nicht von irgendwelchen Milliardenpaketen gesprochen wurde. Täglich hörten wir von neuen Aktionen zum Dank der Leute, die es tatsächlich und wirklich braucht… Applaus für Krankenschwestern, Ärzte und Pflegekräfte, tanzende Italiener auf Balkonen, gemeinsames musizieren, Lob und Dank für Kassiererinnen, Lehrer, Regalauffüller, Müllmänner. Sogar Bestattern wurde gedankt. Künstler stellten ihre Werke gratis zur Verfügung, Firmen stellten ihre Produktion um auf Dinge, welche tatsächlich benötigt wurden. Nachbarschaftshilfe, Homeoffice, Homeschooling, das Klima profitierte, die Sonne schien, die Vöglein sangen, …

Wir wünschen uns so sehr, dass trotz allem Negativen, was das Virus mit sich bringt, wir Menschen das Positive daraus mitnehmen. Wir haben eine grosse Chance, nun einiges besser zu machen, anderes aufzugeben.
Solidarität, wir sind alle eins, auf was kommt es an, Rücksicht, Natur, Verzicht, Mässigung, …
hoffentlich lernen wir, implementieren wir.

Ein paar Anregungen

Unsere Arbeit / unsere Berufe müssen neu bewertet werden. In Krisenzeiten merken wir endlich, welche Berufe wir wirklich brauchen.

Auf Basis dieser Neubewertung sollte auch endlich einmal ernsthaft ein Grundeinkommen durchdacht und durchgerechnet werden. Unserer Meinung nach kommt die Welt früher oder später nicht darum herum.
Logisch, am Anfang kostet ein Grundeinkommen Geld, viel Geld. Doch am Ende, wenn Mama oder Papa bei den Kids zu Hause bleiben kann, wenn man auch mal Zeit für seine eigenen „Oldies“ hat, wenn man Ehrenämter ausführen kann ohne auf Einkommen zu verzichten, wenn die Risikobereitschaft für eine Selbstständigkeit erhöht wird, wenn Ausgrenzung verhindert wird, wenn die Menschen innovativ werden können, … dann rechnet sich auch das Grundeinkommen für den Staat, weil man dann keine Ausgaben mehr hat für die Verwaltung von Kindergeld, Arbeitslosengeld, Betreuungsgeld, Hartz 4 und was es sonst noch alles für diskriminierende Sachen in unserem System gibt. Menschen deren Grundversorgung gesichert ist, sind kreativ und hilfsbereit. Menschen wollen nicht faul rumsitzen, Menschen lassen sich inspirieren, wollen besser werden.

Das Gesundheitssystem gehört in öffentliche Hand. Gesundheit sollte ein Menschenrecht sein, keine Aktiengesellschaft mit dem Ziel und Zwang zum Profit. Die Grundversorgung sollte für alle gratis sein, z.B. auch Impfungen. Vorsorge ist besser als Unsummen an Heilungsgeld.
Wo wir schon bei der öffentlichen Hand sind… Wasser, öffentlicher Nahverkehr gehört dazu. Der öffentliche Nahverkehr sollte für alle gratis sein.

Das Schulsystem gehört komplett neu gemacht. Wir erzeugen gerade eine ganze Generation von Turbo-Burnoutern. Mit 3 lesen und rechnen, mit 5 zwei Fremdsprachen, und während der ganzen Schulzeit am besten noch 2 Instrumente, Fussball, Tennis, Reiten und schminken lernen. Hallooooo?? Wie wäre es mit kochen und Lebensmittelkunde, Biologie in der heimischen Natur, Achtsamkeit, werken, basteln, erfinden, Kunst, Musik, medizinische/heilende Grundausbildung, Fröhlichkeit, Berufs-Praktika… Wir brauchen innovative Lehrer.

Biologische Lebensmittel müssten Pflicht sein, nicht biologische gehören gekennzeichnet, mit allen Schweinereien deklariert, was wirklich drinnen ist. Nicht umgekehrt.

Zur Müllbekämpfung haben wir auch noch einen Vorschlag. 1 Euro Pfand für alle Pfandgegenstände, auch für Joghurtbecher, Tetrapacks und und und… dann wird das Zeugs gesammelt und ordentlich entsorgt, weil es sich lohnt und alles kostet gleich, keine Unterschiede. Überhaupt gehört die Müll Entsorgung komplett von der Industrie finanziert und nicht vom Verbraucher, der den ganzen Mist ja auch noch kaufen soll.

So, jetzt haben wir auch mal unseren Senf dazu gegeben.
Kommt gut durch diese verrückte Zeit – und ergreift Eure Chance!!

Über grenzenlos2001

Igel & Paola, Rambo & Caramba auf dem Bike, Trike und im Bus um die Welt
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2 Antworten zu Die Welt im Pausenmodus

  1. Anonymous schreibt:

    Du sprichst mir aus der Seele, liebe Paola. Der Anlass ist tragisch, aber die Chancen, dass einige Menschen nun umdenken, stehen gut. Zumindest in Europa wird momentan vieles in Frage gestellt und manche Menschen fragen sich, was wirklich wichtig ist in ihrem Leben.
    Leider gibt es auch viele tragische Schicksale. All die Menschen, die mit kranken Angehörigen, oder Patienten zu tun haben oder selbst erkrankt sind, fragen sich, warum nicht schon früher Kontaktverbote erlassen wurden, warum der Staat nicht schon viel früher eingegriffen hat.
    Und dann gibt es all die Leute, die ihre wirtschaftliche Existenz gerade den Bach runter gehen sehen, die ohnmächtig zusehen müssen, wie ihr mühsam aufgebautes kleines Geschäft, ihr Yogastudio, ihr Friseurladen, ihr Buchladen etc. vor ihren Augen kaputt geht. Und die fragen sich: Ist es das Wert? Wieviel ist Gesundheit wert? Wieviel ein Menschenleben? Ich weiss nicht, ob diese Menschen diese Krise auch als Chance für ein Umdenken oder einen Neuanfang sehen können…
    Ja, verrückte Zeiten. Wir beobachten gespannt. Und hoffen, dass wir das alles gesund an Körper und Seele überstehen. Ich wünsche Euch alles Gute und: Bleibt gesund

    Liken

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