Südamerika 3 BR, VE

Brasilien
November – Dezember 2005
2005: Acre, Rondonia, Amazonas

Hilfe! Wir nix sprechen portugisiesisch!!!
Kaum waren wir in Brasilea/Epitaciolandia ueber die Grenze geradelt, verstanden wir kein Wort mehr! Wenn man Spanisch spricht, kann man portugisiesch zwar lesen, aber verstehen – das funktioniert noch lange nicht!!! Die Grenzformalitaeten werden hier nicht direkt an der Grenze erledigt, sondern bei der Policia Federal am Ortsausgang. Vorher kauften wir noch Hundefutter fuer Rambo (in Bolivien suchten wir naemlich vergebens danach) und in einem Supermarkt (auch das gibt es hier wieder, yippieh) ein. Igel wartete draussen und sprach, d.h. er nickte freundlich, mit den ersten Brasilianern. Als wir losradeln wollten zueckte einer von ihnen den Geldbeutel, schenkte uns 20 Reales und gab mit Handzeichen zu verstehen, dass wir das in Essen umsetzen sollen. Entweder war der Typ echt nett oder wir sahen so verhungert aus?! Bei der Einreisepolizei dann sprach man zu unserem Glueck Englisch. Hier mussten wir zum ersten Mal seit langem unser Gepaeck zeigen, bei Hund und Machete war sich der freundliche Beamte allerdings nicht sicher und wollte sich telefonisch erkundigen. Der Computer zur Dateneingabe war offline und sollte heute auch nicht wieder funktionstuechtig werden, so vergass der Beamte Hund und Machete und wir erhielten nur 60 Tage Aufenthalt. Das ganze dauerte natuerlich seine Zeit und so waren wir erst gegen Mittag unterwegs. Unser Thermometer zeigte mal wieder deutlich ueber 40 Grad an, und auch auf dieser Seite des Rio Acre ist links und rechts der Strasse bis zum Horizont alles abgeholzt, also kein Schatten in Sicht. Mehr Infos Zum Glueck ist es im Staate Acre aber kein Problem an Trinkwasser zu kommen. Bei jedem Haus wird einem sogar kaltes Trinkwasser angeboten, ein echtes Labsal fuer halb verdurstete Radler. Die erste Nacht durften wir auf der Terasse einer netten Familie verbringen und bekamen wieder die brasilianische Gastfreundschaft zu spueren.
In 4 Tagen fuhren wir von der Grenze nach Rio Branco. Als wir gerade in die Stadt einradelten wurden wir von einem Auto gestoppt. Es war Deiv, Praesident der Radsport-Vereinigung des Staates Acre. Er half uns bei der Hotelsuche und spaeter bei der Organisation einiger Dinge, u.a. einer Bootsfahrt nach Boca do Acre. Ausserdem fuhr er uns in seinem Gurgel in Rio Branco herum, zeigte uns alles sehenswerte und machte uns mit vielen Freunden bekannt. So z.B. lernten wir Gilberto Trotamundos kennen, einen Reiseradler, der seit 1981 immer wieder auf Weltumradlung geht. Er hat schon ueber 100 Laender erradelt, 27 (!) Kinder in aller Welt, zur Zeit seine 9te Ehefrau und 13 Buecher geschrieben. In Rio Branco hat er ein Museum, zu welchem er immer wieder zurueckkehrt.
Und die Radlerwelt ist wirklich klein. Schon vor einiger Zeit hatten wir e-mail Kontakt zu Michael Merz, Autor der hilfreichen Seite http://www.transamazon.de/links/ Was wir nicht wussten: er ist mit Rosie aus Rio Branco verheiratet und war gerade jetzt auf „Heimurlaub“ in Rio Branco. Auch er kennt natuerlich Gilberto und erfuhr von ihm, dass zur Zeit Deutsche mit einem kleinen Hund in der Stadt sind… na wenn das kein Anlass zu einer kleinen Party ist. So verabredeten wir uns und wurden zu einem mittaeglichen Churrasco mit viel Cerveja Bavaria eingeladen.

