Zentralamerika 02-04

Kuba
Juli – August 2002
Pinar del Rio, La Havana, Santiago de Cuba, Granma, Las Tunas, Camaguey

Am 5. Juli, nachts gegen 22 Uhr, erfuhren wir, dass unser Boot nach Cuba schon am 6 Juli abends abfaehrt – Fluch, Hektik, Panik! In weniger als 20 Stunden galt es dann, zu packen, Dollars besorgen, eine Karte von Cuba zu kriegen (schlussendlich nur Internetausdrucke), und von Playa del Carmen nach Puerto Juarez zu kommen. Dafuer blieb uns nur der Bus. Auf den letzten Milimeter passten unsere dick bepackten Fahrraeder in den Bus hinein, und wir trafen rechtzeitig am Hafen ein. Das Tauchboot Oceanus schaukelte uns die Nacht hindurch nach Maria la Gorda auf Cuba. Ein spannendes Einreiseprozedere erstreckte sich fast ueber den ganzen Tag, bis wir „in die Freiheit“ entlassen wurden. Zuerst mussten wir Stunden auf dem Boot warten, bis unsere Paesse gestempelt wurden. Dann mussten wir wieder auf das Uebersetzen ans Land warten. Dort mussten wir saemtliche Taschen auspacken und erklaeren, dass wir auch alle Dinge wieder aus Cuba ausfuehren werden. Eine mitgebrachte Orange wurde mit einer Lupe genau inspiziert. Ein weiteres Problem stellte unser GPS dar: mit diesem Geraet koennten wir ja „dem Feind“ genaue militaerische Standorte durchgeben, es wurde also wieder zurueck aufs Schiff gebracht, und musste damit wieder zurueck nach Mexico. Morgens um 8 Uhr kamen wir in Maria la Gorda an, und gegen Sonnenuntergang waren dann fast alle amtlichen Dinge erledigt – nur fast, denn wir mussten noch mit dem Fahrrad nach Pinar del Rio zum Zoll, der in Maria la Gorda nicht vertreten war. Nach einer Haengematten-Nacht am Strand fuhren wir morgens dann endlich los, durch unzaehlige rote Winkerkrabben, die uns Zickzack fuhren liessen (alle haben es leider nicht ueberlebt) in Richtung Sandino. In der zweiten Nacht waren wir bereits in einem netten Casa Particular (ein privates Gasthaus) in Pinar del Rio, der „Tabak-Hauptstadt“ von Cuba. Und gerade an diesem Tag begann zufaellig der Carneval! Nachts waren die Strassen zum bersten voller Leute, das Bier wurde aus Containern zu Pfennigbetraegen in alle moeglichen Trinkgefaesse ausgeschenkt (alte Dosen, Blumenvasen, Sektkuehler, Salatschuesseln, …), Fress-Staende, Live-Musik, und gegen 22 Uhr fuhren 5 reich geschmueckte Wagen mit Sambataenzerinnen die Strassen entlang.

Von Pinar del Rio ging es per Zug nach La Habana. Unsere Ankunft verspaetete sich, weil unterwegs ein Traktor den Zug rammte mit fatalen Folgen fuer den Trekkerfahrer. 2 Tage Alt-Havanna und daraufhin ging es wiederum mit dem Zug ueber Nacht nach Santiago de Cuba, ganz im Osten der Insel. Hier wurde urspruenglich einmal der Bacardi Rum hergestellt. Die Stadt selbst fanden wir nicht besonders, die vielen Casa Particulares jedoch waren anscheinend voll und uebermaessig teuer. Drum radelten wir gleich los und entlang der Kueste nach Chivirico, Marea Portillo und Pilon, am Fusse der schoenen Sierra Maestra. Einige Huegel waren zu bewaeltigen, was aber mit schoenen Aussichten belohnt wurde. Ueber Manzanillo (ueber diese unfreundliche Stadt verlieren wir keine weiteren Worte) ging es zur Hauptstadt des Bezirkes Granma, Bayamo. Hier wurde viel revolutionaere Geschichte geschrieben und auch die Hymne, die Bayamesa geschrieben. Granma hiess das Boot, mit welchem Fidel Castro und Genossen nach Cuba zurueckkehrten, um die Revolution einzuleiten. Das Boot kann heute in La Habana besichtigt werden. Bayamo ist einen Besuch absolut wert! In den Sommermonaten wird an den Wochenenden auf den Strassen gefeiert. Mit Live-Musik, Bier, gegrillte Spanferkel, Umzuege und unendlich vielen Leuten. Ausserdem ist der Stadtkern schon schoen renoviert, ueberall wird gearbeitet, gepinselt und ausgebessert. Aber auch LasTunas kann sich sehen lassen: schoene, lebendige Stadt mit alten Kolonialhaeusern, wenig Touristen. Von Las Tunas nach Camaguey stellten wir unseren neuen Tagesrekord auf, 133 km mit fast nichts im Bauch. Der Hunger trieb uns nach Camaguey, denn unterwegs gab es so gut wie nichts. In Camaguey checkten wir wieder einmal unsere Mails und damit war unsere weitere Kuba-Planung total ueber den Haufen geworfen: Unser Boot zurueck nach Mexico legte bereits am 2. August von Maria la Gorda ab – in einer Woche also, und wir waren nicht einmal in der Mitte von Kuba. Knapp 900 km in 7 Tagen wollten wir uns dann doch nicht antun, und so erkundigten wir uns nach Moeglichkeiten, nach Havanna zu kommen. Aber wie es immer so ist, wenn man Termine hat: am naechsten Tag war der 26. Juli, hoechster Nationalfeiertag in Kuba (Revolutionstag), und schon am Tag zuvor wurde nur begrenzt gearbeitet. Fuer uns hiess das: Reisebueros fast alle zu, Busse voll, Mietwagen ausgebucht, ein passender Zug evtl. nur noch in der gleichen Nacht oder 2 Tage spaeter (also zu spaet), und ein Flug kam bei den erlaubten 20 kg Gepaeck fuer uns sowieso nicht in Frage. Also entschlossen wir uns zur „Flaschenpost“. Wie geht denn das?!

Unser Zimmervermieter erklaerte uns, wie die „botella“ (=Flasche) funktioniert. Man geht zu einer Sammelstelle, sagt wo man hin will und wird dann irgendwann auf einen LKW zugeteilt. Nach ca. 2-stuendigem Warten gab es fuer uns den schnellsten Sattelschlepper von Kuba. Nach 7 Stunden bei Sonnenschein auf der Ladeflaeche sitzend und nur 60 Pesos aermer (fuer beide inkl. Fahrraeder; = ca. 2,50 Euro fuer 550 km!!) kamen wir etwas verschmoergelt in Havanna an. Unterwegs ueberholten wir LKWs, die schon Stunden vor uns abgefahren waren. Drei Mal mussten wir anhalten und ewige LKW-Kolonnen vorbei lassen, welche zu Fidels Ansprache zum 26. Juli in Ciego de Avila unterwegs waren.

Nach einer Nacht in Havanna brachen wir zur Erkundung der Nordwestkueste auf. Ueber Cabanas und Bahia Honda fuhren wir auf einer huebschen Strecke nach Vinales. Westlich von Havanna fuhren wir unter anderem an der Marina Hemmingway entlang. In diesem noblen Wohngebiet mussten wir feststellen, dass es auch im Sozialismus Menschen gibt, die etwas gleicher sind, als die anderen. Villen, Segelschiffe, Motorboote und dicke Luxuswaegen vor der Tuer, diesen Anblick haetten wir hier nicht erwartet.

Von Vinales nach Pinar del Rio gab es einen herrlichen downhill durch die „Mogotes“, die malerischen Felsformationen im Tabakanbaugebiet von Kuba. Nach nur 3 Wochen kamen wir an unserem Ausgangspunkt in Maria la Gorda an und waeren beinahe doch nicht mit dem Tauchschiff Oceanus mitgenommen worden, da dieses privat gechartert war und es anscheinend einige Probleme an Bord gab. Wir konnten sie jedoch zum Glueck davon ueberzeugen uns mitzunehmen, da wir keine andere Moeglichkeit hatten, das Land zu verlassen und wir das Boot sonst entern muessten. Nach einer ruhigen Nacht auf See kamen wir am Morgen des 3. August 2002 in Mexico an.

