Plötzlich war er da

Und plötzlich war er da, der kleine Terrorist

Vor unserer Winterflucht 2019/2020 in Richtung Griechenland und Türkei wollten wir einen 6-wöchigen „Wellness Urlaub“ in Thailand einschieben. Wer uns kennt weiss, wie sehr wir Thailand lieben und wir hatten festgestellt, dass wir schon fast 5 Jahre „abstinent“ waren… Oma und Opa hatten sich bereit erklärt, die „Enkelkinder“ Rambo & Caramba in dieser Zeit zu hüten, also ergriffen wir die Chance und buchten kurzentschlossen einen günstigen Flug nach Bangkok.

Doch manchmal kommt es anders und zweitens als man denkt…
Beim ersten Besuch einer Thai Massage Praxis in Banglampoo bemerkte Paola auf dem Bauch liegend auf einer harten Matte einen Knubbel in der linken Brust.

… auf einmal bist Du angezählt

So fühlte es sich zumindest an. Von einer Sekunde auf die andere weisst Du, verdammte Scheisse, Dein Leben ist an einem Wendepunkt angekommen. Als nächstes folgt die Ungläubigkeit. Kann das sein? Passiert mir das gerade? Das kann doch nur anderen passieren…
Fragen über Fragen schiessen einem in den Kopf. Was muss ich jetzt machen? Was muss ich jetzt wissen? Was tue ich, welche OP, welche Therapie, was, wenn es triple-negativ ist? Triple-negativ (ER/PR-negativ, HER-2 negativ) ist eine besonders aggressive Tumorart und in unserem Bekanntenkreis war gerade eine junge Frau daran gestorben. Diese sehr traurige Tatsache jedoch hatte Paola unlängst auch dazu veranlasst, sich ein wenig mit dem Thema zu beschäftigen und sich Gedanken zu machen „wie würde ich entscheiden wenn…“.

Auf Empfehlung unserer thailändischen Freunde Aey & Tho gingen wir ins nahe gelegene Siriraj Hospital, welches eigens über ein Brustzentrum verfügt. Das Siriraj ist eine staatliche Universitätsklinik, in welcher sogar der 2016 verstorbene König Bhumibol Adulyadej behandelt wurde.
Die Diagnose war relativ schnell erstellt, ein Tumor von ca. 2,3 x 1,8 cm, unregelmässig geformt, zu 90 bis 95% maligne (bösartig). Um sicher zu gehen, wurde eine Stanzbiopsie empfohlen. Doch das war eines dieser Dinge, die Paola sich eben schon einmal durch den Kopf hatte gehen lassen. In ihrem Kopf konnte sie die Vorstellung nicht ertragen, dass eine Nadel in den Tumor eingebracht wird, Gewebe abgesaugt und die Nadel wieder herausgezogen wird, ohne dass der Tumor davon einen Schaden trägt und dann „sabbert“ (ausläuft). Mediziner sagen natürlich, „da passiert nichts“, doch Paola konnte das nicht glauben. Eine weitere Sache hatte Paola auch schon für sich persönlich entschieden: es wird nicht sparsam rumgeschnibbelt, Gesundheit geht über Schönheit. Paola entschied sich dafür, so schnell wie möglich den kleinen Terroristen los zu werden und das gründlich, d.h. eine totale Mastektomie. Hintergedanke hierbei war auch, sich so nach Möglichkeit Bestrahlung und/oder Chemotherapie zu ersparen. Wie gesagt, Gesundheit über Schönheit.

Am 3. Oktober wurde Paola operiert. Die Verständigung im Hospital war nicht so einfach, man spricht eben Thai, im Siriraj lassen sich praktisch keine Ausländer behandeln, diese bevorzugen private Krankhäuser in Thailand. Die Krankenschwestern jedoch gaben sich alle Mühe, holten immer wieder Leute dazu, die Englisch sprachen und so konnten wir dann ein wenig darüber hinweg sehen, dass wir die Ärzte fast nicht verstanden. Fachlich jedoch waren wir in puncto Operation sehr zufrieden. Wegen vieler Medikamenten Allergien konnte keine normale Anästhesie durchgeführt werden, es wurde auf eine Opium-basierte Anästhesie zurück gegriffen. Diese vertrug Paola sehr gut und die Narben der OP sahen wirklich gut aus und verheilten ohne Probleme. Nach nur 4 Nächten im Krankenhaus wurde Paola schon entlassen.
An dieser Stelle auch noch einmal kòbkûn mak ká Aey & Tho, ihr habt uns so viel geholfen.