Eines Tages in Rio Branco saute sich Rambo wieder mal so richtig ein und wir mussten ihn im Rio Acre baden. Daraufhin machten wir den Fehler und nahmen ihn noch nicht ganz trocken mit ins Internet-Cafe. Da dieses mit Aircon versehen war, fing Rambo abends nach dem Essen kraeftig an zu husten und zu wuergen. Wir dachten erst, er habe eine Bueroklammer verschluckt, weil wir eine in seinem Essen fanden. Er hustete die ganze Nacht so weiter und wir gingen am naechsten morgen mit ihm in eine Tierklinik. Schwerer Husten und entzuendeter Rachen war der Befund. Der Tierarzt ging nicht gerade zimperlich mit dem armen Kerle um, band ihm die Schnauze zu, mass brutal Fieber und verpasste ihm 3 Spritzen! Und uns zockte er dafuer auch noch 40 Euros ab! Rambo musste dann noch ueber eine Woche lang Antibiotika und Vitamine zum richtigen Auskurieren schlucken. Dann sprang Rambo auch noch in eine Scherbe und zerschnitt sich eine Pfote, noch einmal Schonphase fuer den Kleinen!
Ueber 2 Wochen warteten wir schon in Rio Branco auf ein Boot nach Boca do Acre und Pauini, und immer wieder hiess es morgen, uebermorgen dann aber sicher, nicht vor uebermorgen und so weiter. Es wurde uns zu bloed und wir beschlossen, nach Boca do Acre zu radeln, halb auf Teer, halb auf Dreckstrassen. An der Abzweigung in Richtung Dreckstrasse hiess es dann, zu viel Matsch, lieber nicht mit dem Rad probieren, die eingeschlammten ankommenden Fahrzeuge ueberzeugten uns davon. Wir wollten trampen, aber auch das sollte nicht klappen. Keiner wollte uns mitnehmen. Als nach ueber 24 Stunden endlich ein Pick-up dazu bereit war, sagte uns der Fahrer, dass es aber ab Boca do Acre zur Zeit keine Boote gaebe – na toll. Also doch Kommando zurueck und auf nach Porto Velho, noch mal 500km radeln, bevor wir auf ein Boot kommen. Die Strecke dort hin ist zwar geteert, jedoch nicht sehr abwechslungsreich, huegelig und es war schon fast unmenschlich heiss. Taeglich kaempften wir mit ueber 40 Graden, keinerlei Schatten und die Versorgungsstationen wurden auch immer duerftiger. 160km vor dem Ziel „kuerzten wir ab“ und nahmen einen Bus nach Porto Velho. Die Stadt ist nicht gerade eine Schoenheit, so schauten wir uns schnell nach einem Boot um. Am 2. Dezember sollte der Amazonasdampfer „Dois Irmaos“ in Richtung Manaus aufbrechen, verspaetete Ladung verschob die Abfahrt nochmals auf den 3. Dezember. 2 Naechte vor der Abfahrt quartierten wir uns schon mal auf dem Boot ein und hatten fast freie Auswahl fuer unsere Haengematten. Geladen wurden hauptsaechlich Tomaten und anderes Obst und Gemuese, abends wurde gegrillt und wir wurden dazu eingeladen. Am Abfahrtstag fuellte sich das Haengemattenlager dann schnell und waehrend dem Mittagessen ging es los. So eine Fahrt in der eigenen Haengematte kostet fuer die 3 Tage Fahrt ca. 100 Reales (ca. 25 Euros) p.P. inkl. aller reichhaltigen und guten Mahlzeiten. Zu sehen gibt es auf dem Rio Madeira nicht viel, der Fluss ist ziemlich breit, doch immerhin konnten wir ab und zu mal Delfine beobachten. Gehalten wurde nur in Humaita und Manicore, welches fuer unseren Rambo ein kleines Problem war, denn er ist einfach zu sauber, sodass er nicht an Bord pinkeln oder kacken wollte. So verdrueckte er es sich viele, viele Stunden, bis es einfach nicht mehr anders ging… aber das auch nur im stillen, dunklen Frachtraum, wo keiner zuguckt.

So freute sich also ganz besonders Rambo, als es nach 3 Tagen wieder festen Boden in Manaus unter den Fuessen gab. Eine guenstige Unterkunft dort im Zentrum zu finden, ist nicht einfach doch im Rotlichtbezirk fanden wir etwas. Da wir wieder einmal schneller als die Post unterwegs waren, stellten wir uns darauf ein, eine laengere Zeit in der Millionenstadt bleiben zu muessen. Leider ist nicht mehr viel von den alten Gebaeuden uebrig, viele Fassaden wurden mit Werbeschildern verbaut, oder ganz durch Betonbunker ersetzt.
Und auch in Manaus zeigten uns die Leute wieder mal, wie komisch portugiesisch klingt, so sagen sie z.B. zum Rambo immer „Pitschie-Buh“ und machten einen grossen Bogen um ihn – keine Ahnung was das ist? Wir anfangs auch nicht, jetzt wissen wir, dass die Brasilianer damit „Pitt-Bull“ meinen…
In Manaus merkten wir wieder einmal, dass uns grosse Staedte einfach nicht liegen und wir waren heilfroh, das nach nicht einmal 14 Tagen unser Paeckchen schon eintraf. Waehrend der Wartezeit verbrachten wir unter anderem viele Stunden im Internet, um unsere Foto-Gallerie zu komplettieren. Ausserdem trafen wir das russische Radlerpaaerchen Sascha und Andrey. Wir liefen durch die Strassen, in denen tagsueber die „Zombies“ in ihrem Weihnachts-Shopping-Wahn unterwegs waren und schuettelten nur unsere Koepfe.
Noch am gleichen Tag als das Paeckchen kam, buchten wir unsere Weiterfahrt nach Tabatinga. Am 20. Dezember gingen wir auf das Boot „Fenix“ und schipperten ueber die Feiertage eine Woche lang auf dem Rio Solimoes (Amazonas) nach Tabatinga. Tabatinga, Brasilien und Letitia, Kolumbien sind praktisch zusammengewachsen und so konnten wir prima ohne Probleme ueber die Grenze radeln und uns nach Fluegen nach Bogota erkundigen. Denn der Rambo hatte nach dieser Woche Boot fahren die Nase voll, mit einem Flug wollten wir ihm weitere 10 Tage Wasserwege ersparen. Und so reisten wir dann offiziell am 29.12.2005 aus Brasilien aus und in Kolumbien zum dritten Mal ein.

August – September 2007, November – Dezember 2007
2007: Roraima, Amapa, Para

Am 30.08.2007 reisten wir zum zweiten Mal mit den Cabongas nach Brasilien ein. Und dieses Mal war es ein voellig entspannter Grenzuebertritt, keine Gelbfieberkontrolle, problemlos 90 Tage Visum und auch von Rambo wollte keiner etwas wissen. Die lange Zeit in Sta. Elena, VE, welches zu ca. 50% aus Brasilianern besteht, hatte dieses Mal dazu beigetragen, dass wir uns schon etwas an die portugiesische Sprache gewoehnt hatten. Reisen erweitert den Horizont eben doch in alle moegliche Richtungen. Die Strecke Pacaraima-Boa Vista ist inzwischen komplett geteert aber sehr duenn besiedelt. Boa Vista ist eine grosszuegig geplante Stadt mit nettem Altstadtkern und einer schoenen Promenade am Rio Branco. Hier lernten wir auch den Deutschen Albert Oesterreich und seine nette Familie kennen, die uns einen ganzen Tag lang unterhielt und lecker verkoestigte. Noch einmal hiess es 2 Tage durch Sommerhitze strampeln, bevor wir in Bonfim wieder nach Guyana ausreisten.

