Long live America

„And the rocket’s red glare, the bombs bursting in air, gave proof thru the night that our flag was still there. Oh, say does that star-spangled banner yet wave, for the land of the free and the home of the brave?“ (anthem USA)

…in God we trust (motto USA), we fight for freedom, we fight for democracy, …

…doesn’t that all sound heart-warming??!?

Wenn man seine Augen als Reisender in Südostasien jedoch nicht nur auf Palmen, Strände, Dschungel und lächelnde Menschen beschränkt, wird man unweigerlich mit jüngster Kriegsgeschichte konfrontiert. Wir waren in Laos und sind nun in Vietnam und dort stösst man eben auf diesem Teil unserer unglaublichen Geschichte: der Vietnamkrieg, hier natürlich der Amerikakrieg genannt. Immer wieder sieht man Leute mit Deformationen oder offensichtlichen körperlichen Problemen, dürr/krank aussehend, obwohl Vietnam eigentlich ein „Boomland“ ist. Da fragt man sich doch gleich: könnte das an der Ernährung liegen? Agent Orange Spätfolgen?

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„A vietnamese Professor is pictured with a group of handicapped children“ von Alexis Duclos – Alexis Duclos. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org

Wie kann es sein, dass die selbsternannte Supermacht und „Weltpolizei“ USA immer und immer wieder auszieht, um „Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie zu verteidigen“ und nie zur Rechenschaft gezogen wird?

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Wir finden es echt super, wenn Deutschland den Laoten hilft, die Minen zu beseitigen. Aber warum, warum nur müssen die Amis nie und nirgendwo für ihre Sünden gerade stehen??!?

Und die Wahrheit? Wir nennen das eher Kriege auf Verdacht, Stellvertreter Kriege und an den Haaren herbeigezogene „Begründungen“ wie „eine kommunistische Gefahr (Kuba, Laos, Nicaragua, Honduras, El Salvador, Vietnam, Korea, Bolivien, Kolumbien…)“, „möglicher Chemiewaffenbesitz/Massenvernichtungsmittel (Irak)“, „angebliche Giftgasfabrik (Sudan)“, etc.

möglicher Chemiewaffenbesitz / Massenvernichtungsmittel … da wird es uns doch gleich mal richtig schlecht…

Wir heben hierzu nur mal ein paar beeindruckende Stichworte und Zahlen zu Vietnam und Agent Orange hervor – zur Gedächtnisauffrischung:

  • 80 Millionen Liter „Entlaubungsmittel“ warfen die Amerikaner im Vietnam-Krieg auf das Land ab.
  • Agent Orange (Dow Chemical, Monsanto, Bayer, Boehringer Ingelheim, Spolana) wurde von Flugzeugen oder Hubschraubern aus grossflächig versprüht. Das Herbizid ist herstellungsbedingt mit dem Giftstoff 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin (TCDD) verunreinigt, dem giftigsten Vertreter der Dioxine.
  • Zwischen 1962 und 1971 wurden mehr als 6000 Einsätze mit verschiedenen Entlaubungsmitteln durchgeführt.
    Der Dschungel sollte durch flächendeckende Entlaubung als Rückzugsgebiet und Basis für den Vietcong unbrauchbar gemacht werden. Auf Felder gesprüht, reduzierte es die Nahrungsversorgung des „Feindes“.
  • Agent Orange tötet noch nach Jahrzenhnten nach dem Ende des Vietnamkrieges Menschen und bewirkt für viele andere ein qualvolles Leben.
    Laut Angaben des Vietnamesischen Roten Kreuzes von 2002 leiden etwa eine Million Vietnamesen an den Spätfolgen von Agent Orange, vor allem an Fehlbildungen und Immunschwächen. Viele vietnamesische Neugeborene kommen auch drei Generationen nach dem Einsatz von Agent Orange noch mit schweren Fehlbildungen zur Welt. Auch Krebs zählt zu den Spätfolgen.
  • Auch im Vietnamkrieg eingesetzte US-Soldaten waren durch Schäden infolge von Agent Orange betroffen. Als der Zusammenhang zwischen den Gesundheitsschädigungen und dem Dioxin anerkannt wurde, reichten betroffene Soldaten Sammelklagen gegen mehrere Herstellerfirmen ein. Am 7. Mai 1984 kam es zu einem vorläufigen aussergerichtlichen Vergleich; im folgenden Jahr wurde von sieben Firmen ein Fonds über 180 Millionen Dollar für Entschädigungszahlungen eingerichtet, was bis dahin die höchste jemals in einem Vergleich gezahlte Summe war. Bis 1994 wurden an 52.000 Veteranen und Hinterbliebene 197 Millionen Dollar ausgezahlt.
  • Eine Gruppe vietnamesischer Opfer hat gegen die amerikanischen Hersteller Klage eingereicht, die jedoch im März 2005 von einem amerikanischen Gericht abgewiesen wurde. Nach Ansicht des Richters war der Einsatz von Agent Orange „keine chemische Kriegsführung“ und deshalb kein Verstoss gegen internationales Recht.
  • Opfer des Vietnamkrieges:
    Gesamtschätzungen reichen bis zu vier Mio. Vietnamesen, etwa einem Achtel der Gesamtbevölkerung Vietnams. Während des US-Kriegseinsatzes befragte US-Bürger glaubten dagegen, es habe nur etwa 100.000 vietnamesische Kriegsopfer gegeben. Im Vietnamkrieg starben etwa viermal so viele Zivilisten wie Soldaten. An von Agent Orange verursachten Schäden starben bis 2009 400.000 Vietnamesen.
    Das US-Militär registrierte seit dem 8. Juni 1956 exakt 58.220 in Vietnam getötete US-Soldaten. Die mit den USA und Südvietnam verbündeten Truppen verloren zusammen 5.264 Soldaten, über 4000 davon Südkorea.
    Bei Kriegsende 1975 hatte Südvietnam eine Mio. Kriegswitwen, 875.000 Waisenkinder, 200.000 Behinderte und 200.000 Prostituierte. Hinzu kommen die Folgen interner Vertreibungen und Fluchtwellen. In Laos flohen zwischen 1960 und 1970 bis zu 700.000 Menschen vor den Bombenangriffen der US-Air Force. Mindestens 40.000 starben durch Kämpfe, weitere 100.000 durch Hunger und Krankheiten während des Krieges. Über 40.000 US-Soldaten wurden bis 1970 in Vietnam heroinabhängig. 330.000 Heimkehrer waren Ende 1971 arbeitslos. Über 300.000 von bis dahin zwei Mio. Veteranen wurden bis Ende 1972 straffällig und inhaftiert.

Von Minen, Massakern, Folterungen, Body Counts und Vergewaltigungen sprechen wir jetzt mal lieber nicht.

Böser Saddam – god bless America

frowny

„And the rocket’s red glare, the bombs bursting in air, …“

 

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Vietnamkrieg
http://de.wikipedia.org/wiki/Agent_Orange
http://de.wikipedia.org/wiki/Tonkin-Zwischenfall
http://www.n-tv.de/mediathek/bilderserien/wissen/Agent-Orange-wirkt-bis-heute-nach-article7042136.html
http://www.vietnam-kompakt.de/agent-orange.html
http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2014/krieg-hoert-nie-auf-20542?page=all
http://www.spiegel.de/politik/ausland/agent-orange-opfer-in-vietnam-frau-truongs-endloser-krieg-a-674630.html
pictures in the header:
„‚Ranch Hand‘ run“ by USAF – National Museum of the U.S. Air Force photo 071002-F-1234P-022. Licensed under Public domain via Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:%27Ranch_Hand%27_run.jpg#mediaviewer/File:%27Ranch_Hand%27_run.jpg
„Agent-Orange–stack-of-55-gallon-drums“ by U.S. Army – Item Number: VA020611, Admiral Elmo R. Zumwalt, Jr. Collection, The Vietnam Archive, Texas Tech University. Licensed under Public domain via Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Agent-Orange–stack-of-55-gallon-drums.jpg#mediaviewer/File:Agent-Orange–stack-of-55-gallon-drums.jpg 
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Über grenzenlos2001

Igel & Paola, Rambo & Caramba auf dem Bike, Trike und im Bus um die Welt
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3 Antworten zu Long live America

  1. Martin schreibt:

    Als ich mit meiner Exfreundin vor einigen Jahren in Vietnam war, waren wir auch im „War remnants museum“ in Saigon. Ich halte mich für relativ „taff“ und nicht grade für ein Weichei, aber angesichts der Bilder, Berichte, Ausstellungsstücke und nicht zuletzt der aktuellen Einträge der Besucher in den überall ausliegenden Büchern hab ich geheult. Ich las viele Einträge von Amerikanern, die sich für ihr Land und seine unrühmliche Geschichte in Vietnam schämten, und ich habe mehrere Amerikaner gesehen, die sich ebenfalls die Augen ausgeheult haben…

