Südamerika 2 PE, BO

Peru
September – November 2004, Maerz – April 2005
Cajamarca, Amazonas, Libertad, Ancash, Huanuco, Ucayali, Loreto, Pasco, Junin, Huancavelica, Ayacucho, Apurimac, Cusco, Puno

Am Tag als der Sheriff 66 wurde fuhren wir ueber die Puente Internacional in La Balsa nach Peru. Und am Abend stiessen wir mit peruanischem „Cristal“ Bier auf ihn an – prost Sheriff, nun faengt das Leben erst richtig an!
Und auch auf dieser Seite gab es leider keinen Asphalt unter die Reifen und so hoppelten wir weiter nach Namballe. In der Nacht regnete es aus Kuebeln und die staubige Dreckstrasse verwandelte sich in eine rutschige Schlammpiste – nein Danke! Wir beschlossen, mit einem Kombi bis San Ignacio zu fahren. Doch auch dort konnten wir unsere Dollares noch nicht in Nuevo Soles umtauschen. So trampten wir und fuhren mit einem LKW und anschliessend mit einem Minibus weiter nach Jaen. Einige Kilometer nach Jaen trafen wir auf eine nagelneue Teerstrasse, die kilometerlang bergab ging – welch eine Wonne! Via Bagua Grande fuehrte uns der Teer bis nach Pedro Ruiz und der Spass war wieder vorbei. Dazu plagte Paola ein heftiger Durchfall, so trampten wir wieder einmal und fanden einen LKW nach Chachapoyas. Die Strecke ging weiterhin entlang des Rios Utcubamba, eine herrliche Canyonlandschaft mit tollen Felsformationen und Felsueberhaengen. Im LKW lernten wir Martin Chumbe aus Chachapoyas kennen, einen Fotografen und Tourguide, der uns viel ueber die Gegend erzaehlte und uns auch noch zu sich nach Hause einlud. Leider hatten wir die ersten Tage in Chachapoyas regnerisches Wetter, so konnten wir nur kleine Ausfluege wie z.B. zum Dorf Huancas unternehmen.
Als wir eines Morgens beim Fruehstueck sassen, lernten wir Frank Friedrich, den Vorstand von der http://www.alianza.de kennen, der einen Familienausflug nach Kuelap vorhatte und uns spontan dazu einlud. So verbrachten wir einen tollen Tag in der eindrucksvollen Festungsanlage der Chachas (und spaeter der Incas) auf ca. 3’000m Hoehe. Man schaetzt, dass hier etwa 3 mal so viele Steine verbaut worden sind, wie in der grossen Pyramide von Gizeh!
Wir machten uns auf in Richtung Tingo und Leymebamba, weiterhin im schoenen Utcubamba-Tal. Nach Leymebamba erwartete uns ein 30km Dreckstrassen-uphill, den wir mit Hilfe eines Pick-ups bis 10km vor der Spitze bewaeltigten. Von dort aus ging es sage und schreibe 60km (!) lang von 3’680m auf ca. 1’000 Hoehenmeter nach Balsas hinab! Easy? Von wegen, uebler Schotterbelag liessen uns praktisch ausschliesslich bremsen, die Haende faulten uns fast ab. Dafuer hatten wir spektakulaere Aussichten und einen Blick auf den glaenzenden Rio Maranon. Auf der anderen Seite des Flusses ging es dann 50km wieder hinauf, wir erkundigten uns beim Abendessen nach moeglichen Transporten. Ja, morgen frueh um 5 Uhr fahren LKWs nach Celendin auf den Markt. Um 3:35 Uhr rief es draussen: „Gringo, Gringo“, in 5 Minuten geht’s los!? Wo sind wir? – Was ist los? – schnell alles packen und die Raeder auf einen vollen LKW verstauen. Dann holperten und schuettelten wir los aus dem knapp 30 Grad warmen Tal und mit steigender Hoehe wurde es immer kuehler, und wir hatten noch unsere kurzen Hosen an! Eine ganz schoen frische Angelegenheit! Als wir bei Sonnenaufgang dann endlich mal sahen, wo wir lang fuhren, wurde uns teilweise ganz schoen mulmig, wie die Strecke in die steilen Berge geschnitzt war.