Am 5. November 2007 reisten wir nach den Guyanas zum dritten Mal nach Brasilien, ohne Probleme in Oiapoque ein. Lediglich ein Beamter fragte uns „der Hund ist doch geimpft, oder?“ Na klar.
Wegbeschreibungen nach Macapa ermutigten uns nicht gerade zum Aufbruch, wir liebaeugelten mit einer „carona“, einer Mitfahrgelegenheit. Doch kaum waren wir auf den ersten 50 geteerten Kilometern unterwegs wurde uns schnell klar: bei diesem „gewaltigen“ Verkehrsaufkommen (etwa 10-20 Fahrzeuge taeglich…) wuerde es schwer werden, ein geeignetes „Taxi“ zu finden. Auf der Strecke Oiapoque-Macapa koennen einem leicht Gedanken in den Kopf kommen, wie „warum um Himmels Willen tue ich mir das eigentlich an?“ Es geht unentwegt sehr steil rauf und runter und wieder rauf und wieder runter, ohne Ende. Die Strassenbauer haben aber auch keinen einzigen Huegel ausgelassen, ueber welchen sie die Strasse rueber gebaut haben, unten um den Huegel herum kam nicht in Frage. Nach 50km hoert dann auch noch der Teer auf, holperiger Laterit erschwert nun auch noch das hochschieben auf die brutalen Huegel. Der barfuss fahrende und laufende Igel hatte schnell „Plattfuesse“. Und auch Rambo hatte bald die Schnauze voll. Raus aus dem Haenger, Berg hoch laufen, rein in den Haenger, kurz mitfahren, raus aus dem Haenger, bei 40 Grad wieder hoch laufen … Ein Kuhtransporter nahm uns ca. 50km mit, dann hiess es weiter fluchen und leiden, schwitzen und dursten, kein Transport in Sicht, kein Laden, kein kaltes Bier. Am vierten Tag trafen wir Einheimische, welche uns mitteilten, nur noch 4km bis zum Restaurant. Befluegelnde Worte! Weiter gehts, und ….. krchsch…. Rambos Haenger bricht zusammen, ein Arm der Aufhaengung bricht komplett ab. Da kommt Freude auf. Nach kurzen und erfolglosen Flickversuchen schnallte Igel kurzerhand den Schrottporter auf sein Rad und wir liefen die letzten 4km bis ins Dorf Carnot. Natuerlich waren wir dort gleich mal wieder die Attraktion im Dorf. Doch alle gut gemeinten Worte nuetzten nichts, kein brauchbares „Taxi“ kam vorbei. Wir uebernachteten im Restaurant (immerhin gab es nun Essen und kuehles Bier!) und am naechsten Morgen versuchten wir weiterhin, den Haenger zu flicken. Nach einem halben Tag, unter kraeftiger Mitwirkung des Restaurantbesitzers, hatten wir eine Notloesung gebastelt, doch bis Macapa wuerde das nicht halten. Am spaeten Nachmittag dann die Erloesung: ein Pickup nahm uns bis nach Macapa mit – gegen Bezahlung natuerlich, doch das war uns dann auch egal.

In Macapa, Hauptstadt des Bundesstaates Amapa, trafen wir Eduardo von Couchsurfing. Er vermittelte uns die Adresse von Walter in Santana, ein Hospitalityclub-Mitglied. In Santana naemlich fahren die Schiffe nach Belem ab. Doch dazu kam es erst viel spaeter. Walter stellte uns sofort ein Zimmer zur unbegrenzten Benutzung zur Verfuegung und brachte uns zu einem Familienmitglied, Chipu, in Villa Corazon. Chipu hat dort eine Schweisserei und stellte sich sofort zur Verfuegung, dem Rambo einen neuen Haenger zu basteln. Gesagt, getan. Aus alten Fahrradteilen und sonstigem Schrott, mit vollem Einsatz und ohne Mittagspause, schraubten, flexten und schweissten Igel und Chipu in nur einem Tag den neuen Haenger zusammen, schon gegen 19 Uhr konnten wir mit Rambo im Haenger wieder nach Santana radeln. An einem weiteren halben Tag wurde der Carrito lackiert und Details verbessert – und schon hatten wir einen neuen Haenger! Fuer all die Arbeit und das ganze Material wollte Chipu nicht einmal einen Lohn! (Doch das liessen wir nicht zu). Muito Obrigado, Chipu!!!

Walter war auch sonst der perfekte Gastgeber. Er kochte alle moeglichen Amazonas-Fische fuer uns, fuehrte uns herum, nahm uns Sonntags mit in kleine Amazonas Nebenfluesse (Igarapes) zum Kanu fahren und fischen, und, und, und. Gastfreundschaft ohne Ende. Und auch hier: Muito Obrigado, Walter, an Santana werden wir uns immer sehr gerne erinnern.
Nach fast zwei Wochen Santana fuhren wir per Boot erst durch kleinere Kanaele nach Breves und dann nach Belem, Para’s Hauptstadt. Diese Amazonas Metropole gefiel uns auf Anhieb viel besser als Manaus vor 2 Jahren. Eine groessere und besser erhaltene Altstadt, freundliche und gastfreundliche Einwohner. Und wir hatten wieder Glueck mit Hospitalityclub und hatten nette, deutschsprachige (!) „Guides“ fuer die schoene Stadt und die Umgebung. Livia und Kadja, vielen Dank fuer die tollen Ausfluege. Und auch kulinarisch bildeten wir uns weiter mit Acai, Vatapa, Tacaca, Caruru, Manicoba, Tapioka und vielem mehr. Klingt spannend? Schmeckt auch so! Ungefaehr so sieht das aus. Ausserdem trafen wir in Belem Marcelo, einen „Fahrrad-Verrueckten“, der ca. 60 zum Teil kuriose Fahrraeder in seiner Sammlung hat.
Nach ueber einer Woche im Hotel in Belem konnten wir zu Raoni, einem Mitglied von „Warm Showers“ umziehen, denn wir warteten auf ein Paeckchen aus Deutschland. Mit ihm machten wir einen Ausflug ueber das Wochenende zur Ilha Cotijuba. Ferien-Idylle mit Palmen und weissem Sandstrand an einem Suesswasser-Meer, denn Cotijuba, wie auch Belem, liegen im gigantischen Muendungstrichter des Flusses Tocantins.
2 Wochen warteten wir schon auf das Paket, und unser Freund Haui meldete sich wieder mal fuer einen Besuch in Kolumbien an. Wir beschlossen kurzerhand, ueber Weihnachten und Sylvester 2007/2008 „Ferien“ in San Agustin, Kolumbien zu machen.

