Südamerika 5 AR, PY, CL

Argentinien
Juni – August 2008
Salta, Jujuy, Salta, Tucuman, Estero, Chaco, Formosa

Dezember 2008 – Februar 2009
Missiones – Jujuy, Salta, Tucuman, Catamarca, La Rioja, San Juan, Mendoza

Am 3. Juni 2008 reisten wir aus Yacuiba, Bolivien in das 27. Land unserer Reise, Argentinien, ein. Die Grenzbeamten in Prof. Salvador Mazza sind nett, doch nehmen sie es auch genau. 6 Leute brauchte es, um den Pass zu studieren, registrieren, zu stempeln und zu unterschreiben. Danach muessen alle Gepaeckstuecke durch den Scanner und auch Rambos Papiere werden einmal (halbherzig) gecheckt. Alles in Ordnung, gute Fahrt! Schoenstes Wetter begleitet uns am ersten Tag in Argentinien, die Strasse laesst allerdings zu wuenschen uebrig. Die Ruta 34 ist sehr schmal und ohne Seitenstreifenin, die LKW Fahrer sind ziemlich agressiv. Tartagal ist unser erster Stop. Wir lernen unterwegs den Rennradler Cayetano kennen,welcher uns bei der Hotelsuche behilflich ist. Der erste grosse Unterschied zu Bolivien: es gibt viele Supermaerkte, dafuer wenig Moeglichkeiten, auf der Strasse oder in kleinen Restaurants zu essen. So passen wir uns gleich an und kaufen meistens abends ein fuer Vesper auf dem Zimmer und fuer Fruehstueck am naechsten Tag. Ueberhaupt ticken hier die Uhren anders. Beim Mittagessen um 14 Uhr wird man noch mit „buenos dias“ begruesst. Viele Laeden (auch grosse Supermaerkte) schliessen zwischen 13 und 17 Uhr (wir standen um 15 Uhr bloede vor einem geschlossenen Supi und fragten uns, wann hier ueberhaupt gearbeitet wird), im Dunklen um 19 oder 20 Uhr wird man noch mit „buenas tardes“ begruesst. Argentinier essen zu abend um 22 oder 23 Uhr, morgens vor 9 Uhr muss man von niemandem etwas wollen. Auch wurde unsere Vorstellung zu nichte gemacht, dass jeder Argentinier mit Mate-Becher und Thermoskanne unterwegs ist. Hier im Norden laufen alle mit dicker Backe rum, naemlich gefuellt mit Cocablaettern, tatsaechlich deutlich mehr Leute, als in Bolivien im Tiefland! Ueber Embarcacion und Caimancito fuhren wir nach Libertador General San Martin. Dort feierten wir Igels 45sten Geburtstag. Rambo war schon am Geburtstag nicht sehr fit, am Tag danach wollte er gar nicht aufstehen und hatte Fieber. Am Montag morgen gingen wir dann zum Tierarzt, Befund: Giardia! 2 Spritzen, Medizin fuer 7 Tage und 2 Tage Ruhepause waren die Verordnung. Danach ging es Rambo nicht besser, sondern schlechter. Der neue Verdacht lag auf einen neuen Schub von Ehrlichiose (die sich Rambo in Venezuela eingefangen hatte). Doch in Libertador gab es weder ein Labor zur Blutuntersuchung noch Medikamente dagegen. Mit Hilfe der Tieraerztin organisierten wir einen Transport nach Salta, um dem kranken Rambo mindestens 3 Tage Delirium im Haenger zu ersparen. Angekommen in Salta machten wir sofort eine Blut- und Urinuntersuchung und checkten alles, was es zu checken gibt. Ergebnis: keine Ehrlichiose, Blutwerte sehr gut (!), Rambo muesste eigentlich quietschfidel sein! Die Tieraerzte und wir warten ratlos, beschlossen aber, wenigstens die Medikation zu aendern, da die alte nicht einmal das hohe Fieber senken konnte.
In Salta zogen wir ins Casa de Ciclistas von Ramon Marin ein.
Rambos Fieber ging weg, doch er blieb krank. Mehrere Ereignisse bewegten uns dazu, den Tierarzt zu wechseln. Nach 2 Wochen „rumdoktoren“ behandelten wir doch auf Ehrlichiose. Die Doxiciclin-Therapie schlug an und Rambo war endlich auf dem Weg der Besserung. Und so ging es nicht nur dem Kleinen besser, sondern auch uns. 2 Wochen Sorgen und schlaflose Naechte hatten ihre Spuren hinterlassen.
Nach fast 3 Wochen in Salta ging es an einem strahlend schoenen Tag weiter in Richtung Sueden. In der Nacht hatte es auf der westlich von Salta liegenden Kette der Anden geschneit! Welch ein Anblick. In El Carril tauschten wir das heimelige Casa de Ciclistas wieder mal gegen unser Zelt ein. Nach Alemania ging die huebsche Strecke in den Canyon „Quebrada de las conchas“ ueber. Eine spektakulaere Landschaft erwartete uns dort, Berge in allen Farben und Formen, der Rio Lerma, Palo Verde und Kakteen, Llamas und Papageien – vor Jahrmillionen muss es hier aehnlich ausgesehen haben. Wir waren begeistert von den rund 190km zwischen Salta und Cafayate, unsere Kameras liefen geradezu heiss!
In Cafayate hiess es zuerst einmal die Bilderflut zu verarbeiten, den guten Wein zu probieren und auszuruhen, war diese Strecke doch Rambo’s Rueckkehr ins „Viajero-Leben“ nach seiner schweren Krankheit in Salta. Wir verliebten uns regelrecht in Cafayate, doch nach einer Woche hiess es dann Abschied nehmen und weiter zu radeln in einem der Valles Calchaquies, welches ebenfalls eine magische Anziehungskraft auf uns ausuebte und eine herrliche positive Energie ausstrahlt. Wir radelten via Colalao del Valle vorbei an den Ruinas de Quilmes nach Amaicha del Valle, wo wir uns das eindrucksvolle Museo de la Pachamama anschauten. Der Besitzer, Hector Cruz, hat zwar einen zweifelhaften Namen in dieser Region, doch das Museum ist wirklich sehenswert.