In Celendin waermten wir uns auf und am Sonntagmorgen fruehstueckten und schlurpten wir auf dem schoenen Indiomarkt herum. Frisch gestaerkt machten wir uns auf in Richtung Cajamarca, noch einmal 110km Dreckstrasse ueber diverse Passhoehen. In 3 Tagen erreichten wir Cajamarca, wo wir fast 3 Stunden lang nach einer geeigneten Bleibe zum auskurieren suchten. Die diversen Pick-up- und LKW-Fahrten hatten ihren Tribut gefordert und Paola hatte sich gehoerig erkaeltet. Bei der Hotelsuche trafen wir auf Gregor aus Oesterreich. Und, Maedels und Jungs, es gibt noch groessere Spinner als uns: Gregor laeuft (schon seit 8’000km) von Oesterreich nach Japan, auf diesem Kontinent ist er seit Ushuaia nordwaerts unterwegs. Seine spannende Homepage koennt Ihr hier angucken: http://www.globalchange.at
Mit Gregor machten wir einen Ausflug zum Cumbe Mayo. Wir besichtigten die ca. 3’000 Jahre alten in den Felsen geschnitzten Wasserkanaele (Pre-Inca). In einer fuer damalige Verhaeltnisse Ingenieur-Hoechstleistung wurde das Wasser umgeleitet (anstelle in Richtung Pazifik in Richtung Atlantik) und so fuer den Ort Cajamarca zur Verfuegung gestellt. Entlang des Kanales gibt es noch an verschiedenen Stellen Petroglyphen zu sehen. Nach einem letzten gemeinsamen Bad in den Banos del Inca, bei dem wir uns eine Flasche peruanischen Wein goennten, trennten sich unsere Wege wieder. Gregor lief weiter in Richtung Quito (viel Glueck dabei!!!) und wir machten uns auf den Weg zum Pazifik. Zuerst mussten wir noch ueber einen Pass strampeln, den Abra Gavilanes mit 3’050m, danach ging es hinunter in Richtung Kueste.
Unterwegs bellten uns immer wieder mal Hunde an und rannten hinter uns her, bisher kein Problem, doch hier ging ein ganzes Rudel auf Paola los und einer von ihnen biss sie in den Fuss. Doch es passierte nichts ernsthaftes, nur eine Prellung und ein kaputter Socken mehr.
Kurz nach der Staumauer Gallito Ciego verabschiedete sich Paola’s Hinterradfelge und fertig war mit Radeln. Mit einem F1-verdaechtigen Pick-up-Fahrer duesten wir bis zur Panamericana, ein weiterer Pick-up nahm uns bis nach Paijan mit. Dort ging uns das Tramper-Glueck aus und wir fanden erst am naechsten Tag einen prallvollen Bananen-Laster, der uns bis nach Trujillo mitnehmen sollte.

Trujillo stand schon lange auf unserer „Wunschliste“, denn dort gibt es das unter Reiseradlern beruehmte „Casa de Ciclistas“ von Lucho: ein kostenloser Ort zum Schlafen, Fahrrad-Werkstatt (genau, was wir nun brauchten!) und ein Treffpunkt von Radlern aus aller Welt. Die Tage vergingen wie im Fluge, wie Matthias aus Berlin so schoen sagte: „wir fielen ins Zeitloch…“. Aus Tagen wurden Wochen, wir schraubten an den Raedern rum, tauschten uns unentwegt mit anderen Radlern aus und bastelten an einer neuen Homepage fuer das Casa de Ciclistas rum.
http://cdc-trujillo.ath.cx/
Am 3. Oktober 2004, just an Claudio’s Geburtstag, wurde im Casa ein neuer Rekord aufgestellt: 10 Reiseradler zur selben Zeit im Haus – Party!
Ende Oktober machten wir uns auf zu einer Rundreise ohne Raeder. Grund: Unser Freund Haui hat sich fuer Januar 2005 zu Besuch in Kolumbien angemeldet.