Zentralamerika

Belize
September – Oktober 2002
Corozal, Orange Walk, Cayo

Nachdem wir den Hurrikan Isidore in Chetumal abgewartet haben, fuhren wir am 26. September ueber die Grenze nach Belize. Und schon beim Abstempeln unserer Paesse wurde wieder Englisch gesprochen. Ohne irgendwelche Kontrollen waren wir ruckzuck im 11. Land unserer Reise. Karibisches Easy-going begruesste uns schon in Corozal: „hey mon, what’s up? Take it easy, d’ya like a smoke?“. Wir hielten uns da lieber ans belizianische Belikin Bier, da Fluessigkeit, wie man weiss, lebensnotwendig fuer Radler ist. Von Orange Walk aus fuhren wir ueber Naturstrassen (Limestone) nach Indian Church und zur Maya-Ruine Lamanai (submerged crocodile). Kurz vor dem Ziel machten wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit „Kaugummi-Schlamm“. Nach einem kurzen, heftigen Schauer verwandelte sich die Fahrbahn in eine klebrige Masse, die an den Reifen immer dicker wurde. In Lamanai campten wir (eigentlich verboten) unter einem Palapa am Ufer des New Rivers. Bei der im Dschungel gelegenen Ruinenbesichtigung mussten wir uns staendig in Bewegung halten, weil uns Moskitoschwaerme verfolgten trotz Moskitorepellent. An unserer Schlafstaette waren wir aber sicher vor den Mossis, wir hatten sogar einen Wachhund, der uns nicht mehr von der Seite weichen wollte.
Im Bezirk Orange Walk haben sich viele Menoniten angesiedelt und man fuehlt sich um hundert Jahre zurueckversetzt wenn man durch Shipyard radelt und einem nur Pferd und Wagen entgegenkommen. Crooked Tree Wildlife Sanctuary hiess unsere naechste Station, ein Paradies fuer Ornithologen. Nur waren wir leider in der falschen Jahreszeit dort, die Brutzeit kommt erst noch.

Auf dem Western Highway ging es weiter und wir machten Station im Monkeybay, um am naechsten Tag den tierfreundlichen Belize Zoo zu besichtigen. Aus urspruenglich 17 uebriggebliebenen „Filmdarstellern“ einer Naturdokumentation entstand ein vorbildlicher Zoo. Ausschliesslich einheimische Tiere (verletzt, im Zoo geboren oder ehemalige Haustiere) werden in natuerlicher Umgebung gehalten und hervorragend gepflegt.
In San Ignacio (Cayo) belegten wir einen sehr schoenen Campingplatz ganz fuer uns alleine und blieben gleich ein paar Tage dort haengen. Bei einem Ausflug zum Rainforest Medicin Trail (leider seit Mai geschlossen) bekamen wir es auf dem Rueckweg wieder einmal mit dem Kaugummi-Schlamm zu tun, und das auf einer Strecke von 4 Meilen! Und was tut man dagegen? Schieben, putzen, schieben, fluchen, schieben, … Dieses Erlebnis erleichterte uns unsere weitere Streckenplanung in Belize. Eigentlich wollten wir noch auf der teilweise geteerten Strecke den Sueden bis Punta Gorda bereisen, aber in der Regenzeit? Das lassen wir lieber…
Ab nach Guatemala, dort sind die Lebenshaltungskosten auch billiger wie in Belize!

Guatemala

Oktober – Dezember 2002, Februar – September 2003
Peten, Alta Verapaz, Izabal, Zacapa, El Progreso, Baja Verapaz, Quiche, Solola, Suchitepequez, Escuintla, Santa Rosa, Jutiapa

Am 9. Oktober reisten wir in Melchor de Mencos nach Guatemala ein, und genau an der Grenze hoerte der Teerbelag auf. Zum Glueck nur fuer die ersten 20 Kilometer, aber es war wenigstens trocken! Auf dem Weg nach El Remate am Lago Peten Itza merkte Paola, dass sie die letzten Monate kein Bergtraining mehr hatte. Gummifuesse liessen sie einige Kilometer bei ueber 30 Grad schieben, bis sie fast kollabierte. Was nicht toetet, haertet ab! Im Ort trafen wir auf das franzoesische Radlerpaaerchen Guillaume und Isabelle, das mit erstaunlich wenig Gepaeck reist. Allerdings ist ihre Reise nach ca. 2 Jahren in Mexico City zu Ende und somit haben sie keine Winterausruestung mehr dabei. Sie waren auf dem Weg nach Belize und wir machten uns auf den Weg nach Tikal, der gigantischen Maya-Stadt mitten im Dschungel. Dort campten wir mit unseren Haengematten und hatten die naechtlichen Dschungelgeraeusche direkt am Ohr: Grillen, Froesche, Zirkaden, unheimlich klingende Bruellaffen-Horden und Bananen-klauende Fledermaeuse. Wir haetten um keinen Preis mit einem Hotelzimmer getauscht. Tagsdrauf flogen schon beim Fruehstueck verschiedene Tukanarten und Papageien um uns herum. Auch viel Fussvolk war um unser Lager unterwegs: Pavos (wilde Truthaehne), Agutis (Riesen-Meerschweinchen), Pizotes (Nasenbaeren) und Schlangen. Um 6 Uhr waren wir schon auf dem Weg zu den Tempeln und hatten nach 5 Stunden nur die Haupt-Tempel gesehen. Die ganze Anlage erstreckt sich ueber 476 km2, und die Archeologen brauchen noch mind. 20 Jahre, um nur die wichtigsten Tempel zu untersuchen und zu restaurieren. Bis heute sind ca. 120’000 Gebaeudereste erfasst, aber erst ein Bruchteil davon untersucht! Die Mischung aus massiven, einmaligen Gebaeuden und die Lage mitten im Dschungel mit einer reichen Flora und Fauna machen Tikal zu einem unvergesslichen Erlebnis.

In Flores verbrachten wir 11 Stunden (!) am Computer, um wieder einmal alle Daten auf den neuesten Stand zu bringen, und da sag noch mal jemand, wir schaffen nix und radeln nur durch die Gegend. Am 20.10. machten wir uns auf den Weg nach Sayaxche und direkt vor dem Ort mussten wir mit einer Faehre uebersetzen, da es dort noch keine Bruecke gibt. Der naechste Tag sollte ein anstrengender, aber auch besonders schoener werden, 125 km bis Chisec waren zu bewaeltigen. Wir fuhren durch den Nationalpark El Rosario und am Fusse der schoenen Sierra Chinaja entlang, wo wir noch viel schoenen Wald zu sehen bekamen. Die Strecke war sehr abwechslungsreich und fast durchgehend neu geteert. Von Chisec aus liessen wir uns von einem Pick-up nach Coban mitnehmen. So ersparten wir uns ueber 1000 Hoehenmeter auf einer Laenge von 79 km, hatten allerdings ziemliche Aengste auszustehen. Unser junger Fahrer hielt sich fuer einen Formel 1 Pilot und bewaeltigte die Strecke (mit Pause) in nicht einmal 2 Stunden. Leider mussten wir uns waehrend der Fahrt krampfhaft am Pick-up festhalten und konnten so keine Bilder von der spektakulaeren Gebirgslandschaft machen. In Coban besuchten wir den Vivero Verapaz, eine Orchideen-Gaertnerei mit ueber 700 Orchideenarten und ueber 40’000 (!) Pflanzen.