mit Aey & Tho in Hua Hin Dez. 2019

Das Ergebnis der Pathologie

Brustkrebs Stadium IIA, T2 N0 M0
Die TNM-Klassifikation beschreibt die Größe des Tumors (T), die Anzahl der befallenen Lymphknoten (N) und eine eventuelle Fernmetastasierung (M).
Ein invasives duktales Karzinom, duktales Karzinom in situ. Grösse 2,3 x 2,3 x 1,8cm ER pos. PR pos. HER-2 neg. Während der OP wurden 2 Wächter-Lymphknoten entfernt und getestet, negativ. In der Pathologie wurden nochmal 5 Lymphknoten getestet, auch negativ.

Als Therapie wurde einstimmig (im Siriraj und später im Bangkok Hospital zur Zweitmeinung) Chemotherapie und Antihormontherapie empfohlen (anfangs im privaten Bangkok Hospital sogar noch Bestrahlung – obwohl ja gar nichts mehr da war zum bestrahlen). Doch auch das hatte Paola schon früher im Kopf durchgespielt. Sollte sie jemals eine Brustkrebs triple-negativ Diagnose bekommen, würde sie Chemo und Bestrahlung verweigern. Zum grossen Glück war es kein triple-negativ, sondern ein „hormonabhängiger“ Tumor. Und was noch viel wichtiger war: keine Lymphknoten waren befallen!! Das heisst, mit 99%iger Sicherheit keine Metastasen, sonst hätte man das an den Lymknoteen gesehen – Bingo!

Das war für Paola wie ein 6er im Lotto. Und trotz dieser guten Nachrichten sollte sie unbedingt eine Chemotherapie und eine Antihormontherapie machen. Mit all dieser Chemie jedoch konnte sich Paola überhaupt nicht anfreunden, einmal wegen der schon erwähnten Medikamenten Allergien und hauptsächlich, weil sie sich total gesund fühlte.

Es wurde ein Genexpressionstest vorgeschlagen um die Notwendigkeit einer Chemotherapie zu prüfen. Im Bangkok Hospital wurde ein sogenannter MammaPrint veranlasst.
Das Ergebnis lautete „high risk“.

Das MammaPrint Ergebnis in Zahlen:
-0,322 in einem Bereich von -1,0 bis +1,0, wobei
-1,0 bis 0 als „high risk“ bezeichnet wird und
0 bis +1,0 als „low risk“.
As a group, „Low Risk“ patients like those in the MammaPrint FFPE clinical validation (RASTER) study have a 1.3% chance (95% CI 0-3.1), and „High Risk“ patients have an 11.7% chance (95% CI 6.6-16.8) that their cancer will recur within 5 years (not accounting for any covariates other than the patient’s MammaPrint FFPE status).

Hätte sie vorher gewusst, dass der Unterschied zwischen den „geringes Risiko 1,3%“ und „hohes Risiko 11,7%“ Ergebnissen nur 10,4%-Punkte liegen würden, hätte sie den kostspieligen Test nicht machen lassen. Denn mal ganz ehrlich… in der heutigen Zeit, welcher Erwachsene über 50 hat nicht eine 11,7%-ige Chance irgendeinen Krebs zu bekommen? Erst kürzlich haben wir in einer Doku gehört, dass jeder zweite Deutsche einmal im Leben irgendeinen Krebs bekommt.