Dann ging es nach langer Zeit wieder einmal richtig in die Hoehe. El Infiernillo wartete auf uns, 3042m, fast 7 Stunden (inkl. 3 Pausen) brauchten wir fuer den Pass. Mit einem Auge hielten wir immer Ausschau nach einem „Taxi“, doch es kam kein passendes vorbei, also hiess es, ran an die Pedalen, und fuer Rambo: laufen! Ueber 30km und ueber 1100 Hoehenmeter hat Rambo an diesem Tag zurueck gelegt – und Spass hat er dabei gehabt, unermuedlich kleine Tierchen gejagt (und zum Glueck nicht gefangen). Danach ging es hinunter nach Tafi del Valle, ein ziemlich touristischer, aber fuer uns unsympatischer Ort. Anschliessend folgte die spektakulaere Abfahrt ins Tiefland nach Acheral. Ueber 1600 Hoehenmeter Abfahrt auf ca. 50km, fast „purer downhill“, der Traum eines jeden Radlers. Und eine Durchfahrt aller Klimazonen! Wir waren froh, dass wir diese Route mit ihren vielen Serpentinen nicht anders herum gefahren sind!
Ein weiteres Casa de Ciclistas stand auf dem Programm: in San Miguel de Tucuman besuchten wir Benjamin Salinas in der Av. Salta. Hier trafen wir einen weiteren Radler, naemlich Sekiji aus Osaka, Japan. Im Haus von Benjamin blieben wir eine Woche lang, profitierten vom gratis WIFI und genossen die gemeinsamen Abende mit neuen Freunden, Pizza, Asado und sonstigen Leckereien.
Die Reise ging weiter in Richtung Santiago del Estero, welches gerade Geburtstag feierte. 455 Jahre (seltsames Jubilaeum) wurde die Stadt alt, fuer uns hiess das: schnell weiter, denn alle Hotels waren voll, keine Kontakte via CS oder HC, alles teuer, alle unfreundlich. Via den Strassen RN34 (nicht empfehlendswert!!) und RN89 radelten wir weiter durch den trockenen Chaco nach Quimili. Der ehemals dicht bewachsene Chaco wurde in den letzten Jahren „extrem-gerodet“ fuer Holzkohle, Sojabohnen und Rindviecher – das Ergebnis ist grausam. So wurden z.B. in den Jahren 2002-2006 mehr als 1 Million Hektar (Ihr habt richtig gelesen!!) Wald gerodet. Bei pagina 12 gibt es mehr Infos dazu.
Auf der RN34 hatten wir noch einen „Zwischenfall“. Die Strasse ist sehr schmal und hat keinen Seitenstreifen, ins „Gruene“ geht es ueber einen hohen Absatz, viele LKWs fahren im moerderischen Tempo an ihr Ziel. Staendig wurden wir von der Strasse gehupt und sprichwoertlich geschubst, unsere Laune dementsprechend. Als Paola wieder mal ins Gruene „huepfen“ musste, fluchte sie dem Trucker lauthals hinterher und zeigte ihm die Faust. Dieser hielt prompt an, stieg mit hochrotem Kopf aus und rollte schon seine Aermel hoch, als er realisierte, dass der es mit einer RadlerIN zu tun hat. Paola hatte endlich die Chance, all ihre aufgestaute Wut der letzten Tage herauszulassen und ihren gesammelten spanischen Wortschatz von „freundlichen“ Bezeichnungen netter Mitbuerger loszuwerden (wie z.B. maldito imbecil, hijo de puta, usw.). Was dann geschah? Wir koennen Euch beruhigen, liebe Freunde, der Trucker hat eindeutig den Kuerzeren gezogen.
In Quimili ruhten wir uns einen Tag vom Ueberlebenskampf auf argentinischen Nationalstrassen aus, fuhren einen Tag in die falsche Richtung weiter (und freuten uns, warum die Strasse auf einmal so ruhig war…), wieder zurueck nach Quimili, und beschlossen dann, zu trampen. Dies geling uns nur teilweise, doch immerhin sparten wir auf dem Weg via P.R. Saenz Peña, Resistencia, Formosa und Clorinda ca. 480km auf den Strassen RN89, RN16 und RN11, die sich alle glichen: alles eben, immer geradeaus, immer Gegenwind, immer schmal, kein Seitenstreifen und viel lebensmueder LKW Verkehr. Einige Male hatten wir jedoch so lange Wartezeiten, dass wir weiter radelten und es jeweils im naechsten Ort probierten. 15km nach Resistencia, in Margarita Belen, sassen wir 2 Tage auf einer YPF Tankstelle fest, bis wir einen netten Trucker aus Paraguay kennen lernten, Ramon, der uns im leeren Fleisch-Kuehl-Laster bis Clorinda an die Grenze nach Paraguay mitnahm. Doch die Wartezeit wurde uns dort versuesst. Der Tankstellenbesitzer Matias hatte Mitleid mit uns, suchte verzweifelt nach einem passenden Truck, verpflegte uns gratis mit allen 3 Mahlzeiten und bot uns zum Schluss noch sein Grundstueck gegenueber der Tanke an (… nur im Falle es uns nicht gelingen sollte, weiter zu kommen). Euch beiden herzlichen Dank – muchas gracias! In Clorinda hiess es dann, den Grenzuebertritt vorzubereiten (Tierarzt-Bescheinigung etc.). Am 10. August 2008 verliessen wir den Norden Argentiniens, leckere Souveniers im Gepaeck fuer Igel’s anstehenden Deutschland-Besuch – Ueberraschung!