Da wir den Nationalvogel von Guatemala einmal lebendig sehen wollten liessen wir uns natuerlich das Biotopo de Quetzales nicht entgehen. Und bereits im Ranchito del Quetzal, unserer Unterkunft dort, „warteten“ die Quetzals schon auf uns! Stundenlang konnten wir diese sehr seltenen Voegel beobachten und waren ganz begeistert von den Farben dieser schoenen Tiere.
Von den ca. 1700 Hoehenmetern, auf welchen sich das Biotopo befindet, machten wir uns auf den Weg nach El Estor am Lago Izabal. Alles downhill – oder? Die ersten 20 km nach San Julian waren tatsaechlich downhill und geteert, aber dann! Danach ging es erstmal wieder kraeftig bergauf auf „Pulverstaub“ und schon bald sahen wir aus wie paniert. Die Strecke bis Tucuru, unserer ersten Tagesetappe ging dann auf Schotter so stark bergab, dass wir viele Pausen brauchten, um unsere Haende wieder von der Schuettelei und Bremserei zu erholen. Am zweiten Tag Richtung Teleman ging es dann abwechselnd rauf und runter auf nicht mehr so staubiger Strecke, da es in der Nacht kraeftig geregnet hatte. Am dritten Tag erreichten wir unser Ziel, El Estor. Die geradelte Strecke war sehr abwechslungsreich, so sahen wir viele urspruengliche K’ekchi Indianer Doerfer und waren laut den Bewohnern sogar die ersten Touristen, die diese Strecke mit dem Fahrrad machten (falls es uns jemand nachmachen will, wuerden wir empfehlen, es nicht anders herum zu probieren).

Unser naechstes Ziel hiess Rio Dulce am Lago Izabal. Dort wollten wir uns einige Tage im schoen gelegenen Hotel Backpacker ausruhen. Ein Dormitory direkt in den Fluss gebaut wurde unsere Schlafstaette fuer die naechsten Tage (und Wochen). Saemtliche Profite des Hotels gehen zu Gunsten des Casa Guatemala, ein Waisenhaus fuer misshandelte-, unterernaehrte-, ausgestossene- und Waisenkinder (siehe auch http://www.casa-guatemala.org ). Nachdem wir uns das Casa Guatemala angeschaut hatten, beschlossen wir spontan einen laengeren Aufenthalt, um auch zu helfen. Da das Hotel Backpackers im Jahre 1999 bei einem Erdbeben ziemlich Schaden genommen hatte, waren handwerkliche Faehigkeiten zur Rekonstruktion gefragt – ein Job fuer uns! Und wir konnten endlich mal wieder andere Muskeln beanspruchen und pinseln, nageln, schrauben, saegen, spuelen, improvisieren … was das Zeugs haelt. Am 25.11. machten wir eine kurze Pause vom Voluntieren am Garifuna Festival in Livingston und trafen alte Bekannte wieder. Zurueck im Hotel Backpacker machten wir eine voellig neue Erfahrung: es gibt doch noch zuverlaessige Zustellservice! Nach nur 4 Tagen hatten wir unseren neuen, gesponserten Dragonfly Kocher (aus den USA) in den Haenden. FedEx machts moeglich! Den alten Kocher hatten wir „verheizt“. Im Casa Guatemala wartete ein neues Projekt auf Igel: warum nicht mal eine 100m lange Bruecke ueber einen Sumpf renovieren? Klar doch, machen wir doch fast jeden Tag. Die Managerin des Casa Guatemala aenderte die Renovationsplaene fast jeden Tag, der Ruecktransport ins Hotel war taeglich ein Kampf. So sank Igels Motivation drastisch. Wir kamen auf die Idee, fuer eine Weile mit einem Segelboot Richtung Honduras „zu fluechten“. Gesagt, getan, Flyer wurden aufgehaengt. Bereits nach 5 Tagen konnten wir Kontakt zu Mark Land knuepfen und puenktlich zu unserem 2. Hochzeitstag segelten wir zur Probe auf dem Lago Izabal und naechtigten vor Denny’s Beach. Am 15. Dezember hiess es Abschied nehmen vom Hotel Backpacker und am 16. liefen wir aus den Rio Dulce hinunter nach Livingston. Die zweite Nacht an Bord des 47 foot langen Segelboots „Brandy“ verbrachten wir in Cabo Tres Puntas, danach gings weiter nach Honduras.

Honduras

Anfang Februar ging es noch einmal fuer ca. 1 Woche zum Hotel Backpacker, die Bikes entstauben und fahrbar machen und das Gepaeck auf Vordermann bringen. In dieser Woche lernten wir Manuel aus Neustadt kennen, der fuer 4 Monate in Mexico, Guatemala und Honduras unterwegs war und gruendeten spontan die „Rothaus-Gang“. Ein paar Tage spaeter brachen wir erneut, diesesmal mit den Cabongas nach Honduras auf.

Am 3. Maerz 2003 fuhren wir dann also zum dritten Mal hinein ueber die guatemaltekische Grenze (so langsam werden wir Stammgaeste…). Via Chiquimula und Zacapa fuhren wir auf die noch ebene Rio Motagua Road in Richtung Guatemala City. In El Rancho trennten wir uns von dieser stark befahrenen Strecke in Richtung Salama. Bis Rabinal gab es, wenn auch starke Steigungen, immerhin noch Teerbelag. Und danach verliess uns der gute schwarze Untergrund. Piste und Staub ohne Ende waren angesagt, rauf und runter und bei Hoehen um 1000 m noch sch…heiss. Ohne Teerbelag und wegen staendigem auf und ab verkuerzten sich unsere Tagesetappen auf 30-40 km, danach hatten die Beine einfach die Schnauze voll. Weiter ging es via El Chol und Granados auf 1500 m nach Pachalum, eine sympatische kleine Stadt. Ueberhaupt lohnten alle Muehen auf dieser Strecke, spektakulaere Aussichten, wechselnde Landschaften und Vegetationen, bunt gekleidete Indios gab es zu sehen. In Santa Cruz de Quiche legten wir einen verdienten Ruhetag ein und schlenderten ueber den bunten taeglichen Markt, welcher sich ueber mehrere Blocks erstreckt. Nocheinmal 19 km weiter waren wir dann auf 2100 Hoehenmetern in Chichicastenango angelangt. Und wir kamen gerade rechtzeitig zu einem Semana Santa (heilige Woche) -Umzug im Ort an. Bunt gekleidete Frauen und Maenner, Gruenzeug und Blueten auf der Strasse, ein bunt geschmueckter Wagen, Weihrauch und Konfetti und eine schrecklich schoen schraeg spielende Blasmusik – cool eih. Und auch hier wieder ein farbenfroher Indiomarkt – ein Festschmaus fuer die Augen.

Nach drei Tagen fuhren wir weiter in Richtung Solola. Und es gab viele Hoehenmeter zu bewaeltigen! Zuerst ging es wieder einmal eine gierige Schlucht hinunter, bevor es anstieg bis auf 2’570 m. Und dort war es ganz schoen schattig in kurzen Hosen, zu alledem hatten wir auch noch starken Gegenwind, einen halben Sandsturm. Paniert und durchgefroren kamen wir in Solola an. Doch die anschliessende Dusche fiel dort aus: es gab nur (eis-) kaltes Wasser. Die wurde auf den naechsten Tag in Panajachel verschoben. Und solche Tagesetappen sind doch schoen: nur 8 km, alles downhill, und wie steil! Und mit was fuer einer Sicht auf den Lago Atitlan mit seinen 3 Vulkanen (siehe auch http://www.atitlan.com , slides). Auf ca. 1’600 Hoehenmetern waren die Temperaturen dann endlich wieder „ertraeglich“, ca. 28 Grad tagsueber, ca. 16 Grad nachts. In Panajachel machten wir es uns 2 Wochen lang gemuetlich, denn wir warteten mal wieder auf Post.

Nach dieser Zeit in der touristisch stark frequentierten Stadt sehnten wir uns nach Ruhe und Beschaulichkeit und so fuhren wir auf die andere Seite des Sees nach San Pedro la Laguna. Dort erlebten wir auch die Semana Santa (Osterwoche) mit ihren bunten Teppichen und Prozessionen. Die Teppiche werden in der Nacht von Donnerstag auf Karfreitag aus buntem Saegemehl, Blueten, Gruenzeug, Obst und Gemuese auf die Strassen gezaubert. Am Freitag Morgen laeuft die ganze Prozession darueber hinweg (!), und gleich nach der letzten Person werden die zertrampelten Teppiche „entsorgt“ (was noch essbar oder fuer die Blumenvase brauchbar war, wurde wieder eingesammelt). Ostersamstag und -Sonntag geht es ab wie in Deutschland: alles in die Autos, raus zum Strand, essen, saufen was das Zeugs haelt und danach Stunden im Stau stehen fuer den Heimweg. Am Ostersonntag fluechteten wir auf dem Pferderuecken in die Berge und waren froh als der ganze Rummel wieder vorbei war. Ab Ostermontag genossen wir dann wieder unseren „Traumbalkon“ im Hotel San Francisco und ueberlegten, was wir unserem besten Freund, dem Haui zum 40sten Geburtstag schenken koennten. Und was kam dabei heraus?

