Geld – was ist das schon

Paola’s klitzekleine Lösungsansätze zum Weltfrieden

Kapitel 1: Geld – was ist das schon?

Beim radeln hat man viel Zeit, sich seine Umwelt einmal aufmerksam anzusehen. Und was sehen wir da? Teer, Beton, Stahl, riesige Konstruktionen, Leitungen, oberirdisch wie auch unterirdisch, welche die ganze Welt umspannen. Baustellen ohne Ende. Wenn man mal davon absieht, dass all dieser Teer und Beton bald den gesamten Planeten zugepflastert haben wird, kann man sich auch die Frage stellen: und was hat das alles gekostet? Wenn man dann weiter die Gedanken schweifen lässt fragt man sich sehr schnell: was ist Geld eigentlich? Ein Stück Papier? Mit einem Stück Papier haben wir all das „erschaffen“? Geld ist nicht einmal mehr das…

Die Menschheit hat schon immer irgendwelche Dinge als wertvoll bezeichnet. Beliebte Tauschgegenstände waren u.a. schon Muscheln, Reis, Salz, Pfeilspitzen, Felle und irgendwann einmal fanden alle Menschen zuerst Silber und dann Gold ganz toll. Jeder wollte es haben, einige haben es dann gehortet. Zugegeben, reisen mit einem Sack voll Gold ist nicht sehr praktisch und wenn man nur ein Glas Whisky kaufen wollte und nicht gleich ein Fass, war es immer schwierig mit dem Wechselgeld… also wurde das Papiergeld und kleine Münzen erfunden. Ja, da hatte man wenigstens noch etwas im Hosensack. Papiergeld wurde schnell von einem Stück Plastik abgelöst und bald schon werden wir nur noch irgendwelche Zahlen irgendwo eindöckeln müssen oder die Iris irgendwo hinhalten oder vielleicht sogar nur noch durch einen Scanner laufen, damit der implantierte Chip mit der persönlichen Personennummer gelesen werden kann… 😉

Geld ist heutzutage die wichtigste Sache, nach der wir alle streben und doch ist sie heute schon praktisch virtuell und nicht existent. Kaum noch jemand hat wirkliches Geld im Sack. Dinge werden im Internet bestellt und direkt vom Konto abgebucht, im Laden, an der Tanke oder Restaurant bezahlen wir mit Karte oder Händi. Dinge werden immer sofort, wenn gerade mal der Wunsch danach entsteht, besorgt. Bezahlt wird später oder auf Raten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie viele Monate (Jahre?) ich mir von meinem Taschengeld einen Cassettenrecorder zusammen gespart habe. Hey, ich konnte mich monatelang darauf freuen, irgendwann einmal so ein geniales Ding zu besitzen, den ich dann Jahre lang wie meinen Augapfel hütete… Das geht heute anders. Ich will, ich habe, ich will neu, also schmeiss weg, kauf neu.

5Bio

Wir verlieren komplett die Dimensionen! Wir spüren nicht mehr was etwas wert ist, wie lange es dauert bis wir es uns „verdient“ haben. Hättet Ihr meiner Oma früher gesagt, das Brot dort kostet das Doppelte wie die anderen, dann hätte sie einen weiten Bogen darum gemacht. Ein Kilo Kaffee gibt es schon ab 7 Euro. Bei Nespresso für 80 Euro (http://de.wikipedia.org/wiki/Nespresso). Das ist das 11-fache, Leute!! Oder Wasser. Für Trinkwasser bestehen im deutschsprachigen Raum höhere Qualitätsanforderungen als für industriell abgepacktes Mineralwasser und Tafelwasser (https://de.wikipedia.org/wiki/Trinkwasser). Ein Kubikmeter (das sind 1’000 Liter) kosten im Mittel in Deutschland 1,69 Euro. 1 Liter beim Discounter kostet 0,19 Euro, bei einer bekannten französischen Marke ca. 1 Euro. Das ist das 190 bis 1’000 – fache! Und dann der Plastikmüll…