Dezember 2008

Auf einer Tagestour von Ciudad del Este, Paraguay aus besichtigten wir am 12.12.2008 die spektakulaeren Wasserfaelle von Iguassu. Fuer die argentinische Seite braucht man mindestens einen, besser 2 Tage, um dieses unglaubliche Naturwunder zu bestaunen. Und eine Menge Filme oder Speicherkarten!!! Auf dieser Seite kommt man ganz nahe dran an die Faelle, auf der brasilianischen Seite hat man den besseren Ueberblick, braucht aber auch nur einen halben Tag zur Besichtigung.

Nach Ciudad del Este und den Iguassu Faellen war eigentlich Brasiliens Sueden und Uruguay angesagt, doch Plaene sind dazu da, geaendert zu werden. Nach 4 Tagen erfolglosem Warten in Foz do Iguassu, BR auf einen Truck in Richtung Curitiba aenderten wir spontan unsere Route und nahmen das Angebot fuer eine Mitfahrgelegenheit bis nach Purmamarca, Jujuy an, denn das war doch genau die Region von Argentinien, die uns so gut gefallen hat und die wir sowieso noch mal besuchen wollten. Ausserdem gab es im Staat Santa Catarina, Brasilien auch noch gerade heftige Regenfaelle und die Weihnachtssaison begann – die ohnehin schon teuren Lebenshaltungskosten in Brasilien wuerden sich also noch mal fuer uns verteuern. Und (das ist unsere ganz persoenliche Meinung!): Brasilien ist uns immer noch nicht so recht sympatisch.