Wir kauften uns Tickets und flogen kurzerhand am 4. Mai nach Deutschland! 6 Wochen „Urlaub vom Reisen“ und viele, viele Freunde ueberraschen, kraeftig essen und den Tannenzaepfle-Speicher mal wieder auffuellen.

Ab dem 21. Juni 2003 waren wir wieder zurueck in Guatemala und erholten uns erst einmal vom „Kulturschock Deutschland“, vom vielen Besuchen, Essen und Saufen. Nach einigen relaxten Tagen machten wir uns daran, unsere Fahrraeder auf Rohloff Speedhub umzuruesten und unsere Ausruestung mal wieder auf Vordermann zu bringen. Der Hippel und der Dicke erhielten ihre eigene E-Mail Adresse und warten nun sehnsuechtig auf Fanpost.

Die MUPOs in Guatemala

Am 28. Juli kamen Igels Schwester Uschi und ihr Mann Martin zu Ihrem ersten Transatlantik-Urlaub nach Guatemala. Zusammen bereisten wir per „chickenbus“ San Pedro, Chichi, Uspantan, Flores, Tikal, Livingston, Rio Dulce, Quirigua und Antigua und wir machten einen karibischen Abstecher nach Caye Caulker in Belize.
Wir hatten eine schoene Zeit miteinander mit abenteuerlichen Boots- und Busfahrten, vielen neuen Eindruecken fuer die „Landeier“ Uschi und Martin und auch einen Hauch von karibischem easy-going. Die 3 1/2 Wochen miteiander waren ruckzuck vorbei, aber sie versprachen, uns wieder einmal zu besuchen. Jetzt mussten wir also nur noch die mitgebrachten 20 Tafeln Schoki, Gummibaerchen und den Wein vertilgen, bis wir uns wieder auf die Raeder schwingen konnten.

Am 5. September 2003 sattelten wir unsere Cabongas und auf ging es in Richtung El Salvador entlang der schwuel-heissen Pazifikstrasse CA2 mit staendiger Sicht auf die schoenen Vulkane.
Von den neuen Rohloff-Schaltungen waren wir schon auf den ersten Kilometern begeistert, so kann man z.B. schnell ueberall anhalten ohne erst runterschalten zu muessen, das kann man nachher problemlos im Stand machen. Auch die Uebersetzung der Gaenge ist viel „muskelschonender“. Kurz und gut: es ist einfach geil, solch eine Schaltung zu haben.

Honduras
Dezember 2002, Januar – Maerz 2003
Islas de la Bahia, Atlantida, Colon, Olancho, Francisco Morazan, Yoro, Comayagua, Cortes, Intibuca, Lempira, Copan

Die ersten 2 hondurenischen Naechte auf „Brandy“ verbrachten wir im Nationalpark Punta Sal, in der Bucht Puerto Escondido. Zuerst hatten wir die menschenleere Bucht fuer uns alleine, doch spaeter trafen noch zwei (deutsche!) Boote ein. Auf der Ueberfahrt zur Insel Utila begleitete uns eine Delfin-Schule und spielte vor unserem Bug herum. Und auch das „Weihnachts-Fischen“ war ausserordentlich erfolgreich: ein schoener, grosser Dorado (dolphinfish, kein Delfin!!) biss an und Igel hatte etwas zu kaempfen, bis dieser an Bord war. Kurz drauf gesellte sich noch ein Bonito und ein kleiner Barracuda hinzu. Das Weihnachtsmenu war also gerettet! Vor Utila lagen wir ca. eine Woche und lernten Jenny und Julio, Flitterwoechler aus Honduras kennen. Mit ihnen verbrachten wir einen tollen Schnorcheltag vor Water Cay. An Weihnachten 2002 hiess es „schnorcheln statt Schnee schippen“ und am 1. Weihnachtsfeiertag segelten wir weiter nach Roatan, und zwar richtig: mit 15-20 Knoten Wind (aus der richtigen Richtung) verzichteten wir zum ersten Mal auf die Mithilfe des Motors. Auch auf Roatan liess der Internetservice zu wuenschen uebrig. Wenn’s ueberhaupt funktioniert hatte, kostete eine Stunde Internet 14 US$! Jetzt wisst Ihr also, warum wir so lange so schreibfaul waren. Die erste Woche ankerten wir in Old French Harbour, machten Landausfluege, kleinere Arbeiten am Boot und ersetzten das kaputte Radio – endlich Tunes an Bord!

An Sylvester 2002/2003 besuchten wir Roatan’s West End mit dem Taxi. Das Bier schmeckte schon ab 10 Uhr morgens und so besuchten wir am spaeten Nachmittag feucht froehlich die „Booter-Party“ in Old French Harbour. Nach viel Segellatein und noch viel mehr Bier verabschiedeten wir uns fruehzeitig und schlummerten friedlich ab 20 Uhr ins neue Jahr.
Frisch und munter im neuen Jahr segelten wir nach West End, einem traumhaften Ankerplatz in schoenem Wetter. Nur ein paar Meter vom Boot entfernt befanden sich herrliche Riffe zum Schnorcheln und Tauchen, das Wasser war superklar, tolle Flora und Fauna (unter Wasser). Und so liess es sich der Igel nicht zwei Mal sagen, einmal das Tauchen auszuprobieren. Nach einem Crashkurs tauchte er bereits auf 28 foot ab und Paola konnte ihn eine halbe Stunde lang nicht mehr sehen. Blubb, blubb, weg war er. Nach nur 2 Naechten vor West End wurde leider eine Schlechtwetterfront angekuendigt und so segelten wir nach Utila zurueck. Bereits auf der Ueberfahrt hatten wir mit Windboeen zu kaempfen und einmal beruehrten unsere Segel fast die Wasseroberflaeche – ups. Fast eine Woche lang schaukelten wir vor Utila herum und mussten mitten in der Nacht neu ankern, da sich der Anker losgerissen hatte. Nach diesem Ereignis schoben wir dann abwechselnd Nachtwache und hofften auf besseres Wetter. Am 10. Januar war es dann soweit, ein strahlend schoener Tag und wir nutzten die Gelegenheit und fuhren nach La Ceiba (auf dem Festland) zur Werft. Dort wurde „Brandy“ aufs Trockene gehievt um ihr einen neuen Bodenanstrich zu verpassen und sonstige Dinge reparieren zu lassen. Nach ein paar Tagen in der Werft verabschiedeten wir uns von Mark und Carol Land und zogen nach La Ceiba downtown um, um etliche Stunden Mails und Homepage nachzuholen.

Per Bus ging es weiter nach Trujillo (Regen…), San Esteban (… immer noch Regen …) nach Juticalpa (nur noch kurze Schauer) und Tegucigalpa, wo wir am 22. Januar eintrafen (yippieh, Sonnenschein!!). Mit einem Tag Ausnahme (10. Januar) hatten wir seit dem 4. Januar 2003 Regen ohne Ende! Und das mitten in der Trockenzeit. In Tegucigalpa feierten wir Paolas Geburtstag mit einem Ausflug auf den El Picacho (2270 m) und genossen eine tolle Aussicht auf Honduras‘ Hauptstadt. Weiter gings es per „Chickenbus“ nach Minas de Oro und Yoro, eine atemberaubende, kurvige Strecke durch Berge und Taeler. Auf der Strecke von Yoro nach Progreso waren noch deutliche Spuren des Hurrikans Mitch von 1998 zu sehen, ueberall wurde die Strecke ausgebessert, neue Bruecken gebaut usw. Wir sahen nur noch ein kleines Baechlein in einem riesigen Geroell- und Sandbett, durch welches damals die Wassermassen gerauscht sind. Ueber San Pedro Sula und Puerto Cortes fuhren wir nach Omoa, wo wir in „Roli’s Place“ ein paar Tage relaxten, bevor wir wieder zurueck zu unseren Fahrraedern in Guatemala fuhren.