Weiter unten geht es zur Rundreise vom Oktober 2004 – Februar 2005

Mitte Maerz 2005 reisten wir wieder nach Peru ein. Einen Monat lang verbrachten wir im Casa de Ciclistas, um alle Sachen zu organisieren, den Haenger betriebsbereit zu bekommen, auszumisten und vieles mehr. Am 17. April war es dann endlich so weit: Nach einem halben Jahr waren wir on the road again mit Hund und Haenger! Die ersten paar Tage kamen wir nur sehr langsam voran, bis sich die Muskeln und unsere Allerwertesten wieder ans Strampeln gewoehnt hatten. Nach Chao fuhren wir auf einer Privatstrasse des Wasserprojektes Chavimochic in Richtung Canon del Pato und Huaraz. Viel Schotterstrasse und ein Anstieg von Meereshoehe auf ueber 3000m machten den Einstieg nicht gerade leichter. Der Schweiss floss in Stroemen, aber Rambo hatte seine Freude, denn auf der schwach befahrenen Strasse konnte er meistens hinter seinem Karren herlaufen, Echsen jagen und in jedem Dorf neue Freunde machen. In Huaraz angekommen legten wir ein paar Akklimatisierungstage ein. Unser Domizil war Jo’s Place, eine „Oase“ in der ansonsten nicht gerade huebschen Stadt. Rambo hatte einen riesigen Garten zum toben und einen gleichaltrigen Freund, den Nipper. Wir schraubten ein bisschen an den Raedern und am Haenger rum und machten einen Ausflug zur Laguna Llanganuco.

Nach fast einer Woche machten wir uns auf in Richtung Pastoruri und zu 2 Paessen mit ca. 4’800m. In der duennen Luft hatten wir ganz schoen zu schnaufen, doch Rambo wurde immer fitter (Hoehenkoller?). In dem schoenen Nationalpark sahen wir auch die riesigen Bluetenstaende der Puya Raimondis. Just an Haui’s Geburtstag am 7.5. stellten wir unser Zelt auf 4’800m auf, gigantische Aussichten als Lohn fuer alle Aufstiegsmuehen. Ueber die Mina Huanzala, Huallanca und La Union hoppelten wir meist auf sehr schlechten Pisten nach Huanuco. Am Ortseingang wurden wir von Autowaeschern „abgefangen“, die unsere Raeder vom Dreck der letzten staubigen Tage befreiten. Ab Huanuco hatten wir dann endlich wieder einmal den schoenen schwarzen Belag unter unseren Reifen. Und die naechsten Passhoehe wartete schon wieder: Cerro de Pasco mit ca. 4’300m. Danach folgte die nicht gerade schoene Hochebene von Carhuamayo und Junin. Hier wird hauptsaechlich Maca, das „Viagra der Anden“ angebaut. Es gab herrliche, warme Mixgetraenke zu kaufen, die uns energiegeladen weiterradeln liessen. Via der Minen- und Schmelz-Stadt La Oroya fuhren wir nach Huancayo, wo wir wiederum vor dem naechsten langen Abschnitt mit Dreckstrassen eine Pause einlegten. Zunaechst fuhren wir ein Stueck mit der ehemals hoechtsen Eisenbahn der Welt (FHH Ferrocarriles Huancayo Huancavelica) nach Izcuchaca und dann auf unseren Stahlroessern entlang des Rios Mantaros via Anco und Mayocc nach Huanta. Wie die Strecke war? Heiss, einsam, schoen, viele Blutsauger, kuehle Naechte und natuerlich staubig.