Warum also nicht dort hin fahren, wo wir uns richtig wohl gefuehlt haben? Man wird schliesslich auch nicht juenger und muss sich nicht mehr alle Strapazen antun. Wir fangen so langsam an, uns „die Rosinen rauszupicken“, und das ist ok so.

Und so fuhren wir am 23.12.2008 mit dem aus Sao Paulo kommenden Trucker Jaba in gut 3 Tagen von Puerto Iguassu und seinem ueberbreiten und ueberhohen 34,5 Tonner via Bernardo Irigoyen, Corrientes, Resistencia, Pampa del Infierno und San Salvador de Jujuy nach Purmamarca zurueck in die Anden. 1’864km legten wir mit unserem neuen Freund zurueck, wir feierten Weihnachten „on the road“ mit ihm und hatten unseren Spass zusammen. Muito obrigado, Jaba!!

Purmamarca ist ein kleines, idyllisches Dorf und liegt am Fusse des Cerro de los Siete Colores. Das Dorf ist wunderschoen restauriert, neue Gebaeude wurden im „alten Stil“ dazu gebaut, es herrscht eine himmlische Ruhe, trotz der doch ansehnlichen Zahl der Touristen, die taeglich das Dorf besuchen. Die Berge der Sieben Farben bietem einen unendliche Fotomotive, mit jeder Tagesstunde wechseln die spektakulaeren Farbenspiele. Trotz des anfaenglichen leichten „Hoehenschocks“ (Purmamarca liegt auf 2’200m) genossen wir unser erstes Ziel nach der Routenaenderung in vollen Zuegen.

2009

Sylvester 2008/2009 wollten wir in Tilcara, in der Quebrada Humahuaca, verbringen und im neuen Jahr bis Humahuaca weiterradeln. Doch bereits am 30. Dezember erlebten wir den Touri-Schock pur nach all der Ruhe in Purmamarca. Das Dorf Tilcara war voll mit Touristen, die um die letzten Zimmer zu voellig ueberhoehten Preisen kaempften, es war schlicht und ergreifend „der Baer“ los. Nichts fuer uns, zurueck ins Tal, entschieden wir uns. In Maimara (mit dem tollen Friedhof) versuchten wir es noch einmal, doch da erhielten wir zwar ein bezahlbares Zimmer, doch war dort kein einziges Restaurant offen, in den Laeden gab es kaum etwas – so wollten wir Sylvester nun auch wieder nicht verbringen. Also weiter bis Yala, wo wir dann „unser Paradies“ fanden. Ein heimeliges Zimmer mit viel Platz auf dem Campingplatz, Grillplatz, Pool und viele Freunde und wenig Bombas fuer Rambo, Laden und Wifi um die Ecke. Hier holten wir unser Weihnachtsmenu nach (1,1kg leckerstes gegrilltes arg. Rindfleisch und 2l Wein…), schnarchten ins neue Jahr und hingen regenbedingt noch 2 „Urlaubstage“ dran.

Ueber San Salvador de Jujuy, wo wir das Casa de Ciclistas geschlossen vorfanden, fuhren wir auf der Ruta 9 nach Salta. Diese Route koennen wir allen Radlern waermstens empfehlen! Den ersten Stop machten wir in El Carmen (Tip: Hostal La Plaza!), und dann ging es ueber die einspurige Strecke weiter vorbei an dem Stausee Las Maderas durch eine liebliche Maerchenlandschaft. Weiter ging es durch dichtes Gruen ueber die Provinzgrenze Jujuy/Salta nach La Caldera und schliesslich zum zweiten Mal zu Ramon ins Casa de Ciclistas in Salta. Jose und Ramon begleiteten uns dann in Richtung Cuesta del Obispo. Bis kurz nach El Maray schafften wir es mit unseren schwer beladenen Packeseln selbst, die 20km Anstieg auf ungeteerter Strasse bis Piedra del Molino liessen wir uns von einem Bus mitnehmen. Dann radelten wir weiter auf der faszinierenden Strecke der Ruta 33 nach Payogasta und dann auf Ruta 40 nach Cachi.