Am 17. Februar fuhren wir dann erneut ueber die Grenze, abermals zum Roli, aber dieses Mal mit dem Fahrrad. Nach 3 Monaten Radelpause taten uns die Aersche ganz schoen weh, unter anderem wegen der Dirtroad von Honduras‘ Grenze bis nach Omoa – nix mehr g’wohnt!! Von dort aus machten wir uns auf den Weg in die Berge und zum Lago Yojoa. Kurz vor dem See trafen wir auf unseren Radlerfreund Manuel Beschle aus Neustadt. Zu dritt radelten wir weiter und trafen spaeter wieder mal auf den Schweizer Roli, der gerade eine Tour machte. Am Lago Yojoa genossen wir zu dritt den schoenen Campingplatz, eine tolle Aussicht, eine artenreiche Vogelwelt und selbstgebrautes Bier. Und die Berge wurden noch hoeher. Wir fuhren weiter nach Siguatepeque, La Esperanza und Gracias. Dort legten wir uns in die heissen Quellen (bei ueber 30 Grad Aussentemperatur!!) und entspannten unsere strapazierten Muskeln. Ueber Santa Rosa ging es zu den Maya-Ruinen von Copan. Dort sahen wir keine gigantischen Tempel wie z.B. in Tikal, dafuer aber gut erhaltene Stelas („Baumsteine“ mit Steingravuren), eine „litographische“ Treppe („der laengste bekannte Text der Mayawelt“) und sonstige gut erhaltene Verzierungen. Von Copan Ruinas fuhren wir zurueck nach Guatemala.

El Salvador
September 2003
Ahuachapan, Sonsonate, La Libertad, La Paz, San Vincente, Usulutan, San Miguel, La Union

In La Hachadura ueberquerten wir problemlos die Grenze vorbei an kilometerlangen LKW-Schlangen. Die erste Nacht verbrachten wir in Cara Sucia und schon gleich bemerkten wir einen Unterschied zu Guatemala. Um 17 Uhr wurde alles verriegelt und verrammelt, die Leute rieten uns, nachts nicht mehr auf der Strasse unterwegs zu sein – also gut, schnell was essen und ab ins wanzenverseuchte Bett (das merkten wir dann natuerlich erst am naechsten Tag, Igel fuehrte mit 47:35 Bissen…).
Der naechste Tag entschaedigte uns wieder mit einer sehr fahrradfreundlichen Strecke: praktisch eben, neuer Teerbelag, Seitenstreifen so breit wie die eigentliche Fahrbahn – eine Fahrradautobahn eben!

Die Menschen unterwegs waren anfaenglich eher zurueckhaltend, die Maenner schauten teilweise boese drein. Kamen wir mit den Leuten ins Gespraech, waren sie jedoch durchaus sehr freundlich, wenn sie auch immer wieder die gleichen Themen hatten: „Deutsche -Ihr seid doch Nachkommen vom Hitler, oder?“ „In Berlin steht doch noch die Mauer, nicht wahr?“ „Habt Ihr nicht Angst in Deutschland, so als Nachbarland vom Irak?“ „Deutsch ist doch eine aehnliche Sprache wie Russisch, oder?“ – tja, Aufklaerungsarbeit war angesagt!
In El Zonte, einem Surferparadies an der schoenen Costa Balsamo kurierten wir erst einmal unsere vielen Wanzenbisse mit dem bisher leckersten Bier der Reise, dem „Pilsener“ aus bevor wir weiter entlang der Kueste nach Zacatecoluca und Usulutan fuhren. Zwischen Usulutan und El Transito sahen wir einen „frisch erschossenen“ Mann in einer grossen Blutlache liegen, das halbe Dorf stand drum herum – wir wollten gar nicht wissen, wie es passiert war – nichts wie weg hier!

Auf dem Weg nach San Miguel umrundeten wir den gleichnamigen Vulkan fast vollstaendig, ein schoener Anblick aus jeder Perspektive. Wir beschlossen, eine Abkuerzung ueber den Golfo de Fonseca zu versuchen und machten uns auf den Weg nach La Union auf der alten CA1 (Panamericana), welche durch das Erdbeben im Jahr 2001 schwer beschaedigt wurde, derzeit eine einzige fast 40 km lange Baustelle, die nun 4-spurig (!) betoniert wird. La Union ist eine angenehme, freundliche Fischerstadt und wir hatten das Glueck, schon am naechsten Tag eine der seltenen Lanchas via der salvadorianischen Insel Meanguera nach Potosi in Nicaragua zu finden. Eine Nacht verbrachten wir noch auf der einstigen Piraten-Insel, bevor es am fruehen Morgen mit einer schaukeligen Ueberfahrt weiter nach Nicaragua ging. Und wir hatten die ganze Lancha fuer uns und die Cabongas alleine!

Nicaragua
September – Oktober 2003
Chinandega, Leon, Managua, Masaya, Granada, Rivas

Endlich mal Abwechslung fuer die Grenzbeamten des verschlafenen Fischerdorfes Potosi als wir am 18. September dort einreisten. Eine ganze Menge Papierkram hatten die Beamten zum ausfuellen (Paola’s Papiere auch noch doppelt, so hatten die Beamten wieder einmal unter dem Vornamen „geb. Lossmann“ eingetragen…), aber sie liessen sich leider nicht dazu ueberreden, uns 90 Tage Aufenthalt zu genehmigen. Auf der Touristenkarte sind nun einmal 30 Tage vorgegeben. Dann nahmen wir die 32 km Dirtroad (mit kleineren Seen als Hindernis) in Angriff, bevor es wieder etwas besseren, schwarzen Belag bis El Viejo bei Chinandega gab. Dort trafen wir wieder auf die Strasse CA2, welche hervorragend (mit Seitenstreifen wie in El Salvador) ausgebaut ist. Die Menschen unterwegs waren auffallend herzlich, lebenslustig und auch sehr huebsch. Was so eine Landesgrenze doch alles ausmachen kann! Wir fuehlten uns jedenfalls auf Anhieb sauwohl. Von Chinandega fuhren wir entlang der Vulkankette mit aktiven, rauchenden Vulkanen nach Leon, wo wir uns gleich mal ein paar Tage „niederliessen“.
Weiter pedalten wir nach Leon Viejo, der alten Hauptstadt Nicaraguas. Diese Stadt wurde vor einigen hundert Jahren verlassen, mehrere Erdbeben, Vulkanausbrueche und Hurrikane haben nur noch ein paar Grundmauern der Stadt uebrig gelassen, aber noch heute hat man vom alten Fort aus einen tollen Blick auf den Vulkan Momotombo. Nach einer Haengematten-Nacht am Lago Managua ging es weiter in die Hauptstadt, Managua. Dort suchten wir verzweifelt das Zentrum, und auch die Einheimischen konnten uns nicht weiterhelfen – es gibt naemlich keines! Die Stadt haut einem nicht gerade vom Hocker und so erledigten wir nur Notwendiges auf der Immigration und duesten so frueh wie moeglich weiter nach Masaya.

Dort kamen wir wieder einmal (ungeplant) rechtzeitig zum Start der laengsten Party Nicaraguas (welche 3 Monate dauert!). Eroeffnet wurde diese am letzten Sonntag im September mit einem Umzug von ueber 1000 edlen Pferden und Reitern aus dem ganzen Land, Paola’s Herz schlug gleich mal ein paar Takte schneller. Den groessten natuerlichen Umweltverschmutzer der Welt besuchten wir per Bus und zu Fuss, den Vulkan Masaya. Aus dem „Hoellenschlund“ entweichen taeglich 500-3000 Tonnen Schwefelgase, im wahrsten Sinne des Wortes ein atemberaubender Anblick. Als dem Igel dann am Dienstag im Getuemmel des Umzugs zu Ehren des heiligen Jeronimos der Tagesgeldbeutel mit einem uralten, bloeden Trick geklaut wurde, hatten wir genug von der Party und zogen weiter nach Granada.
Granada am Lago Nicaragua ist laut einem Magazin „the oldest town of the Americas“ und hat ihren Charme behalten trotz diverser Erdbeben, Piratenueberfaelle und Feuer. Der nahe gelegenen Laguna de Apoya statteten wir auch einen Besuch ab und hatten vom Mirador des Ortes Catarina aus einen wunderbaren Ausblick auf die Lagune, den Lago Nicaragua und den Vulkan Mombacho.