Schloss Neuschwanstein

Schloss Neuschwanstein

Der Bau von Schloss Neuschwanstein hat ca. 6 Millionen Mark gekostet, die Elbphilharmonie kostet, soviel ich weiss, bis heute schon über 700 Millionen Euro – und ist noch nicht fertig. Heute werden bedeutende Baustellen nur noch in Millionen-Milliarden beziffert. Ich möchte nicht wissen, wieviele Leute es nicht schaffen, ohne ihren Computer oder ohne ihr Händi, eine Milliarde auf ein Blatt Papier aufzuschreiben. Moment mal, wie viele Nullen waren das doch gleich*? Erst neulich auf dem Postamt haben wir uns erkundigt, was ein Paket mit 30kg nach Deutschland kosten würde. 580 Baht war die Antwort. Wie, nur 15 Euro? Sind Sie sicher, schauen Sie noch einmal nach, bitte. Ja, 580 Baht für 30kg auf dem Landweg. Ja super, das machen wir. Als wir dann am nächsten Tag mit unserem 26kg schweren Paket am Schalter standen, hiess es plötzlich: 5’120 Baht bitte… Die freundliche Dame am Paketschalter, welche tagtäglich mit Gewichten umgeht, hat anstelle 30’000g nur 300g bei der Preisanfrage in ihren Computer gedöckelt… ja, sorry, aber ist ja fast das gleiche…

Wiegt die "Waschmaschine" nun 300g oder 30'000g?

Wiegt die „Waschmaschine“ nun 300g oder 30’000g?

* und hier die Auflösung des Rätsels: 1’000’000’000 (hey, das sind ja tausend Millionen…)

Apropos Müll. Habt Ihr Euch schon mal gefragt, ob Ihr Euch wirklich immer die gesamte Zahnbürste voll mit Zahncreme schmieren müsst? Ca. 1cm tut’s auch, probiert es mal. Nehmen wir mal an, dass ich dadurch nicht mehr 7 Tuben a 125g jährlich sondern nur noch 2 Tuben benötige. Ok, ich spare so nur ca. 3 Euro wenn ich die 5 Tuben dann nicht beim Discounter kaufe. Wenn aber jede leere Tube nur 5 Gramm wiegt und das alle Deutschen machen würden, so könnten wir schon 400’000 Kilo Plastikmüll jährlich sparen… So gibt es unendlich viele Beispiele. Z.B. Toilettenpapier, nur jedes mal wischen 3 statt 4 Blatt, also ein einziges Blatt weniger = 400’000 Rollen pro A… wischen, (80’000’000 Blätter durch 200 Blatt pro Rolle – und dann noch 50’000 Plastikverpackungen alle 8 Rollen).

Liebe Leser, DAS sind Dimensionen. Mit einem kleines bisschen Hirn reaktivieren sparen wir Geld, Müll und kommen auf die tollsten Ideen.
Wer mehr über Müll & Co. wissen will, dem empfehlen wir „The Story of Stuff – deutsch„.

Viele Leute fragen uns, oder sie denken es sich im Geheimen: wie machen die das nur, wie können die so viele Jahre um den Globus reisen?

Zuerst einmal haben wir, wie Ihr wahrscheinlich auch, viele Jahre viele Stunden lang gearbeitet und dafür Geld erhalten und gespart. Als der Plan der Weltreise dann konkreter wurde, haben wir so viele Ausgaben wie möglich vermieden. Extreme Geldfresser wie Sammelwut, Mode, Schminke & Co., exzessives partying, Rauchen, schicke Autos etc. hatten wir nicht oder schon länger aufgegeben. Neben der Arbeit haben wir Igels altes Haus renoviert und dann verkauft. Tja, und dann haben wir gearbeitet, extra gearbeitet, gespart, gekündigt (Verträge, Versicherungen, die Arbeit), verkauft was noch irgendeinen Wert hatte und sind ohne Versicherungen und Rentengarantie losgezogen.

Während der Reise versuchen wir Ausgaben zu vermeiden wo es nur geht. Wenn wir uns ein Hotel gönnen, dann natürlich das günstigste und auch dort fragen wir noch nach einen Weltreiserabatt. Essen gehen tun wir nur in Ländern, wo man sich das leisten kann, d.h. in Europa z.B. gehen wir zum Discounter und kochen selbst. Wir lassen uns einladen und nehmen Geschenke (Essen, Getränke etc.) an. Das mussten wir erst lernen, kein Witz. Mit gut anerzogener Deutscher Mentalität war es für uns damals selbstverständlich, niemandem zur Last fallen zu wollen, sich revanchieren zu wollen oder ein nettes Gastgeschenk mitzubringen. Wenn man von Fremden eingeladen wird, weiss man nie so recht, ob und wie man diesen sich selbst auferlegten Empfehlungen auch gerecht wird und so haben wir anfangs Einladungen oder Geschenke meist abgelehnt. Inzwischen nehmen wir solche Zeichen der Gastfreundschaft an und versuchen uns irgendwie geldlos zu revanchieren. So z.B. je nach Land mit Geschichten unserer Reise oder wir spülen ab, wir schreiben später persönliche eMails oder wir machen gemeinsame Fotos. Wir verschenken DVDs mit unserer Foto Präsentation oder nur eine Post- oder Visitenkarte von uns.