Von Cachi aus geht die Ruta 40 ungeteert weiter ueber Seclantas, Molinos, Angastaco und San Carlos nach Cafayate. Anstrengend, aber uneingeschraenkt empfehlenswert!! „Farben und Formen“, so koennte man diesen Abschnitt beschreiben und unsere Kameras kamen kaum zum Stillstand. Besonders die Quebrada de las Flechas („Bach der Pfeile“) ist ein einzigartiges Naturschauspiel, die alle Muehen wett macht. 5km vor San Carlos ist die Ruta 40 wieder geteert und wir fuhren fast „schwerelos“ zum zweiten Mal nach Cafayate. Einen Tag vor der Weiterreise ging dort ein uebler Hagelschauer nieder, der hoffentlich die Ernte 2009 (faellig im Maerz) nicht allzusehr vernichtet hat.

Paola’s Geburtstag verbrachten wir in El Bañado, Tucuman, im Hostal Rio de Arena. Dort goennten wir uns zwei Tage mit persoenlicher Betreuung, Hauswein und Pool – ist ja nicht jeder Tag Geburtstag… Weiter ging es nach Catamarca, naemlich via Sta. Maria nach Punta de Balasto, Hualfin und den malerischen Orten Belen und Londres. Hier wechselt die Ruta 40 oefters von Teer zu Dreck und zurueck zu Teerbelag. Dann ging es immer weiter in die „Wueste“ mit tagsueber wuestenhaften Temperaturen, aber auch nachts kuehlte es nicht mehr ab. Dank der Difunta Correa fanden wir aber auch immer wieder Wasser in der Wueste, zumindest zum duschen. In San Blas de los Sauces fanden wir einen netten Ort zum zelten, bevor wir weiter in der Sonne „roesteten“ und in Chilecito dann erstmals den leckeren Wein der Region La Rioja probieren konnten. Unsere Liste der Lieblingsweine wird immer laenger!

Die naechste Herausforderung hiess „Cuesta de Miranda“. Ein sehr huebscher Pass von 2020m, mitten im Wuestenklima im „Hochsommer“. Doch dieses mal war uns der Wind gnaedig, er kam von hinten!!! Welch ungewoehnliche Naturgewalt fuer einen Reiseradler… Und auch nach Pagancillo, eine Abkuerzung von 21km via Sandstrasse, radelten wir wie im Fluge, ueber 20 km/h auf Sandstrasse dank Rueckenwind. Der naechste Tag war um so schlimmer. Durch die Wueste des Nationalparkes Talampaya mit heftigem Gegenwind, 4-6 km/h waren nun die Hoechstgeschwindigkeiten, trotz Teer! Igel war mal wieder von weitem zu hoeren (fluch, mecker, sch…). In der Provinz San Juan schauten wir uns dann den Parque Regional Ischigualasto oder Valle de la Luna an. Beeindruckende Landschaft, welche die Naturgewalten wie Wasser, Wind und Erosion dort geschaffen haben. Hier wurden die aeltesten Dinosaurierskelette der Welt gefunden und noch heute kann man sich gut vorstellen, wie die Riesen einst durch diese Landschaft gestiefelt sind.

Und dann – San Agustin – nanu, schon wieder zu Hause?!? Nein, dieses mal waren wir in San Agustin del Valle Fertil gelandet – dem argentinischen „tocayo“ = Namensvetter zu unserem Zu Hause in Kolumbien. Via Astica geht es weiter nach Chucuma, wo uns ein Horror-Hund schlechthin begegnet – die Fotos dazu nur mit starken Nerven anschauen, bitte!! Weiter ging es zu wichtigen Schrainen. In Bermejo sahen wir uns San Expedito an und in Vallecito den Sterbeort der Difunta Correa (siehe oben).
Koennen 60 bzw. 80kg-schwere Bikes fliegen? Ja, beim downhill nach der Difunta Correa kreuzten wir Eisenbahnschienen und bemerkten erst zu spaet die Schanze…
Bei Caucete radelten wir durch das Weinanbaugebiet San Juan, danach ging es weiter durch die Wueste in Richtung Mendoza. Ein Campingplatz zwischen Dornen liess den Igel kraeftig fluchen, musste er am naechsten Morgen zwei Plattfuesse flicken und diese spaeter mit 14 (!!) Flicken wieder dicht machen.

Ueber 1200 Bodegas machen die Region Mendoza und somit Argentinien zum fuenftgroessten Weinproduzenten der Welt. Als alte und gefestigte Rotweinfans mussten wir dort natuerlich hin. Mendoza selbst ist mit den vielen Baeumen zwar schoen schattig und nett anzusehen, doch fuer uns sind mittlerweile alle Gross-Staedte irgendwie viel zu laut und zu nervig. Und um Gruen zu sehen und Ruhe zu haben, gehen wir halt lieber auf den „Campo“ – aufs Land, anstelle in irgendwelche sehenswerte Parks in einer Stadt… Mendoza ist also nicht unser Favorit unter Gross-Staedten. Zudem hoert man ununterbrochen von Klauern bis hin zu bewaffnetem Uerberfall und Morden fuer „Kleinigkeiten“. Auffallend oft wurden wir angesprochen nach dem Motto „aufgepasst, hier hat’s viele bandidos…“.