Am 06.10.2003 setzten wir mit der Faehre von Granada zur Insel Ometepe ueber. Nach Einbruch der Dunkelheit trafen wir in Alta Gracia ein und wurden zum Glueck von einem Pick-up mit in den Ort genommen, da es auf der ganzen Insel nur ueble Dreckstrassen gibt. Nachdem wir bei Tage die Petroglyphen im Ort besichtigt hatten, starteten wir die Inselumrundung gegen den Uhrzeigersinn. Zuerst kamen wir zur groessten „Stadt“ der Insel, Moyogalpa, danach genossen wir Natur pur in Charco Verde mit der gruenen Lagune und vielen Bruellaffen. Auf dem Istmus der Insel, zwischen den Vulkanen Concepcion und Madera verbrachten wir einige Naechte und machten taeglich ausgedehnte Spaziergaenge (bei welchen wir ein Traumgrundstueck entdeckten – den Punta El Delirio – doch leider schon verkauft). Anschliessend machten wir uns auf in den unwegsamsten Teil der Insel, via Merida nach San Ramon. Dort besichtigten wir den schoenen Wasserfall auf ca. 600m Hoehe am Vulkan Madera und trafen auch Petra aus CH-Schwaderloch wieder, welche wir im Casa Guatemala kenngelernt hatten. Das Palapa an der kleinen Marina der Estacion Biologica diente uns als optimale Schlafstelle: mit Blick auf den Vulkan Concepcion und den Lago Nicaragua, regengeschuetzter Haengemattenplatz und sogar Strom! So blieben wir gleich mal 2 Naechte „haengen“.

Von San Ramon aus ging es in den praktisch unerschlossenen Teil der Insel, via der kleinen Siedlungen Tichana, San Pedro, La Palma und Corozal nach Balgue, wo es weder Strom noch Busverbindung (geschweige denn irgendwelchen Verkehr) gibt. Einen ganzen, schweissgetraenkten Tag brauchten wir fuer diese 24 km, wobei wir fast die Haelfte der Strecke geschoben haben! Doch wie gut, dass es die Finca Magdalena in Balgue gibt! Dort haengten wir wieder unsere Haengematten auf und fuer die naechsten 5 Tage liessen wir unsere Seelen baumeln.
Wir entschlossen uns noch einen Abstecher nach San Juan del Sur zu machen, bevor wir unseres bisheriges Lieblingsland der Reise in Richtung Costa Rica verliessen.

Costa Rica
Oktober – Dezember 2003, Januar 2004 mit Haui
Guanacaste, Puntarenas, Alajuela, Limon

Am 28. Oktober 2003 radelten wir in Penas Blancas ueber die Grenze und der Dicke freute sich wie d’Sau – endlich wieder „zu Hause“!
Die Strassenverhaeltnisse wurden fuer Radler gleich mal schlechter, kein Seitenstreifen, oft schlechter Teerbelag, doch der Verkehr auf der CA1 hielt sich in Grenzen. Die erste Nacht im Tico-Land verbrachten wir in La Cruz mit herrlicher Aussicht auf die Bahia de Salinas. An der Tanke von La Cruz bekamen wir sogar die Landesflaggen fuer unsere Sammlung geschenkt – prima! Ueber recht huegelige und gruene Strecke machten wir uns auf in Richtung Nicoya Peninsula.

Ueber Liberia fuhren wir in Richtung Kueste und in Sardinal verliess uns dann schon der Teerbelag. Und auch die Steigungsgrade nahmen drastisch zu, bis zu 22%, sodass wir gut zu schieben hatten. Auf den Pazifik trafen wir am Playa Potrero und am Playa Brasilito verbrachten wir die erste Nacht in unseren geliebten Haengematten. Am Playa Grande wollten wir Baulas, die Riesenschildkroeten beim Eier ablegen sehen, leider sahen wir nur deren Spuren im Sand am naechsten Morgen. Ueber 2 Meter breit ist solch eine Spur, da kann man sich vorstellen, wie gross und alt die Schildkroeten sind! Kurz vor Playa Tamarindo stellten wir wieder einmal fest, wie gut es ist, nicht mit einem Auto unterwegs zu sein. Die Strasse endete an einer Lagune – und was nun? Entweder einen Umweg von mind. 20 km fahren oder einfach mit einem kleinen Motorboot uebersetzen und dabei noch Salzwasser-Krokodile beobachten. Die zweite Moeglichkeit besteht jedoch nur fuer Fussgaenger oder Radler…

Eigentlich wollten wir am Playa Tamarindo ein paar Tage ausruhen, aber dort gefiel es uns gar nicht, eindeutig zu touristisch. Drum fuhren wir weiter zum Playa Junquillal und verbrachten ein paar Ruhetage im schoenen http://www.playajunquillalsurfcamp.com , wo wir ausser dem Besitzer Santiago alleine waren und den ganzen Strand fuer uns hatten.
Santiago verabschiedete uns am fruehen Morgen mit den Worten „bis gegen Mittag seid Ihr bequem in Ostional…“. Und was war dann? Die Strecke ist tierisch hueglig und gegen Mittag waren wir dann erst am Playa Pitahaya, wo wir uns staerkten und dann ging es erst richtig los. Kurz nach dem Essen fing es an zu regnen und wir mussten eine Stunde lang unter einem Dach warten. Und dann kam der erste Bach. Frisch „gefuettert“ vom Regen ging uns dieser bis zum Oberschenkel. Vordertaschen abladen, ruebertragen und die Fahrraeder schieben. Danach ging es 500 m tierisch steil den Berg wieder hoch. Ein paar Kilometer fahren und – Ueberraschung, der naechste Fluss. Ca. 50m breit, nicht ganz so tief, dafuer viel staerkere Stroemung. Gleiches Spiel, vordere Taschen ab, schieben, schieben, ups, und schwups und weg sind die Fuesse und der Igel liegt mit samt Fahrrad und hinterem Gepaeck und Lenkertasche (mit dem armen Hippel drin) im Wasser. Alles ganz schoen nass, aber sonst nix weiter passiert (und der wasserscheue Hippel lebt noch, wenn auch stinkesauer). Es folgten noch ein steiler Buckel und 2 Baeche und mit allerletztem Tageslicht erreichten wir dann doch noch den Playa Ostional, wo wir eine Bleibe fanden und beim Abendessen fast einschliefen …
Die naechsten Tage verbrachten wir am Strand – aber nein, nicht zum sonnen, zum „Turtle-Hebammen“ spielen. Frueh morgens gingen wir an den Strand und verscheuchten gefraessige Geier und Hunde, damit die kleinen Fischbroetchen in Ruhe ins Wasser krabbeln konnten. Bei staerker werdender Sonne und heisser werdenden Sand mussten wir die frisch geschluepften Turtles bis zum feuchten Sand tragen, da sie sonst im Sand „gebraten“ wurden. Einem paar Hundert kleiner Krabbelviecher haben wir so das Leben gerettet – ein tolles Gefuehl!
Via Nosara ging es auf holpriger Strecke zum Playa Samara und dort trafen wir wieder auf Ruth aus Norwegen, welche wir schon auf der Isla Ometepe in Nicaragua kennenlernten. Nach einem besonders anstrengenden Tag trafen wir auf ganz besondere Gastfreundschaft im Restaurant Barranquilla 1 in der Naehe von Islita. Dort assen wir voellig fertig ein spaetes Mittagessen und erfuhren, dass wir noch mind. 15km anstrengender Strecke bis zu einem Campingplatz vor uns haetten. Doch wenn wir wollten, koennten wir auch hier zelten… Wir bekamen ein ganzes Huettchen mit Dusche und Klo angeboten, aber wir zogen es vor, unsere Haengematten nach Feierabend im Restaurant aufzuhaengen mit genialer Sicht auf den Pazifik. Wir wurden zum Abendessen eingeladen, schauten Costaricanisches Fussball, mexikanischen Big Brother bis die letzten Gaeste gegangen waren (gegen 24 Uhr!) und auch das ausgiebige Fruehstueck durften wir nicht bezahlen. Marieta und Leonel wollten lediglich eine Ansichtskarte wenn wir Feuerland erreicht haben…