Brasilien ab 2008
Februar – Mai 2008, Dezember 2008
Para, Tocantins, Goias, Mato Grosso do Sul. Parana.

Mit „Amazonasdampfern“ fuhren wir von unseren „Ferien“ in Kolumbien zurueck zu unseren Raedern via Tabatinga, Manaus und Santarem nach Belem. Eine Woche lang nahmen wir noch mal die Gastfreundschaft von Raoni in Anspruch, um unsere Raeder und das Gepaeck wieder in Schuss zu bekommen, dann ging es wieder los „en bici“. Per Faehre fuhren wir von Belem nach Arapari und von dort aus weiter nach Moju.

Bei der Einreise in Tabatinga erlebten wir eine boese Ueberraschung mit unserem Visum: wir haben im Jahr 2008 keine 180 Tage Aufenthalt mehr, wie wir dachten, sondern „nur noch“ knappe 120 Tage. Das hoert sich im ersten Moment zwar nach viel an, doch fuer die gewaltigen Distanzen in Brasilien sind 120 Tage mit dem Fahrrad nicht sehr viel. Wir sind also in der naechsten Zeit gegen Mitfahrgelegenheiten nicht abgeneigt. Und schon gleich in Moju war uns das Glueck hold. Der Trucker Daniel erklaerte sich bereit, uns die 430km auf der viel befahrenen PA150 von Moju nach Maraba mitzunehmen. Ausser der 2,3km langen, drittlaengsten schwimmenden Bruecke der Welt hat Maraba dem Touristen nichts zu bieten. Wir interessierten uns dort hauptsaechlich fuer den Rio Tocantins/Araguaia. Auf dem Rio Araguaia naemlich wollten wir nach einem Boot fuer die weitere Fahrt in Richtung Sueden Ausschau halten. Doch leider negativ hier. Also radelten wir weiter auf der BR153 nach Sao Domingos und Sao Geraldo do Araguaia. Die Osterfeiertage liessen uns hier fasten – es waren kaum Laeden oder Restaurants geoeffnet. Nach Sao Geraldo wollten wir wegen der Serra das Andorinhas und wegen des Rio Araguaias. Jedoch auch hier beides negativ. Die Serra ist wohl touristisch noch nicht erschlossen, der Rio wird auch hier nicht mehr befahren. Im Staat Tocantins radelten wir von Xambioa nach Araguaina um dort auf der BR153, der „Belem-Brasilia“ nach LKWs in Richtung Sueden Ausschau zu halten. Das war nicht einfach, doch es gelang uns nach langem Warten erst mit Eschnaldo bis Paraiso und dann mit Ivan bis nach Anapolis, Goias mitzufahren. Ein weiterer LKW nahm uns via Goiania mit bis nach Santa Helena bei Rio Verde, Goias mit und dann hiess es wieder radeln. 2 Tage lang hatten wir Glueck mit bewoelktem Himmel, doch dann hatte uns die „Hoelle“ wieder. Temperaturen ueber der Schmerzgrenze, kaum Schatten, kaum Verpflegungsmoeglichkeiten und das gewohnte, brasilianische „hoch und runter“ und wieder „hoch und runter“ und wieder „hoch und wieder runter“… Wir radelten ueber Aparecida de Rio Doce, Cacu, Itaruma, Itaja nach Cassilandia, MS mit einem Abstecher ueber Lagoa Santa, GO. In Lagoa Santa legten wir einen Ruhetag ein und entspannten uns im herrlichen Thermalwasser der Lagune. In Cassilandia stand unser Entschluss dann fest: fertig geradelt, wir brauchten wieder einen Transport. Wenn auch mit laengeren Wartezeiten, so schafften wir es, via Camapua mit 3 weiteren LKWs bis nach Campo Grande, dem „Tor zum Pantanal“ zu kommen. Zwischen Belem und Campo Grande legten wir zusaetzlich zu den Radel-Kilometern 2´140km per LKWs zurueck – Brasilien ist einfach riesig!

In Campo Grande lernten wir Daniel (Hospitality Club) und Gabriela kennen. Die zwei halfen uns unser Visum bei der Policia Federal zu verlaengern, zeigten uns den Parque Estadual do Prosa mit einem Rehabilitations Zentrum fuer wilde Tiere und fuehrten uns zum essen aus. Ausserdem besuchten wir Gabrielas Familie und ihre 10 (!) Hunde, unter anderem 4 Fox Paulistinhas, eine aehnliche Rasse wie unser kleiner Rambo. Der hatte seine wahre Freude dort! Vielen Dank noch einmal Daniel, Gabriela, Sandra, und alle anderen Familienmitglieder.
In 4 Tagen radelten wir weiter von Campo Grande nach Jardim, neben Bonito einem „oekologischen Touristenziel“ in Mato Grosso do Sul. In der Region Bonito/Jardim gibt es unzaehlige kristallklare Fluesse, Hoehlen, Wasserfaelle usw., nur um diese zu besuchen, muss man vorher in einem Reisebuero einen „Voucher“ kaufen, und dann im eigenen Auto hinfahren – im eigenen Auto? Und wenn man keines hat? Tja, dann sieht es schlecht aus… Sehr oekologisch, finden wir… Auf der Weiterfahrt nach Bonito kamen wir am „Buraco das Araras“ vorbei. Das ist ein ueber 100m tiefes Loch in der Landschaft, wo sich Aras an den Waenden aufhalten. Das wollten wir natuerlich sehen. 2 Euros kostet der Eintritt, sagt unser Reise Know How Handbuch. 8 Euros pro Person wollen die heute, dafuer darf man auch ganze 200m mit einem Guide herumlaufen – nicht mit uns! So langsam pfeifen wir auf den Oekotourismus in Brasilien! Vor Bonito ueberquerten wir 3 nette Fluesschen. Immerhin sind diese schoen klar und es schwimmen auch viele Fische drin, eine angenehme Abkuehlung fuer Rambo und schwitzende Radler.
Dafuer waren wir dann von Bonito selbst angenehm ueberrascht. Laut Reisefuehrer eine „nicht gerade huebsche Stadt“ hat sich in eine nette, schattige Stadt verwandelt mit interessanter Architektur und einem schoenen Zentralpark. Es tut sich was in Bonito. Wir machten eine Boots- und Schnorcheltour zum Barra do Sucuri. Schnorcheln im glasklaren, kalten Wasser, umgeben von Unmengen Fischen – ein tolles Erlebnis. Sogar Rambo fand das toll.