In Maipu besichtigten wir zwei Bodegas. Eine induestrielle Gross-Bodega, welche jaehrlich 13 Millionen Liter Wein produziert, naemlich die Bodega Lopez. Wir befinden uns gerade in der Erntezeit, so konnten wir viele LKW-Ladungen voller Trauben erleben, die zum einsaften abgeliefert wurden. Als Kontrast besichtigten wir noch die organische Bodega Cecchini, welche Wein und Olivenoel produziert.

Dann ging es auf die letzte Etappe in Argentinien: den Paso Bermejo oder Paso de los Libertadores oder zum Tunnel Christo Redentor auf knapp 3’200m. Fuer Radler koennen wir diese Richtung nur waermstens empfehlen. Die argentinische Seite des Passes ist laenger in Kilometern wie die chilenische, dafuer aber auch deutlich weniger steil. In 4 Etappen bewaeltigten wir diesen spektakulaeren Pass. Potrerillos, Uspallata, Los Penitentes und Las Cuevas hiessen unsere Etappenziele. In Las Cuevas machten wir noch eine Tour zum Christo Redentor via der alten, ungeteerten Pass Strasse auf knappen 4’000m, bevor wir mit einem weinenden Auge Argentinien durch den Tunnel in Richtung Chile verliessen. Hasta luego, Argentina querida!

Paraguay
August – Dezember 2008
Central, Paraguari, Misiones, Itapua, Central, Alto Parana

Jose Falcon/Puente Loyola heisst der offizielle Grenzuebergang, doch auf der Karte lassen sich besser die Orte Clorinda in Argentinien und Asuncion in Paraguay ausmachen. 42km sind es von dort bis in die Hauptstadt von Paraguay. Ein paar Tage hielten wir uns in Asuncion auf und verfolgten die geschaeftigen Vorbereitungen fuer die Amtseinweihung des neuen Praesidenten, Fernando Lugo. Mit dem Beginn seiner fünfjährigen Amtsperiode endete die über 60-jährige Herrschaft der Colorado-Partei, der auch der berüchtigte Diktator General Alfredo Stroessner angehörte, der das Land von 1954 bis 1989 mit eiserner Hand regierte.

Dann ging es weiter nach Aregua, unserem „Domizil“ fuer die naechsten Wochen. Joachim und Sandra von CouchSurfing (CS) richteten uns ein tolles Zimmer im Haus von Opa (Sandras Papa) ein. Hier fanden Paola und Rambo ein neues zu Hause fuer die Zeit, die Igel nach Deutschland fliegen wollte.
Gleich nach unserer Ankunft fand ein Couchsurfing-Treffen Paraguay statt. An diesem Anlass besuchten wir mit Rambo eine Schule (CCPA, Centro Cultural Paraguayo Americano), machten eine „City-Tour“ und hatten ein sonntaegliches Asado in Aregua.

Vom 27. August bis 15. September flog Igel nach Deutschland. Sein Papa, Sheriff, feierte seinen 70sten Geburtstag. Wieder zurueck in Paraguay galt es, die neuen, meist gesponsorten Teile einzubauen und alle suessen und sonstigen Mitbringsel zu „vernichten“ (eine unserer leichtesten Uebungen). Mit Joachim, Sandra und Christian (aus Lima, auch CS) unternahmen wir schoene Ausfluege in die Umgebung von Aregua, u.a. nach Tobati, Atyra (Capital Ecologica del Paraguay, u.a. Casa del Monte), San Bernardino (Lago Ypacarai), Altos und am naechsten Tag zum Salto Cristal im Parque Nacional de Ybicui (Dept. Paraguari, bei La Colmena) und nach Piribebuy (arroyos). An einem anderen Ausflug lernten wir auch den Salto Pirareta kennen.