Am Playa Coyote stiessen wir schon wieder auf einen unueberwindbaren Fluss am Strand. Bei Ebbe waere er eigentlich passierbar, aber in der Regenzeit… Als wir es schon fast aufgegeben hatten kam ein freundlicher Fischer vorbei und machte zwei kleine Sonderfahrten fuer hilflose Radler, bevor er fischen ging. Auch hier durften wir wieder gratis neben einem Restaurant naechtigen, mussten allerdings die halbe Nacht Karaoke dafuer in Kauf nehmen.
Ihr werdet es nicht glauben, aber was kam dann? Ein Fluss, der Rio Bongo naemlich, und der floesste uns ganz schoen Furcht ein. Die Stroemung war nach naechtlichen Regenfaellen recht ordentlich und schon ein paar Schritte nach dem Ufer ging es verdaechtig tief hinunter in die schlammig braune Bruehe. Wir waren gerade umgedreht und informierten uns beim letzten Haus, als eine Gruppe Radtouristen mit Fuehrer vorbeigeradelt kam. Und wir schwups hinterher. Der Costaricanische Fuehrer kannte den Fluss und den richtigen Weg natuerlich und die meist amerikanischen Mountainbiker (ohne Gepaeck, dafuer im schicken Outfit) brauchten noch eine Extraportion Abenteuer und liefen gleich ein paar Mal durch den Fluss, um unser Gepaeck rueberzutragen. Solch eine Einrichtung sollte es an jedem Fluss geben… Danach ging es schlamm-schiebend bis zum Pazifik, wo uns noch eine bei Hochwasser bis zum Kinn gefuellte Lagune erwartete – wir warteten 3 Stunden, bis uns diese nur noch bis zum Knie ging. Mal wieder bei letztem Tageslicht (fuer lediglich ca. 25km!) erreichten wir Playa Sta. Theresa. Die tiefen Fluesse hoerten auf, die gemeinen Steigungen fingen an. Bis 26% auf Dreckstrassen die schweren Raeder hochschieben, das muss erst mal einer nachmachen! Literweise schuetteten wir Wasser in uns hinein, dass sofort aus allen Ecken und Enden wieder aus uns hinauslief. Von Mal Pais nach Montezuma und dann nach Tambor schafften wir wieder nur Tagesetappen von ca. 30km und waren jeden Abend total erledigt. Eines Mittags brauchten wir dringend etwas Essbares und bestellten uns „Mozote“ dazu, ein Erfrischungsgetraenk aus Baumrinde, endlich mal was anderes als Wasser. Voller Vorfreude wollte Paola einen kraeftigen Schluck nehmen, doch der Schluckmuskel verweigerte die Aufnahme der schleimigen Fluessigkeit (Konsistenz von Tapetenkleister) und so trank sie dann doch wieder Wasser.
In Paquera hatten wir genug von Playas, Meer, Fluessen und steilen Dreckstrassen und setzten mit der Faehre nach Puntarenas ueber. In der Hafenstadt blieben wir einige Tage und erledigten lang faellige Internetarbeiten.

Dann ging es weiter kraeftig in die Berge, via Orotina nach Alajuela auf ca. 1000m Hoehe. Dort goennten wir uns nach einigen Monaten (!) wieder einmal eine Waescherei fuer unsere Kaltwasser-gepruefte Waesche. Wir suchten den Laden auf, in welchem wir vor 7 Jahren unseren „Dicken“ erstanden haben, doch vom Rest seiner Familie war leider keine Spur mehr zu finden. So fuhren wir weiter ueber Heredia und San Isidro bis auf 1547m, bevor es durch den Braulio Carrillo Nationalpark wieder bergab in Richtung Karibik ging. Am liebsten waeren wir zwei Mal durch den Nationalpark gefahren, da die Strecke so gierig gruen und alles downhill ist. Aber dann haetten wir ja zuerst noch einmal hinauf fahren muessen – das wollten wir dann auch wieder nicht…
In Puerto Limon und Cahuita holte uns die Regenzeit ein, und zwar so kraeftig, dass sogar kurzeitig der Notstand ausgerufen wurde. Land unter und einige Bruecken wurden fortgeschwemmt, so verliessen wir unser Cabina in Cahuita nur fuer das Notwendigste. Als sich das Wetter wieder besserte, machten wir uns auf den Weg ueber Puerto Viejo und Sixaola nach Panama.

19.01. – 05.02.2004, Besuch von Haui aus Deutschland

Am Airport Juan Santamaria bei Alajuela konnten wir unseren Haui von seinem Gepaeck erleichtern, so hatte er doch einige Bestellungen und Ueberraschungen aus Deutschland fuer uns dabei. In der Villa Real in Alajuela liessen wir den Haui sich aklimatisieren und wir konnten geschmuggelten Hotzenwaelder Speck, Schuefele, Kaese und Holzofenbrot in Ruhe geniessen. So gestaerkt machten wir als erstes eine Kajaktour auf dem Lago Arenal mit Sicht auf den aktiven Vulkan. Danach ging es weiter zu Pferde nach Sta. Elena in die Berge von Monteverde. Knapp 4 Stunden lang kaempften sich unsere getreuen Vierbeiner bergauf durch reissende Baeche und durch Schlammkanaele. Oben angekommen hatten wir eine gigantische Aussicht auf den Vulkan und den Lago Arenal. In Sta. Elena liefen wir an Paola’s 40. Geburtstag stundenlang durch den Nebelwald und ueber die 8 Haengebruecken des Skywalks. Danach wurde erst mal kraeftig gefeiert.

Aber wir hatten vom Dschungel noch nicht genug und so fuhren wir weiter zur Finca La Suerte in der Naehe der karibischen Kueste. In dieser biologischen Station sahen wir eine Vielzahl verschiedener Tiere (z.B. Affen, Giftfroesche, Jaguarundi, Tukane, Vogelspinne, viele Moskitos…), auf die uns unser vierbeiniger Guide „Mickey“ aufmerksam machte ohne sie zu verjagen.
Weiter ging es nach Puerto Viejo, in die sagenhafte Campinganlage des Rocking J’s. Dort testeten wir gleich mal unser neues Zelt, ein Sierra Leone der Marke Salewa. In Cahuita liessen wir uns weiter vom karibischen Feeling verleiten. Wir besuchten den Nationalpark von Cahuita und trafen einen alten Bekannten wieder, welchen wir vor 7 Jahren dort kennengelernt hatten. Party!
Via Bribri und Sixaola ging es ueber die Grenze nach Panama und mit einem Boot nach Bocas del Toro. Hier gab es ein grosses Wiedersehen mit der „alten Crew bei Dona Otti“. Dann ging es ueber die Berge via David nach Panama Stadt und schon war die gemeinsame Zeit vorbei. Haui musste wieder zurueck ins kalte Deutschland – smief!