Ueber Bodoquena und Miranda fahren wir zur „Estrada Parque“ im Pantanal. Rund 130km Dreckstrasse fuehren quer durch den suedlichen Pantanal und trotzdem wir nicht zur „optimalen Reisezeit“ dort waren, gehoerte diese Strecke zu einem unserer Highlights in Brasilien. Wir liessen uns gut Zeit zwischen Passo do Lontra, Curva do Leque, Porto Manga, Macico do Urucum und Corumba und sehen alle moeglichen Tiere wie Kaimane, verschiedenste Voegel, Schlangen, Capivaras (Sumpfschweine), sehen und hoeren Bruellaffen, Waschbaeren, sehen Puma-Spuren, eine ganze Otter-Familie (die extra ein „Theater“ fuer uns auffuehrt), Rehe, Emus und vieles mehr. Rambo ist total happy, kann er doch alles laufen und er verliebt sich in der Curva do Leque. In Corumba verliessen wir Brasilien in Richtung Bolivien.

Dezember 2008

Ueber Ciudad del Este, Paraguay, reisten wir am 14. Dezember wiederum in Brasilien ein. Dieses Mal planten wir den Sueden unter unsere Raeder zu nehmen. Die Wasserfaelle von Foz do Iguassu hiess das erste Ziel. Wir bestaunten und bewunderten beide Seiten des einmaligen Natur-Spektakels, die argentinische und die brasilianische.
Anschliessend war eigentlich Brasiliens Sueden und Uruguay angesagt, doch Plaene sind dazu da, geaendert zu werden. Nach 4 Tagen erfolglosem Warten in Foz do Iguassu, BR auf einen Truck in Richtung Curitiba aenderten wir spontan unsere Route und nahmen das Angebot fuer eine Mitfahrgelegenheit bis nach Purmamarca, Jujuy an, denn das war doch genau die Region von Argentinien, die uns so gut gefallen hat und die wir sowieso noch mal besuchen wollten. Ausserdem gab es im Staat Santa Catarina, Brasilien auch noch gerade heftige Regenfaelle und die Weihnachtssaison begann – die ohnehin schon teuren Lebenshaltungskosten in Brasilien wuerden sich also noch mal fuer uns verteuern. Und (das ist unsere ganz persoenliche Meinung!): Brasilien ist uns immer noch nicht so recht sympatisch.

Warum also nicht dort hin fahren, wo wir uns richtig wohl gefuehlt haben? Man wird schliesslich auch nicht juenger und muss sich nicht mehr alle Strapazen antun. Wir fangen so langsam an, uns „die Rosinen rauszupicken“, und das ist ok so.
Und so fuhren wir am 23.12.2008 mit dem aus Sao Paulo kommenden Trucker Jaba in gut 3 Tagen von Puerto Iguassu und seinem ueberbreiten und ueberhohen 34,5 Tonner nach Purmamarca zurueck in die Anden. 1’864km legten wir mit unserem neuen Freund zurueck, wir feierten Weihnachten „on the road“ mit ihm und hatten unseren Spass zusammen.
Muito obrigado, Jaba!!

Venezuela
April – August 2007
Amazonas, Bolivar

Am 11. April 2007 fuhren wir in einer „Voladora“ (Schnellboot) von Puerto Carreño, Kolumbien, 1 1/2 Stunden flussaufwaerts nach Casuaritos und setzten dann ueber den Rio Orinoco nach Puerto Ayacucho, Venezuela ueber. Ayacucho ist nur ca. 80km von Carreño entfernt, und trotzdem ist es hier noch mal um einiges heisser – die Hitze muss schon als fast unmenschlich beschrieben werden. Wir versuchten uns zu aklimatisieren, verliessen allerdings die nicht gerade freundliche Stadt schon bald wieder. Die in Erwaegung gezogene Tour in den Amazonas zum Berg Autana liessen wir zu Gunsten unseres Geldbeutels (und in Voraussicht auf die Ausgaben in Canaima/Angel Falls) ausfallen.
Am ersten Radeltag in Venezuela hielten wir schon nach 31km, am Balneario Pozo Azul, an. Dort goennten wir uns und Rambo einen herrlichen faulen Planschtag im kuehlen Wasser. Danach folgten 4 harte und entbehrungsreiche Radeltage bis nach Caicara del Orinoco. Die Strecke ist zwar praktisch eben, jedoch auch sehr monoton, unertraeglich heiss, zugemuellt und es bestehen kaum Versorgungsmoeglichkeiten. In Caicara wird gerade die dritte Bruecke ueber den Orinoco gebaut. Die vielen Arbeiter belegen so ziemlich jedes verfuegbare Hotelzimmer und wir hatten ganz schoene Probleme, eine bezahlbare Bleibe zu finden. Wir lernten Wilmer, den Besitzer eines Supermarktes und Jonathan, seinen kolumbianischen Angestellten kennen. Die zwei luden uns zum Mittagessen und zu vielen Bieren ein.