Die Entscheidung zur Therapie ist also folgende:

Paola macht weder Chemotherapie noch Antihormontherapie (Tamoxifen & Co.),
sehr zur Unzufriedenheit der Ärzte.
Die Argumente jedoch zu Gunsten von Chemo und Antihormontherapie waren wahrlich schwach. Gezielte Fragen (gefunden u.a. bei Chris beat cancer, „20 questions for your oncologist“) konnten nicht oder nur falsch beantwortet werden und als feststand, dass definitiv ein Kunde verloren geht, kam plötzlich doch  „eine Offenheit“ ans Licht. „Es wäre nicht schlimm, wenn Paola keine Chemo machen würde, aber überlegen Sie es sich doch noch einmal mit der Antihormontherapie… wir könnten Ihnen die Therapie und die Medikamente zusammenstellen, dann können Sie diese günstiger mit in ihr Heimatland mitnehmen…“.

 

Paola’s persönliche „grüne Chemo“

Irgendetwas hatte den Brustkrebs ausgelöst. Nicht ein Ding, ein Umstand, nicht die Gene. Krebs ist ein Symptom, dass etwas oder viele Dinge nicht mit deinem Körper stimmen.
Paola’s mögliche Faktoren waren: rauchen (im Alter von ca. 15 bis ca. 35), die Pille, extremer Verzehr von vielen Milchprodukten, Deo (Paola dachte immer, ein Deokristall wäre etwas Natürliches… dabei ist das fast reines Aluminium), innerliche Vergiftung (Symptome dafür: Migräne, sehr lahme Verdauung, d.h. 5 Tage ohne Stuhlgang waren „normal“, Hautprobleme, Probleme mit Knochen und Gelenke).

Daraus ergaben sich dann folgende Vorsätze und Verbesserungsansätze:
Verzicht auf möglichst viele Milchprodukte, Fleisch, Eier, Fertigprodukte, industrieller Zucker, Geschmacksverstärker, Weizenprodukte, Frittiertes, „normales“ Salz, Alkohol.
Möglichst basisch essen, hauptsächlich frisches Obst, Gemüse und Salate, möglichst viel roh oder in Smoothies, Ingwer, Kurkuma roh oder in Pulver, Pfeffer, Chili, gute Öle, Grüntee, Nüsse.
Ein paar Nahrungsergänzungsmittel wie CBDa, MSM, Chlorella, Spirulina, konzentriertes Kurkuma mit Pfeffer.
Verzicht auf Gifte wie Zahncreme mit Fluor, Deodorant komplett, Hautcremes.
Frische Luft, Bewegung, regelmässige Übungen, Schwimmen, Meditation,
Entgiftung durch Darmsanierung (Einläufe nur mit Wasser, nach Alexandra Stross „Natürlich Entgiften“), basische Bäder.
Evtl. Biologische Zahnheilkunde (Amalgam entfernen).

Im Moment (Dezember 2019 und Januar 2020) sieht Paola’s Tag in etwa wie folgt aus:

Der Tag wird begonnen mit Zitronenwasser (1/2 oder eine ganze Zitrone auf ein Glas Wasser).
Danach CBDa Tropfen 15%, morgens 3 Tropfen.
Spaziergang mit den Hundies.
Danach kommt ein Glas Essigwasser (Bio Apfelessig, 1-2 TL auf ein Glas Wasser).

Frühstück, meist Müsli mit Haferflocken, Leinsamen, Chiasamen, verschiedene Nüsse, Trockenfrüchte wie Rosinen oder Aprikosen, frische Früchte, Gojibeeren, Pollen, Hafermilch.
Oder Dinkel-/Knäcke-/Vollkornbrot mit Hummus, Avocado oder Ajvar, Chilies, Tomaten, Gurken, Kohlrabi, Paprika je nach Saison, Kaffee und/oder Tee.

Möglichst täglich Übungen für die Brust (Dehnbarkeit der Narbe), Oberkörper generell, Rücken, Bauchmuskeln, Beine, Dehnübungen, ca. 1 Stunde, am liebsten am Vormittag.
So oft wie möglich Einläufe. Das geht jedoch am besten „zu Hause“, im Big Blue ist das schlecht möglich.
Noch mehr Spaziergänge, Schwimmen, Radfahren.
So oft wie möglich basische Bäder (z.B. Fussbäder und Wickel).