Nach Ayacucho hoerte das kurze Stueckchen Teerstrasse wieder auf und es folgte das Haertestueck bis Abancay. Schlimmste Holperpiste mit zentimeterdicker Staubschicht liessen uns fast verzweifeln und wir beschlossen, auf Trucks umzusteigen. Reto aus der Schweiz schloss zu uns auf und hatte auch die Schnauze voll von dieser Material-vernichtenden Strecke. So trampten wir zu dritt in einigen Tagen ueber Uripa und Andahuaylas bis nach Abancay. In Abancay trafen wir dann auch den Kanadischen Reiseradler Alain wieder und so brachen wir zu viert an Igels Geburtstag auf in Richtung Cusco. Auf einer Hoehe von 3’500m campten wir am Strassenrand und vernichteten das von Alain und Reto mitgebrachte Bier und Wein, assen Nudeln, Salzbretzeln und Kinderschokolade. Das alles mit Aussicht auf einen 5’300m hohen Gletscher – mal eine ganz andere Party! Ueber Curahuasi erreichten wir dann Mitte Juni ein lang ersehntes Ziel: Cusco, der „Nabel der Welt“. Zuerst einmal brachten wir unsere Raeder und den Rest der Ausruestung wieder in Schuss. Wochenlanges Fahren auf Dreckstrassen hatten deutliche Spuren hinterlassen.

Machu Picchu – ja oder nein?
Dann stand natuerlich „DAS“ Ziel Suedamerikas auf dem Programm, Machu Picchu. Wir gingen schon mit gemischten Gefuehlen an die Sache heran, so erlebten wir doch in Cusco und Umgebung zum ersten Mal auf unserer Reise einen regelrechten Massentourismus. Bis zu 3’500 Leute laufen in der Hochsaison taeglich in den Ruinen herum, der Inka Trail ist ueber Wochen hin ausgebucht. Auf diesem Trail laeuft man mit Guides in einem paar Tagen nach Machu Picchu, vorbei an einigen anderen Ruinen und durch schoene Landschaft. Ein wirkliches Abenteuer, sehr teuer, dass man jedoch mit einigen Hundert anderen Leuten teilen muss, die ganze Muellberge hinterlassen. Dieser Trail kam fuer uns also nicht in Frage. Die andere Variante ist, mit Peru Rail zur Station Aguas Calientes zu fahren. Von dort aus laeuft man ca. 2 Stunden zu den Ruinen oder man benutzt einen Bus, ca. 20 Minuten Fahrzeit, das kostet einfach 6 Dollar pro Person. Seltsam, wenn ca. 100km Bus fahren in Peru weniger als 2 Dollar kosten. Nun gut, zurueck zu Peru Rail. Ab Cusco kostet die Bahnfahrt (ca. 4 Stunden) mind. 40 Dollar, einfach pro Person. Die guenstigste Variante ist, ab Ollanta nach Aguas Calientes zu fahren, 20 Dollar, einfach pro Person (knappe 2 Stunden). Die Informationsbeschaffung ueber Machu Picchu ist so schwierig und verwirrend – alles Absicht, damit die Leute teure Touren in Agenturen buchen.
Wir entschieden uns fuer die billigste Variante, mit dem Zug ab Ollanta, danach wuerden wir laufen. Wir kauften mit unserem kleinen Rambo an der Leine in Cusco Tickets fuer einen Samstag Abend. Den Tag verbrachten wir in Ollanta und in den Ruinen von Ollantaytambo (sehr beeindruckend). Als wir jedoch dann in den Zug einsteigen wollten, hiess es „no“, keine Hunde in unseren Zug. Wie bitte? In Cusco beim Ticketkauf hat uns das keiner gesagt, sonst haetten wir gar keine Tickets gekauft! Eine Moeglichkeit gaebe es: den Hund in einen zu kleinen Pappkarton sperren und alleine in den dunklen Gepaeckraum hinter dem Triebwagen mitfahren lassen – ohne uns! Aber der Hammer kam erst noch. Fahrpreisrueckerstattung nur am naechsten Tag, Sonntag, nur Vormittags, unter Abzug von 10% Verwaltungskosten. Ja toll, wessen Schuld war das denn eigentlich? So wurde nichts aus Machu Picchu und auch nichts aus unserer anschliessend geplanten Tour durchs Valle Sagrado de los Incas, denn wir mussten ja zurueck nach Cusco, 72 Dollar verschenkt man nicht einfach so. Inzwischen hatten wir die Idee von Machu Picchu gaenzlich satt und entschlossen uns, diesen Touri-Nepp ganz sausen zu lassen. Es gibt so viele andere tolle Ruinen rund um Cusco zu besichtigen… Von anderen Leuten erfuhren wir, dass die Abzocke in den Ruinen natuerlich weiter geht, so z.B. kostet eine Flasche Wasser den 7-fachen Preis wie normal!!!
P.S.: inzwischen haben wir von einer Moeglichkeit erfahren, ganz ohne Peru Rail nach Machu Picchu zu kommen. Wenn Du Interesse hast schreib uns bitte ein Mail, wir schicken es Dir gerne zu. B O Y K O T T DER PERU RAIL ! ! !