Weiter fuhren wir in 5 Tagen via Santa Rosalia, Maripa, San Jose del Pao, El Remanse und Agua Linda nach Ciudad Bolivar. Auch diese Strecke war nicht gerade „Radler-freundlich“, naemlich heiss, versorgungstechnisch duerftig und weiterhin versunken in Muell. Wir wundern uns immer wieder ueber die „sozialistischen“ Begruendungen der Misstaende: „die Regierung macht nichts“ – doch warum muss man genau dort, wo man sich gerade befindet oder noch schlimmer, wo man wohnt, alles, aber auch alles fallen und liegen lassen? Noch nie haben wir so viel Dreck, Muell und Scherben gesehen, wie in Venezuela. Man kann nur den Kopf schuetteln.

In Ciudad Bolivar wird es dem Turisten auch nicht gerade leicht gemacht. Eine huebsche Altstadt und der Paseo Orinoco laden zum bummeln ein, doch wo verpflegt sich der Nicht-Venezuelaner? Es gibt praktisch keine Restaurants, keinen Lebensmittel-Laden in der Altstadt, gerade einmal ein paar Baeckereien ohne Tisch und Stuhl. Mit Glueck findet man sein Fruehstueck fuer die Hand, ein Mittagessen, doch am Abend darf man keinen Hunger haben. Zwischen 18 und 19 Uhr wird alles zugeschlossen und die „Buergersteige werden hochgeklappt“, Essen und Trinken will dann keiner mehr. Bei der vorsichtigen Nachfrage im Hotel erhielten wir die Antwort „wir wundern uns auch immer, ob die Turisten wohl Klamotten essen“ – denn diese werden so zwischen 10 und 18 Uhr auf den Strassen verkauft, Essen jedoch leider nicht. Die Turisteninformation riet uns, abends mit einem Taxi in einen anderen Stadtbezirk zu fahren und dort zu speisen.

Nach langer Suche in diversen Reiseagenturen entschieden wir uns, mit Adrenaline Tours die Reise zum Nationalpark Canaima und zu den Angel Falls anzutreten. Wir flogen mit einer Cessna von Ciudad Bolivar nach Canaima und Rambo durfte sogar ohne Kaefig mit uns fliegen. Der Chef von Adrenaline, Luis, schmuggelte ihn ohne Kontrolle an Bord. Von der idyllischen Lagune Canaima aus fuhren wir mit einem Motorboot am ersten Tag auf dem Rio Carrao ins Dschungelcamp Ahonda. Den Wasserfall La Hacha konnten wir sogar von hinten begehen, fuer uns ein Erlebnis, fuer Rambo ein Horror! Am zweiten Tag fuhren wir weiter auf dem Rio Churun bis zur Isla Raton. Staendig hat man tolle Blicke auf den Auyan Tepui (Tafelberg), die Gegend und der Fels haben schon etwas mystisches an sich. Zu Fuss ging es weiter bis zum Mirador Salto Angel, den Aussichtspunkt der Angel Falls. Wir hatten ganz schoenes Glueck mit unserer Tour. Wir hatten genug Wasser, um alle Stromschnellen ohne Schieben zu passieren, genug, aber nicht zu viel Wasser im Salto Angel. In der Regenzeit naemlich kann es passieren, dass man schon auf der halben Wanderung zum Mirador patschnass vom Spruehwasser wird, geschweigedenn am Mirador die Kamera auspacken kann.
Gabriel, unser Guide, bestaetigte uns, dass Rambo der erste Hund am Salto Angel sei – eigentlich muesste der Wasserfall ja nun umbenannt werden in „Salto Rambo“, denn Jimmy Angel war ja auch nicht der erste, der den Wasserfall erblickt hat (das waren naemlich die Pemon Indios…), sondern nur der erste Europaer.

Zurueck in Ciudad Bolivar bekam Rambo Fieber und ass nicht mehr. Wir dachten, dass die Ursache eine entzuendete Verletzung an der Pfote sei. Natuerlich war gerade Wochenende und kein Tierarzt verfuegbar. Wir begannen mit einem Antibiotikum und warteten Montag ab. Montag, 7.5.2007 vormittag war der Tierarzt nicht da, wir mussten bis am Nachmittag warten. Nach nochmal ca. 2 Stunden warten kamen wir „schon“ dran. Muss ein ueberfahrener Hund auch 2 ½ Tage warten, bis ihm geholfen wird?!? Ergebnis ohne Blutuntersuchung (weil wir am naechsten Tag weiterfahren wollten): eine Viruserkrankung, anderes Antibiotikum, Schmerzmittel. Morgen muesse es besser sein. Die ganze Nacht hindurch schlief Rambo nicht, war unruhig, hatte einen extremen Silberblick, Fieber und suchte immer Schutz und Kontakt zu uns. Also Dienstag morgen wieder zum Tierarzt, wieder 2 Stunden warten, Blut abzapfen, selber zum Labor fahren, Ergebnis abwarten und wieder zum Tierarzt. Diagnose: Ehrlichia (Ehrlichiose), uebertragen von einem Zeckenbiss. Ohne Behandlung kann diese Krankheit fatal verlaufen… Zum ersten Mal konnten wir sagen: „zum Glueck waren wir in Ciudad Bolivar und nicht irgendwo in der Pampa…“. Der arme kleine Kerl musste noch mal hinhalten, eine Injektion um alles wieder halbwegs zu neutralisieren, was er zuvor an Chemie bekommen hatte, dann die neue Therapie, 3 Wochen lang des Antibiotikum Vibramicina C (Doxiciclin) und ein Magenmittel, da das Antibiotikum ziemlich heftig fuer den Magen ist. Die reinste Chemiefabrik… Ein paar Tage spaeter ging es Rambo dann wirklich deutlich besser und wir konnten endlich aus „Muell-City“ (Ciudad Bolivar) abreisen.