In Ländern wo man Trinkwasser nicht aus der Leitung bekommt versuchen wir wo immer möglich in Hotels, Restaurants, an Tankstellen oder in anderen Geschäften von den grossen Trinkwasserspendern Wasser abzufüllen. Das spart Geld und eine Unmenge Plastikmüll.
Waschen tun wir uns mit einem Stück Seife, Shampoo braucht nur noch Paola ;-), Reinigungscremes davor, Creme für morgens, mittags und abends, Wässerchen danach und sonstige Jugend versprechende Tinkturen brauchen wir nicht. Wir sind 50 und stehen dazu. Und die wenigen Klamotten (oft noch im second hand gekauft…) werden erst ersetzt, wenn sie wirklich kaputt sind. Unsere Packtaschen sind aus dem Jahr 2003 und unsere Buffs sind bereits ca. 20-jährig.
Und dann gibt es so viele kleine Einsparmöglichkeiten wie Zahnpasta, Toilettenpapier, …
Ach ja, ein Buch verkaufen wir auch hin und wieder 😉

Bei „Sponsoren“ versuchen wir uns immer mit „Material gegen Gegenleistung“ wie z.B. Fotos vom gesponsorten Gegenstand „on tour“, Berichte, Internetaktivität, Produkt Feedback und -entwicklung. Sponsoren schreibe ich bewusst in Gänsefüsschen, denn eigentlich sind durch solche Verhältnisse oft Freundschaften entstanden. Wenn wir Produkte testen durften haben wir auch meist die Firmen besucht und so sehr schöne Kontakte zu den Familien aufgebaut.

Olaus Magnus - On Trade Without Using Money.jpg
Olaus Magnus – On Trade Without Using Money“ by Olaus Magnus – „Historia de gentibus septentrionalibus“,
book 4 – retrieved from Lars Henriksson’s clipart collection, descriptions used with permission..
Licensed under Public Domain via Wikimedia Commons.

Überhaupt gefällt uns die Idee „Ding/Handlung gegen Ding/Handlung“ (=Tauschhandel) deutlich besser wie „Ding/Handlung gegen Geld“. Das können wir Dir wärmstens empfehlen wenn auch Du das Gefühl hast, dass dieser ausufernde Kapitalismus und Konsumwahn vielleicht doch nicht so toll sind.
Ein kleines Beispiel wie so etwas für Dich evtl. auch klappen könnte:

Du bist von der jüngeren Generation, PC und Händi gehören für Dich zum Alltag wie der Gang zum Bäcker (oder aufs Klo). Der grüne Daumen jedoch ist Dir verwehrt. Dein Nachbar ist von der älteren Generation und er hat einen tollen Gemüsegarten… Du triffst Deinen Nachbarn und er erzählt Dir, dass er unbedingt dieses oder jenes auf seinem PC erledigen sollte, aber eben, irgendwie würde er es wohl nicht mehr auf die Reihe kriegen, sich mit diesem Monster anzufreunden. Jetzt sollte die Alarmglocke in Dir aufheulen… Biete ihm doch einfach an, ihm dabei zu helfen. Und vielleicht fragt er Dich ja anschliessend, ob er auch etwas für Dich tun könne… ja, Deine Tomaten da unten, die sehen also wirklich lecker aus…

(Dieses Beispiel ist willkürlich erfunden und symbolisch gemeint und dient nur als Ansporn, selbst kreativ zu werden.)

Und schon sind zwei Menschen glücklich, denn beide haben etwas „umsonst“ bekommen und beide fühlen sich gut, weil sie erstens jemandem geholfen haben und zweitens weil das vielleicht der Beginn einer tollen Nachbarschaft ist…
Hättest Du Deine Tomaten im Bioladen gekauft und Dein Nachbar bei einem Professionellen Hilfe gesucht, ja dann hätten nun beide vielleicht negative Gefühle… das war aber ziemlich teuer, da wurde ich bestimmt beschissen… oder Mist, schon wieder vor dem Lohnzettel pleite, dann kauf ich eben doch wieder beim Discounter Wassertomaten…

Es wird Dir die ersten Male mit Sicherheit nicht leicht fallen, solche „Tauschhandel“ vorzuschlagen oder so ein Angebot der „Gegenleistung“ anzunehmen, doch schon bald wird es ganz selbstverständlich werden und „nein, mache ich nicht“ kann ja immer noch jeder sagen.