In Cusco auf dem Bahnhof mussten wir uns dann fuer die Rueckerstattung erneut von Peru Rail wie Dreck behandeln lassen. Uns wurde fast schlecht bei dem Anblick, wieviele Leute dort hingehen, Unsummen Dollare dort hin tragen und sich wie Bloedmaenner behandeln lassen. Es lebe der Massentourismus!
Wir besuchten also viele andere, wirklich schoene Ruinenanlagen rund um Cusco, wie z.B. Tambomachay, Qenqo, Pisaq oder natuerlich Sacsayhuaman, der Festungsanlage oberhalb Cuscos. Und jedesmal sind wir erstaunt ueber die sagenhaften Mauern, riesige tonnenschwere Quader, die milimetergenau bearbeitet und fugenlos zusammengesetzt wurden. Wie konnten die Inkas das ohne Hebemittel schaffen, wie haben sie die Steine aus den Felsen „geschnitzt“? Man sollte eine Zeitmaschine besitzen und sich einmal in diese Zeit beamen koennen.
Nach Cusco hiess unser naechstes Ziel Altiplano, Titicacasee und Puno. Nach dem ueber 4’300m hohen Pass La Raya ging es ins Altiplano, einer baumlosen Hochebene um die 4’000m. Meistens flach, und immer geradeaus, meist bei Gegenwind, so gestaltete sich der Weg nach Puno. Dafuer sahen wir auch endlich viele verschiedene Camelitos. Leider koennen wir bis heute die Lamas, Alpakas, Guanacos und Vicunas nicht auseinanderhalten, schoen anzusehen sind sie allemal. Von Puno aus besuchten wir das Volk der Uros auf ihren schwimmenden Totora-Inseln, einer Schilfart. Wunderschoene Fotomotive gabs dort zu finden, wenn auch die ganze Sache ziemlich touristisch ist.

Peru Amazonas, CO, EC Haui
Oktober 2004 – Februar 2005
Besuch von Haui in Kolumbien und Equador, unsere Reise von Trujillo nach Trujillo ohne Raeder