Muell in Venezuela
Diesem Thema wollen wir mal einen eigenen Abschnitt widmen. Wir sind jetzt seit 6 Jahren unterwegs, haben bisher 23 Laender bereist und schon so einiges an Missstaenden gesehen, aber Venezuela (Werbespruch: „das best gehuetete Geheimnis der Karibik“) setzt all dem dann doch die Krone auf! Seit Puerto Ayacucho, ca. 1’000 geradelte Kilometer, fahren wir non-stop an Muellbergen und Flaschen-Meeren vorbei. Es gibt Streckenabschnitte, auf denen schaetzungsweise 20-30 leere Flaschen und Dosen pro m2 – ueber Kilometer – herumliegen. Rund um die eigenen Haeuser: die Muellkippe. In den Staedten (allen voran Ciudad Bolivar) verlassene Haeuser aufgefuellt mit Muellsaecken, die Strassen uebersaet mit allem erdenklichen Muell, vor den Alkohol-Verkaufslaeden ist die Strasse gepflastert mit Bierdeckeln und Glasscherben. Unterwegs ist es oft der reinste Spiessrutenlauf zwischen Glasscherben und Leichenteilen. Zu oft haben wir es schon bereut, dass es keine Bilder mit Geruchsproben gibt… wir wuerden Euch zu gerne teilhaben lassen an den Geruechen Venezuelas: Abgase, Muell und dann natuerlich unser Top-Favorit: totes Tier auf 60-80 Grad heissem Teer…

Immer wieder versuchen wir dieses Thema bei den Leuten anzusprechen. Und Ihr glaubt es nicht: die meisten Leute schauen sich verwundert um: „Muell? Wo denn?“ oder schieben es auf die Regierung oder den Buergermeister: „die sind faul und korrupt…“ ?!? Wir haben Venezuelas Regierungsform fuer uns schon umbenannt von Sozialismus zu „Basurismus“ (basura = Muell). Junge, Junge, und im Juni 2007 wollt Ihr Venezuelaner den Copa America ausrichten… wir wuerden uns schaemen!
Auf der Autobahn fuhren wir in zwei Tagen weiter nach Puerto Ordaz (ein Teil von Ciudad Guyana), wo wir einen Kontakt vom Couchsurfing Projekt trafen. Hospitalityclub und Couchsurf¡ng sind Internet-Gemeinschaften von Leuten, die ihre Gastfreundschaft und Uebernachtungsmoeglichkeiten anbieten. Dann kamen wir, nach unserer Meinung, in die erste freundliche Stadt Venezuelas, nach Upata. Der Muell haelt sich dort in Grenzen, es gibt freundliche und gruessende Menschen, es gibt zu essen und zu trinken (sogar Sonntags…), es gibt einen netten Markt, das Klima ist deutlich angenehmer (ca. 400 Hoehenmeter) – ueberhaupt ist Upata so, wie wir lateinamerikanische Kleinstaedte sonst kennen. Ein Hoch auf Upata – und wir blieben gleich mal drei Tage. Auch Rambo merkte all das Positive, es ging ihm deutlich besser, er ass freudig, spielte wieder und flitzte im Park rum.

Auf der naechsten Etappe radelten wir gleich am ersten Tag ueber 100km nach Guasipati. Unterwegs trafen wir auf Paul und Brigitta aus der Schweiz mit ihrem Toyota. Entlang der Strasse sahen wir viele Affen (in den Baeumen und am Steuer…). Rambo machte ganz brav mit, bis zum Ortseingang, als er ploetzlich anfing mit seinem bekannten Husten. Auch das noch!!! Es war schon dunkel und ein Zimmer zu finden, war gar nicht leicht. Die Hotels waren entweder deutlich zu teuer oder belegt, wir fanden mit Glueck ein unmoebliertes Zimmer und schliefen dort auf unseren Therm-A-Rests. Am naechsten Morgen mussten wir ueber 10 Personen fragen, bis uns einer sagen konnte, wo sich ein Tierarzt befindet! Die nette Tieraerztin dann diagnostizierte noch eine leichte Entzuendung im Rachen und Husten. Noch mehr Medizin fuer Rambo, zum Magenmittel und Antibiotikum gibt es jetzt noch Hustensaft und Vitamine. Dann ging es weiter nach El Callao, der Gold- und Carnevalsstadt, El Tumeremo und El Dorado, weiteren Goldgraeber-„Hochburgen“.

In El Dorado lernten wir den Schweizer Bruno kennen. Auch er verdient hier seinen Lebensunterhalt mit seiner kleinen Goldmine. Er erzaehlte uns haarstraeubende Geschichten ueber die neue Regierung. Seit der „Sozialismus“ in Venezuela Einzug gehalten hat, darf man Land nicht mehr privat besitzen. Auf dem Grundbuchamt wurde Bruno gesagt, dass seine Finca nun Staatseigentum waere, er aber gerne einen Mietvertrag unterschreiben koenne, und somit bleiben. Nur wenn Bruno unterschreibt, erkennt er natuerlich an, dass das Land nicht mehr ihm gehoert, unterschreibt er nicht, muss er gehen. Nun hat Bruno ueber 20 Jahre fuer das venezuelanische Militaer gearbeitet und weiss, in welch schlechtem Zustand die Waffen sind und wie unmotiviert die Soldaten, die zum schlechten Lohn auch noch schlecht verpflegt werden. Er sagte uns: die sollen nur versuchen, mir mein Land wegzunehmen, ich habe mehr Munition und Granaten hier, wie die alle… Ueberhaupt funktionierten die Polizei und das Militaer nicht. Und wo es Gold und Alk gibt, dort gibt es auch immer Stress. Deshalb haben Bruno und seine Freunde eine Art „Lynch-Club“ gegruendet. Alle Mitglieder haben Funkgeraete, Waffen und genug Munition. Falls sich irgendwo jemand etwas zu Schulden kommen laesst, und abhauen will… na ja. Auch die oertliche Polizei nimmt ab und zu ihre „Dienste“ in Anspruch, weil sie schlechter ausgeruestet sind, als die Raeuber.