(N.B. Hallo liebe eBay- und WirKaufens Erfinder… das ist keine neue Marktidee. Es soll nun keine Internet-Plattform entstehen, wo man dann online danach suchen kann, wo ich am meisten Biotomaten gegen eine ausgefüllte Steuererklärung bekomme… Die Menschen sollen wieder mal miteinander reden, anstelle permanent in irgendeine Flimmerkiste zu gucken…)

Gefällt Dir dieser Artikel? Dann freue Dich auf neue Einträge in der Kategorie „Klitzeklein“. Ich freue mich auf Eure Kommentare! Paola.

Advertisements

Über grenzenlos2001

Igel & Paola, Rambo & Caramba auf dem Bike, Trike und im Bus um die Welt
Dieser Beitrag wurde unter 999 Klitzeklein abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

13 Antworten zu Geld – was ist das schon

  1. Edgar schreibt:

    Hi Paola und Igel,

    ich habe mein Leben komplett anders verbracht als ihr zwei. Trozdem bin ich zu genau denselben Schlüssen gekommen wir. Eure Ansichten gefallen mit sehr. Wi rmüssen mehr Anhänger finden!

  2. David Graf schreibt:

    Well written Paola, I enjoyed it very much, I am from a large Family 4 brothers, 4 sisters, and when I think of LIFE ,many of our best times cost no money, and People who travel like yourselves , see that many of us have a life style well above , what is needed for happiness. In my home , I say to my Wife, while in the grocery store, buy the 10 KG bag of potates for $5.00 and give 2KG to your Mother another to your sister , 2 to our Daughter, instead of buying the 2KG bag alone for us at $3.00, one time during our travels in New Zealand , one orange was .80 cents a whole bag was $3.00, I bought the bag , 4 oranges for us , and knocked on doors of the hostel, and soon all of my oranges had a good home.. Travel safe my Friends,I think of you often.

  3. wolfgang rünzi schreibt:

    im klitzekleinen fängt man erst bei sich selber an.d.h. vor der eigenen haustüre zu kehren.
    wissen was einem gut tut (ohne andere zu verletzen).sich sebst zu akzeptieren und zu lieben.
    mit allen höhen und tiefen.
    geld wird erschaffen aus dem nichts,also ist es ne illusion,werden wir wahrscheinlich beim eurocrasch so richtig spüren!
    danke ihr 2 für diese anregung zum austausch.
    hoffe ein paar mehr nehmen an diesem austausch teil!!
    liebe grüsse wolfi

  4. wolfgang rünzi schreibt:

    hoy Igels
    hab nen Tipp auf You Toube
    The Lie We Live
    bringt vieles auf den punkt

  5. Tom Wetzlmaier schreibt:

    Hallo, ihr Weltenbummler!
    Materielle Güter machen nur 10% von unserem Glück und das erst noch nur kurze Zeit! (Ergebnis einer weltumspannenden Studie unter Soziologen) Dagegen sind Menschen glücklich, die Freunde haben, unentgeltlich helfen, freigebig sind, nicht neidisch und zufrieden sind (und noch etliches mehr) Ich wünsche Euch weiterhin viel Freude auf eurer grossen Tour du monde. Euer „Hapimag-Fahrer“ Tom.

    • grenzenlos2001 schreibt:

      Hi Tom, schön von Dir zu lesen… ja, genau so ist es, geteilte Freude ist doppelte Freude, Du weisst das und lebst so, viele andere „da oben“ müssen das aber erst noch lernen… happy Tom… 😉

  6. wolfgang rünzi schreibt:

    hey ihr igels
    danke fürs reinsetzen dieses links
    dachte er bringt vieles auf den punkt.
    denke viele menschen wachen so langsam auf
    und realisieren dass wir in einer ilussion leben, und nichts was von der
    Unterhaltung ,sprich mainstraim medienveröffentlicht wird der realiätät konform ist.
    seid wachsam
    alles liebe wolfgang

    l

  7. Pingback: Finca – Fragen und Antworten | GRENZENLOS Weltenbummler

  8. Pingback: Bedingungsloses Grundeinkommen | GRENZENLOS Weltenbummler

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s