    Kleine Ergänzung zum Thema „Agent orange“ (wenn Euch das zu weit geht, dann bitte löschen):
    Das Entlaubungsgift „Agent orange“ wurde anfangs von Dow Chemicals produziert. Nach einiger Zeit stellte man dort aber fest, das die Kapazitäten nicht ausreichten, und man die Hilfe anderer Firmen bräuchte. Man trat an die deutsche Firma Boehringer heran, die dann in der Folge etwa die Hälfte des gesamten Entlaubungsgifte, welches in Vietnam versprüht worden war produziert hat…
    In leitender Position, und auf mehreren Verträgen mit Dow Chemicals Mitzeichner war damals übrigens Dr. Richard von Weizsäcker, der zur selben Zeit Bundesvorstandsmitglied der CDU und Kirchenfunktionär war. Er leitet als Präsident die Kirchentage in Hannover („Der Friede ist unter uns“) und in Stuttgart („Hungern nach Gerechtigkeit“). Dort, 1969, appelliert er an die Gläubigen, neue Antworten zu suchen auf die „Bedrohung des Lebens durch Vernichtungswaffen“
    Ein guter und längerer Bericht hierüber fand sich im Spiegel 32/91:
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13487619.html

    Das Gelände, auf dem Boehringer damals hauptsächlich produziert hat, liegt in Hamburg-Billbrook, und ist heute eine Verkaufsfläche für LKW und andere Fahrzeuge. Die gesamte Fläche wurde mit einer etwa einen halben Meter dicken Asphaltschicht versiegelt, da der Boden hochgradig kontaminiert ist. Auf dem nachfolgend verlinkten Bild kann man dies ein wenig erkennen.
    (https://www.google.de/maps/place/Billbrook,+Hamburg/@53.5189864,10.0767539,3a,39.7y,32.1h,78.55t/data=!3m4!1e1!3m2!1sZXmB1pkIFMjIrdNizU9oew!2e0!4m2!3m1!1s0x47b18db460b073c7:0x5263df27bd5e9f0?hl=de)
    Ich bin 1965 in Hamburg geboren und im Nachbarstadtteil aufgewachsen, und habe deshalb einen besonderen Bezug zu diesem Thema. Und bei dem Namen des ewig als deutschen „Gutmenschen“ bezeichneten Richard von Weizsäcker krieg ich aus den o.g. Gründen regelmäßig das k….. .

    • grenzenlos2001 schreibt:

      Hi Martin,

      das geht uns gar nicht zu weit… wir sind für Pressefreiheit solange es konstruktive Beiträge sind und keine Trolle oder ähnliches… 😉
      Kennen wir uns eigentlich oder bist Du zufällig auf uns „gestossen“?

      • Martin schreibt:

        Moin Moin ihr beiden,
        und danke das ihr meinen Kommentar veröffentlicht habt.
        Der Draht der uns verbindet, heißt Trike bzw. velomobilforum 🙂 Ich bin dort seit 2009 registriert, und habe den Nick „kaishaku“.Dort habe ich dann Eure Berichte gelesen, und bin seit einiger Zeit immer mal wieder am seufzen, wenn ich Eure Bilder sehe und Berichte lese. Ich war zwar auch schon u.a. in Ecuador, Costa Rica, Thailand, Vietnam und anderen Ländern, allerdings immer nur für max. 3 1/2 Wochen im Urlaub.
        Das Ihr den Mut für diese Art des reisens und lebens habt, finde ich absolut klasse, und ich wünschte mir oft, ich hätte den auch. Aber ich sitze jetzt, um 6:20 in Hamburg in einem Büro, bin um 4:45 aufgestanden, draußen sind 2 Grad, und bis 15:30 „darf“ ich hier irgendwelche Mails beantworten und Einstellungstests korrigieren. Ach ja, zwischen 11:30 und 14:00 habe ich ne halbe Stunde „Ausgang“…
        Ich wünsche Euch viel Glück bei Eurer weiteren Reise, und passt in Vietnam gut auf die Doggies auf, damit die nicht zu „Thit Cho“ werden…

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