Die Abfahrt verzoegerte sich erneut durch den Bau einer neuen Kiste fuer Rambo. Die Kiste war schnell erstellt und gestrichen, doch dann wollte die neue Farbe nicht „ausstinken“ und Rambo weigerte sich, in die Stinkekiste einzusteigen. Dann packten wir Probe und stellten fest, dass Rambo sich eindeutig zu viele Souvenirs hatte schenken lassen. So bastelten wir auch noch neue Packtaschen fuer seinen Haenger.

Am 3. November war es dann soweit, Abschied von Joachim, Sandra und Opa (vielen, vielen Dank fuer alles!!!) und die Strasse hatte uns wieder. Wir fuhren nicht, „wie alle“, auf der Ruta 2 nach Ciudad del Este, sondern auf der Ruta 1 in Richtung Encarnacion und spaeter dann auf der Ruta 6 nach Ciudad del Este. Doppelte Kilometer, doch ruhigere Strecke und mehr zu sehen. Ruta 1 fuehrte uns ueber Ita, Yaguaron, Paraguari, Quiindy, Villa Florida und San Juan Bautista nach Santa Rosa. Dort bekam Paola eine Grippe und wir mussten 3 Tage pausieren. Weiter ging es nach Gen. Delgado, Crl. Bogado und Encarnacion. Die Strecke besteht hauptsaechlich aus Weiden und Rindviechern, erst gegen Encarnacion wird es abwechslungsreicher mit etwas mehr Baeumen und verschiedenen Anpflanzungen. Im Zuge des Staudamm Projektes Yacyreta sind einige Bauarbeiten im Gange.

Auf Ruta 6 ging es weiter in die deutschen Kolonien. Unterwegs trafen wir auf Isa und Juergen aus Hamburg, unterwegs in ihrem Landcruiser. In Hohenau bekam Paola einen Rueckfall und eine schwere Bronchitis. Radelverbot und Antibiotikum hiess die aerztliche Verordnung. Kaum ging es ihr einigermassen besser, machte Igel es ihr nach! Im „Kranken-„Hotel trafen wir auf Ken und Carol aus Australien, sie sind auf ihrer 800er BMW unterwegs um die Welt. Eines Sonntag Morgens klopfte es an unserer Hoteltuere – draussen stand eine Flasche Brahma Morena – Joachim und Sandra besuchten uns „schnell mal“ aus Aregua (ca. 400km entfernt…). Welch eine Wiedersehens-Freude! Sie hatten keine Freude an unserem Gesundheitszustand und „entfuehrten“ uns kurzerhand zurueck nach Aregua, zum auskurieren.

Opa freute sich riesig uns wiederzusehen! Und in unserem „alten – neuen“ zu Hause war einiges los. Zu Gast waren nun auch zwei Camper-Familien. Juergen und Yasha aus Australien und Maya und Inga aus Hamburg.
Nach zwei Wochen weiterer Pause und auskurieren fuhren wir dann mit Joachim und Sandra im Auto nach Ciudad del Este. Nur nichts uebertreiben und doch noch eine Lungenentzuendung riskieren… Joachim und Sandra, ihr zwei unermuedlichen, vielen vielen Dank noch mal fuer alles.

In Ciudad del Este blieben wir noch einmal 6 Tage lang, wiederum auf „einer Couch“ (Couchsurfing). Dieses Mal waren wir bei Andrea, ihren Eltern Celeste und Titem und den Geschwistern Letixa und Bruno eingeladen. Von dort aus besichtigten wir das (noch) groesste Wasserkraftwerk der Welt, Itaipu, den Zoo (mit Rambo!), das Guarani Museum und den Wasserfall Salto Monday. Wussten wir doch, dass Rambo in den angrenzenden Nationalpark der Iguassu Wasserfaelle nicht rein darf – smief!!! So durfte er wenigstens diesen Wasserfall sehen.
Auf einer Tagestour von Ciudad del Este aus besichtigten wir die spektakulaeren Wasserfaelle von Iguassu, argentinische Seite. Fotos dazu finden sich in der Gallerie unter Argentinien. Fuer die argentinische Seite braucht man mindestens einen Tag, besser 2 Tage, um dieses unglaubliche Naturwunder zu bestaunen. Und eine Menge Filme oder Speicherkarten!!!