Tägliche Smoothies, meist um die Mittagszeit. Diese enthalten meistens Ingwer, Kurkuma (und Pfeffer), Karotten (und Lein- und/oder Hanföl), Apfel, Orange, Birne, Beeren wie Blaubeeren oder Himbeeren, Spirulina und Chlorella. Dazu kommt Obst und Gemüse der Saison wie Kaki, Kiwi, Banane, rote Beete, Babyspinat, Rucola, Avocado (mit Kern!), Tomate, Grapefruit, Granatapfel, Pfirsich, Nektarine, Pflaume, Weintrauben, Chilies, und und und… der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wir essen dann meistens am späten Nachmittag oder frühen Abend die Hauptmahlzeit. Dabei sollte immer Gemüse sein, bevorzugt alle möglichen Kohlsorten, Rüben, alle Zwiebelarten, Knoblauch, Chilie, Spargel, Tomaten oder -Mark, Pilze, Hülsenfrüchte, gelegentlich fetter Fisch (Lachs, Makrele), Vollkornnudeln oder -reis, Couscous, Amaranth, Kartoffeln, bunter Salat mit Kresse & Granatapfelkerne.
Wenn es z.B. eine fette Gemüsesuppe gibt, bekommt Igel schon mal ein Würstchen dazu und zum Grünkohl bekommt er auch eine schöne Scheibe Kassler. Paola verzichtet praktisch immer auf Fleisch.
Anstelle von Salz nehmen wir nun lieber Soyasauce oder thailändische Fischsauce, gutes Meersalz, anstelle Zucker nichts (im Kaffee oder Tee) oder Agavendicksaft/Zuckerrübensirup oder brauner Zucker oder Palmzucker.

Viele Anregungen hierzu gibt es z.B. im Buch „Krebszellen mögen keine Himbeeren“ von Prof. Beliveau und Dr. Gingras.
#mydailychemo via Instagram

Nachmittags oder abends eine Kanne Grüntee (möglichst Sencha oder Gyokuro) oder Reishi-/Linghzi-Tee.
Zum Knabbern gibt es Nüsse, Datteln, Feigen, Gojibeeren, Trockenfrüchte, schwarze Schokolade.

Zum schlafen dann noch einmal 3 Tropfen CBDa und Essigwasser.

Zu allen schon erwähnten Flüssigkeiten kommt obendrauf (ja! Auch Zitronenwasser, Tee etc. zählt noch nicht mit) wenn immer möglich noch mindestens 2 Liter Wasser (ohne Kohlensäure, Leitungswasser oder am liebsten gutes Quellwasser).

Grundsätzlich jedoch möchte Paola kein Gesundheits-Extremist werden. Wann immer möglich hält sie sich an obigen Plan, wenn sie jedoch mal eingeladen wird zum Käsefondue, zur Pizza oder zum Sauerbraten oder auch zum Kuchen, dann isst sie dort „ganz normal“ mit und auch ein Glas Wein gehört ab und zu dazu. Keine Regel ohne Ausnahme…

So, das ist jetzt aber mal ausführlich geworden. Aber vielleicht gibt es der einen oder anderen Betroffenen ein paar Anhaltspunkte für sich selbst.

Und bitte, bitte, bitte: Paola’s Entscheidung weder Chemotherapie noch Hormontherapie zu machen ist eine ganz persönliche Entscheidung! Jede vom Krebs betroffene Person muss ganz allein für sich alle Vor- und Nachteile abwägen und seine eigene Entscheidung zur OP und Therapie treffen, mit der man sich wohl fühlt. Hier gibt es keinen „Standard xyz“.

Über grenzenlos2001

Igel & Paola, Rambo & Caramba auf dem Bike, Trike und im Bus um die Welt
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2 Antworten zu Plötzlich war er da

  1. Milan Miodragovic schreibt:

    Liebe Paola, Terroristen sind ganz grosse Sch…e!
    Ich freue mich aber zu lesen, wie du damit umgehst – bewundernswert.
    Krise als Chance tönt abgedroschen, überzeugt aber, wenn man sie nutzt!
    Bei uns heisst das: Gring abe und durre!
    Liebe Grüsse
    Mios

    Liken

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