Panama
Dezember 2003 – Februar 2004
Bocas del Toro, Chiriqui, Panama, Colon, San Blas

Land Nummer 17!
Am 14. Dezember 2003 schoben wir unsere Cabongas ueber die alte Eisenbahnbruecke ueber den Rio Sixaola von Costa Rica nach Panama. Kurz nach Changuinola fuhren wir durch Abermillionen Bananen zum Pier der Finca 63, wo wir wieder einmal unsere Drahtesel auf 2 kleine Powerboote luden. Es ging durch Kanaele entlang der Karibikkueste auf die Insel Colon des Archipels Bocas del Toro. Und an diesem ersten Tag hatten wir sogar Sonne! Die naechsten 3 Wochen jedoch sollten wir mehr Regen als Sonne sehen. Wir nisteten uns ueber die Feiertage in einer sehr einfachen aber schoen gelegenen Unterkunft direkt ueber dem karibischen Meer ein. Igel versuchte taeglich unsere Mahlzeiten zu fischen, was mehr oder weniger erfolgreich ausging. Just an Sylvester zog er 6 schoene Speisefische aus dem Wasser und so war das Festtagsmenu gerettet. Das Hospedaje von Dona Otti beherbergte viele Langzeit-Traveller aus aller Welt und so hatten wir taeglich interessanten Gespraechsstoff. Unter anderem kamen auch die Radler Knut und Martin ( http://www.gosouth.de ) vorbei, mit welchen wir mal wieder einen Haufen Radlerlatein auswechseln konnten.

In der zweiten Januarwoche hiess es dann den faulen Hintern wieder einmal in die Saettel zu schwingen und ueber die Berge von Almirante ueber Chiriqui Grande nach David auf die Pazifikseite zu radeln. Das war eine ganz schoen schweisstreibende Angelegenheit und bescherte uns einen ordentlichen Muskelkater. Trotz aller Muehen kann man Radlern diese Strecke nur weiter empfehlen. Fast kein Verkehr, herrliche Natur, viele Viechers, gute Aussichten (je nach Wetter) und zum Schluss wartet ein toller downhill als Belohnung.
Ein paar Tage blieben wir in David und fuhren dann via Horconcitos und Boca Chica zur Insel Boca Brava. Dort wollten wir eigentlich unsere Fahrraeder fuer die naechsten 3 Wochen lassen, aber der deutsche Besitzer Frank machte uns einen Strich durch die Rechnung. Der arme Kerl war vom Weihnachts-Business so gestresst, dass er keinen Bock mehr auf Kundschaft hatte und nach 20 Minuten waren wir bereits wieder auf dem Boot zurueck nach Boca Chica. Dort durften wir gratis im Parque Central naechtigen und das leckere Lobster Dinner fanden wir bei Muttern in der Kueche fuer einen Dollar pro Person! Doch jetzt hatten wir ein Problem: Besuch aus Deutschland stand an und wir hatten noch keinen Platz fuer unsere Cabongas! So beschlossen wir zurueck zur Panamericana zu radeln und unser Glueck trampend von der naechsten Tanke aus zu versuchen. Nach 3 Stunden waren wir erfolgreich und konnten mit einem Pick-up bis nach La Chorrera, 35km vor Panama City mitfahren.
Am 11.01.2004 radelten wir ueber die Puente de las Americas ueber den Panama-Kanal nach Panama City ein. Dort machten wir uns auf die Suche nach einem Platz fuer unsere Raeder und wurden schlussendlich im Casco Viejo, der schoenen Altstadt fuendig. Mit dem Bus machten wir uns auf nach Costa Rica, um unseren Besuch aus Deutschland zu empfangen.

19.01. – 05.02.2004, Besuch von Haui aus Deutschland

Zurueck in Panama City stellten wir erfreut fest, dass alle unsere eingestellten Sachen noch vorhanden waren und machten uns auf die Suche nach einem Schiff nach Kolumbien. Tagelang machten wir Adressen und Telefonnummern ausfindig, klapperten alle Piers in Panama und Colon ab, gingen in die Yachtclubs und hingen Flyer auf, schrieben zig e-mails und surften zum Thema Mitsegeln und Frachtschiff-Passagen im Netz, doch anfangs immer erfolglos. Neue, verschaerfte Regeln betr. Versicherungen und Steuern machen ein Mitreisen auf Frachtschiffen heutzutage praktisch unmoeglich und die aktuelle Wetterlage (Winde) liessen auch nicht viel Hoffnung auf ein Mitsegeln aufkommen.
Doch dann erhielten wir einen Anruf auf unseren Flyer. Das Segelschiff Valhalla ( http://www.sailvalhalla.com ) mit ihren 65 Fuessen Laenge mache eine Tour mit 4 Motorraedern und mehreren Backpackern via San Blas nach Cartagena – bereits am naechsten Tag ginge es von Colon aus los! Wir waren jedoch noch am Pazifik in Panama City, knappe 100 km entfernt und es war schon nach 10 Uhr morgens. Was tun? Die Strasse dorthin ist zudem praktisch Selbstmord mit dem Fahrrad, stark befahren, ohne Seitenstreifen und ziemlich bergig. Also gut, versuchen wir es. Zuerst mussten wir die Raeder bepacken, dann mit dem Pick-up zur Busstation ausserhalb der Stadt und von dort ging es mit dem Express-Bus nach Colon am Atlantik. Wir verbrachten die Nacht in einem Hotel und am naechsten Morgen radelten wir zum Yachtclub und warteten dort auf unser „Taxi“ nach Kolumbien. Wir warteten den ganzen Tag lang und das sollte nur der Beginn einer ziemlich chaotischen Organisation und Reise werden…

Das Segelboot tauchte erst am Nachmittag auf, dann musste erst einmal getankt werden, Lebensmitteln wurden besorgt und der Papierkrieg war auch noch zu erledigen, o.K., wir haben ja schliesslich Zeit. Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir dann doch noch mit unseren Raedern mit dem Dinghy an Bord. Ohne irgendwelche Erklaerungen oder Sicherheitseinweisungen stachen wir gegen 20 Uhr in See in Richtung Portobelo, wo wir neben den 4 Motorbikern noch 7 Backpacker mit an Bord nahmen. 15 Leute auf einem Segler, juchuu, da kommt Freude auf. Die meist englischen und australischen Backpacker brachten ausserdem mehr Bier und Rum als Gepaeck an Bord, ja sind wir denn hier auf einem Partyboot?
Von den kanadischen Motorbikern erfuhren wir, dass sie ca. eine Woche lang in Portobelo am Boot gearbeitet hatten, um es ueberhaupt seetuechtig zu machen. Wenigstens kannten sie sich nun an Bord aus. Besonders unserem Freund David Graf haben wir es zu verdanken, dass wir auch nach mehrmaligem reparieren auf hoher See gut in Cartagena ankamen.
Thanks a lot, David!

Ueber Nacht fuhren wir dann zu den San Blas Inseln und dort sieht es wirklich so aus, wie es uns die Bacardi Werbung immer zeigt. Vor einer schoenen Inseln fiel wieder einmal der Motor aus und der Captain beschloss, dann eben gleich hier zu ankern, doch leider bemerkte er zu spaet, dass die Ankerkette nicht am Boot befestigt war – ein teurer Anker und ca. 300 Fuesse Kette mal eben in ca. 150 Fuessen Meerestiefe versenkt – ups. Aber wir hatten ja noch 2 Ersatzanker an Deck. 2 Tage lang genossen wir die Idylle und Igel hatte wieder einmal Angelsaison. Und endlich wurde er dafuer belohnt, dass er wochenlang in Bocas del Toro Barracudas gefuettert hatte: ein schoener, grosser Barracuda biss an und ein lecker Dinner fuer Mann und Maus war gesichert. Wir schlugen uns die Baeuche noch mal richtig voll, bevor es los ging in Richtung Cartagena. Wieder ging es nachts los und schon das „ausparken“ in San Blas zwischen vielen anderen Seglern und einem nahe gelegenen Riff wurde ganz schoen spannend. Auf offener See war dann gleich wieder ordentlich Seegang und Paola liess sich das schoene Dinner noch einmal „durch den Kopf“ gehen (Igel wartete damit bis zum naechsten Tage) …
Ca. 50 Stunden lang waren wir unterwegs von San Blas nach Cartagena. Wir hatten Wellen von bis zu 10 Fuessen Hoehe und immer wieder ordentliche Winde und die ganze Mannschaft war ganz schoen froh, als endlich das Ziel zu sehen war. Erledigt ankerten wir vor dem Yachtclub und am naechsten Tage musste natuerlich erst wieder der Buerokram erledigt werden, bevor wir in Kolumbien an Land gehen durften.

Über grenzenlos2001

Igel & Paola, Rambo & Caramba auf dem Bike, Trike und im Bus um die Welt
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