Suedamerika

Chile
Februar – Maerz 2009
Region V Valparaiso, Region IV Coquimbo, Region III Atacama, Region II Antofagasta, Region I Tarapaca, Region XV Arica

Durch den Tunnel Cristo Redentor rollten wir Ende Februar 2009 in Chile ein. Der Grenzuebergang ging, zwar zeitintensiv, doch wider Erwarten problemlos von statten. Nach den Formalitaeten wartete das erste Highlight auf uns: der downhill von 3’200m auf unter 1’000m nach Los Andes via atemberaubender Strecke durch die Anden, so z.B. die „Caracol“, die Serpentinen. Starker Gegenwind vereitelte uns jedoch jegliche Streckenrekorde… dafuer hatten wir Zeit fuer viele Fotostops.
In Los Andes besuchten wir Eric Savard. Der Tierarzt hat auch ein Casa de Ciclistas wie wir in Kolumbien.
Dann brachen wir auf gen Norden via Putaendo, Cabildo und La Ligua zur Pazifikkueste zur Ruta 5, der Panamericana. In Los Vilos gewoehnten wir unsere fleischverwoehnten Koerper erst mal wieder um auf neue Kost: leckerer Meeresfisch! Reineta, Merluza, dazu ein gutes Glas chilenischer Wein – das Leben kann echt schoen sein!
In Los Vilos hielten wir wieder mal den Daumen raus, denn wir wollten uns die „wueste“ Kuestenkordillere in Chile ein wenig verkuerzen. Wir hatten auch gleich Glueck und fanden einen Truck nach Calama. Dort wollten wir die groesste offene Kupfermine der Welt, Chuquicamata, besichtigen. Jedoch muss man sich dafuer ca. eine Woche vorher anmelden! So gut gefiel uns Calama nicht, dass wir warten wollten, also duesten wir wieder durch die Atacama Wueste ins „Tal“ zurueck. Auf der ganzen Strecke von ueber 200km nach Antofagasta gibt es praktisch keinen Flecken Wueste, der nicht nach irgendetwas durchsucht wird oder wurde. Wir fuhren vorbei an Geisterstaedten, die um 1900 von Tausenden Minenarbeitern bewohnt wurden. Ausserdem stellten wir fest, wie schlecht chilenische Fahrer sind. Spaetestens an jedem Kilometer steht ein Totenhaeuschen, welches an das tragische Ende eines oder mehrerer Fahrer erinnert. Manche schlicht und schmucklos, andere ziemlich aufwendig, noch mal andere mit „eingebauter Picknick-Ecke“, damit die Toten auch ab und zu mal nicht so alleine in der Wueste rumliegen und Besuch kriegen.

Antofagasta gefiel uns (bis auf den geilen downhill dorthin) ueberhaupt nicht – sollte es dort jemals regnen, befuerchten wir das Schlimmste fuer diese chaotische Stadt. Die meisten Haeuser sind in die steilen, sandigen Berge hinein gebaut – ein Wunder, dass die dort ueberhaupt noch stehen! Wir duesten mit Rueckenwind gleich weiter nach Mejillones, wo es uns gleich viel besser gefiel. 15 Kilometer nach Antofagasta, mitten in der Wueste, fanden wir ein klitzekleines, fast verhungertes Kaetzchen. Wir nannten es „Quince“, nach dem Strassenkilometer, und suchten in Mejillones ein neues Zu Hause fuer den Kleinen. Dann radelten wir weiter auf der Ruta 1 nach Tocopilla, einer eher haesslichen Industriestadt. Nach Tocopilla ward uns das Tramperglueck wieder einmal hold und wir fanden einen Kleintransporter nach Iquique. Wie Antofagasta befindet sich Iquique auf einem schmalen, sandigen Streifen zwischen dem Pazifischen Ozean und einer hoch aufsteigenden sandigen Wand. Und auch hier hoffen wir, dass der Klimawandel hier nicht zuschlaegt und es jemals regnen laesst, sonst bekommt auch Iquique ein grosses Problem!! Doch Iquique ist eindeutig schoener als Antofagasta, besitzt eine pittoreske Altstadt, spannende Maerkte, einige schoene Holzhaeuser und eine sehenswerte Strandpromenade. Hier trafen wir den Radler Joanes aus dem Baskenland, dessen Homepage unter http://www.enbicialsur.com besichtigt werden kann.
Mit diversen Kleintransportern und einem LKW trampten wir via Humberstone und Pozo Almonte nach Arica und ersparten uns somit weitere 260 Wuestenkilometer mit 3 deftigen Anstiegen. Auch Arica gefiel uns recht gut und so bummelten wir hier einige Tage lang rum, bevor wir Chile in Richtung Peru verliessen.

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Über grenzenlos2001

Igel & Paola, Rambo & Caramba auf dem Bike, Trike und im Bus um die Welt
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