Dann erzaehlte uns Bruno noch vom beruechtigten Zuchthaus von El Dorado. Zu „seinen“ Zeiten sassen dort noch 3’000 Schwerverbrecher mit meist lebenslanger Haftdauer ein. Heute seien es noch gerademal 67 Haeftlinge. Freigekommen seien die Herren, weil sie sich freundlicherweise zur Verfuegung gestellt haetten, nun Chavez‘ neue sozialistische Einheitspartei (PSUV) beizutreten. Ja, liebe Freunde, wir wissen ja, wie gerne bei Anglern und Goldgraebern uebertrieben wird, vielleicht sind die Zahlen etwas hochgegriffen, doch wir glauben aufs erste Wort, dass mit dem System in Venezuela etwas nicht stimmt. Tatsache ist, dass Chavez alles verstaatlicht, das Oel (ist nach unserer Meinung auch oK), die Telekommunikation CANTV, in wenigen Tagen wird der einzig oppositionelle Fernsehsender RCTV eingestellt (das finden wir nun schon sehr verdaechtig…), zum waehlen gibt es nur noch die Einheitspartei und danach sind die Banken und der Ausstieg aus dem internationalen Waehrungsfonds dran?! Das klingt doch schon sehr nach Diktatur in unseren Ohren. Seltsam finden wir nur, dass wir wirklich mehrheitlich ueberzeugte Chavisten getroffen haben, die Opposition aeussert sich anscheinend nur sehr ungern – wer weiss schon, wer zuhoert?

Getroffen haben wir auch Paolo aus Italien. Er lebt seit 13 Jahren in Venezuela und hat einen 7-jaehrigen Sohn. Nach seiner Scheidung will seine Ex-Frau den „Gringo“ (das Auslaender-Kind) nicht mehr, Paolo wuerde ihn gerne nach Italien mitnehmen und dort aufziehen. Eigentlich simpel, oder? Die Regierung jedoch sagt nein, das Kind darf trotz Einwilligung der Mutter nicht aus dem Land. Paolo’s Begruendung: Chavez braucht Soldaten… Wir sind jedenfalls froh, dass wir das Land bald verlassen koennen.

Bruno erzaehlte uns auch, dass man von El Dorado aus direkt auf dem Rio Cuyuni nach Guayana in Richtung Georgetown reisen koenne. Wir waren von dieser Idee begeistert. Nachforschungen ergaben jedoch, dass jetzt in der Trockenzeit, wo der Fluss sehr niedrig ist, viele Piraten unterwegs seien und Boote ausrauben wuerden. Ausserdem gibt es natuerlich keinen offiziellen Grenzuebergang mit Stempel und so, da Venezuela und Guayana ja schon lange Anspruch auf gleiches Gebiet stellen. So kamen wir von dieser Idee wieder ab.

Von El Dorado aus ging es weiter zum „Kilometer 88“ und dann in die Hoehe. Ueber 40km lang stieg die Strasse von 200m auf 1’440m an, schlaengelte sich durch dichten Regen- und Nebelwald und gab ausser am „Piedra de la Virgen“ keinen Blick aufs Tiefland preis. Dann waren wir endlich in der Gran Sabana, dem Grund, warum wir unbedingt nach Venezuela wollten. Der kubanische Schriftsteller Alejo Carpentier nannte diesen Ort „das Stein, Wasser und Himmel gewordene Phantastische“ – und damit hatte er nicht ganz Unrecht. Ueberall plaetschert und gurgelt es, fast alle Bachbetten sind aus Stein, einer ist sogar ueber mehrere hundert Meter aus dem Halbedelstein Jaspis. Fluesse, Wasserfaelle, seltene Pflanzen und natuerlich die eindrucksvollen Tafelberge, die Tepuis. Auch die hier ansaessigen Einwohner, die Pemón-Indios, sind wesentlich freundlicher und sauberer als die Venezuelaner, die wir bisher getroffen hatten. Einziger Wermutstropfen, wie im Rest des Landes: schlechte bis nicht vorhandene Verpflegungsmoeglichkeiten – und das in einem doch sehr turistischen Gebiet… ein weiterer Grund, warum wir solche Sozialismus/Kommunismus-„Fans“ sind…

Bis Santa Elena de Uairen sollten wir so einige Male mit Wasser in Kontakt kommen, nicht nur beim angenehmen Bad im Fluss, einige Male auch mit sanften bis heftigen Regenschauern. Vom Kilometer 88 bis nach Santa Elena haben wir 3’300 Hoehenmeter bewaeltigt. Die Gran Sabana ist also nicht, wie wir gedacht haben, „todo plano“ (eben), sondern ganz schoen huegelig.
In Santa Elena erreichte uns dann die schlimme Nachricht, dass Paola´s Mutter im Sterben liege. Zum grossen Glueck waren wir beim Deutschen Andreas einquartiert, den wir auch ueber Hospitalityclub kennenlernten. Andreas erklaerte sich sofort bereit, einige Wochen auf Rambo aufzupassen – vielen herzlichen Dank, Andreas! Am 19. Juni 2007 flogen wir dann beide nach Deutschland.
Paola´s Mutter starb Anfang Juli. Am 24. Juli flog Igel zum Rambo zurueck, am 7. August folgte Paola. Bis Ende August lebten wir uns wieder in Suedamerika ein und machten eine Woche Urlaubsvertretung fuer Andreas, der diesen nach der Sommersaison 2007 dringend noetig hatte. Ende August hiess es Abschied nehmen von neuen Freunden und einem sehr zwiespaeltige Gefuehle hinterlassendem Land.

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Über grenzenlos2001

Igel & Paola, Rambo & Caramba auf dem Bike, Trike und im Bus um die Welt
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