Ende Oktober hiess es zum ersten Mal Abschied vom Casa und von unseren Bikes nehmen. Unser Freund Haui hatte sich wieder einmal zum Besuch im Januar 2005 angemeldet. Und fuer besseres Wetter treffen wir uns dann in Kolumbien. Wir entschieden uns, da wir ohne Raeder unterwegs waren, einen Umweg ueber den Amazonas zurueck nach Kolumbien zu machen. Wir stiegen auf den Bus um und fuhren von Trujillo aus via Chimbote, Canon del Pato, Caraz, Huaraz, La Union, Huanuco und Tingo Maria nach Pucallpa.
In Pucallpa verwirklichte sich Paola einen alten Jugendtraum, wir fuhren mit einer kleinen Lancha und einem Guide fuer vier Tage in den Dschungel Amazoniens. Aber ausser Millionen von Moskitos, Schmetterlingen, einigen Voegeln, Affen und vielen Flussdelfinen waren nicht viele Tiere zu sehen. Keine Anakonda, nur kleine Piranhas und Lagartos waren aufzuspueren, die „Zivilisation“ ist auch hier schon zu weit vorgedrungen. Tausende von Baumstaemmen wurden auf den Fluessen in Richtung Pucallpa transportiert, bald wird der Dschungel auch hier Geschichte sein. Dabei haette der Regenwald soviele Alternativen zu bieten, so zeigte uns Davis viele Heilpflanzen, welche so langsam auch von der Pharma-Industrie genutzt werden. Wir besuchten auch einige Shipibo-Indianer-Doerfer, doch Lendschurz ist hier out, Jeans und Baseball-Kaeppi sind in. Die Missionare haben diesen Indios alles Urspruengliche kraeftig ausgetrieben. Noch heutzutage gibt es sogenannte „Sprachforschungs-Missionare“, die nicht die Sprache erforschen, sondern die Bibel in deren Sprache uebersetzen und somit die letzten Indios von „anstaendigen“ Klamotten und Fernsehen ueberzeugen. Schande ueber diese Pfaffen!
Kamera-Klau im Amazonas von Peru
Nach unserer Dschungeltour ging es weiter auf „M/F Henry IV“ den Rio Ucayali hinunter nach Iquitos. Auf dem Boot mit ueber 300 Passagieren im Haengematten-Lager lernten wir auch Werner Brueggemann aus Hochdorf/Deutschland kennen. Werner ist 68 Jahre jung und reist immer noch begeistert mit Rucksack alleine durch die Weltgeschichte. Hut ab. Die ersten Tage und Naechte verliefen verhaeltnismaessig ruhig, wir sahen nicht allzuviel, da der Fluss schon sehr breit war und das Boot meistens in der Mitte fuhr. Doch wo viele Leute auf engem Raum zusammen sind, gibt es auch Diebe. Und diesesmal wurden wir Opfer eines sinnlosen Raubes. Mitten in der Nacht stahl uns ein Dieb die Digitalkamera aus dem Rucksack und zusaetzlich Igels alte Trekkingschuhe und Stinkesocken der Groesse 43. Mit so grossen Quadratlatschen kann hier kein Mensch etwas anfangen und ohne Kabel, Ladegeraet und Software war auch die Kamera fuer den Dieb nutzlos. Der Igel ist aber noch in der Nacht wach geworden und hat es gemerkt. Den Dieb konnten wir nimmer finden, er war wohl schon von Bord gegangen. Wir vermuteten jedoch ein abgekartetes Spiel zwischen Dieb und Steuermann und haben eine Belohnung von 100 Dollar fuer die Wiederbeschaffung ausgesetzt. Und schwups, schon wusste man wo der Dieb ausgestiegen ist. Und einen halben Tag spaeter haben sie ihn schon geschnappt und die Sachen „sichergestellt“. Der Chef des kleinen Dschungeldorfes Bolivar sprach ueber Radio mit uns und wollte ca. 50 Dollar fuer das „nachschicken“ nach Iquitos. Korruption ueberall, aber was will man machen, immer noch billiger als eine neue Kamera kaufen. Wir sagten zu, aber das Zeugs kam nicht an, dafuer eine Forderung von 100 Dollar. Da platzte uns der Kragen und wir gingen direkt zum Praefekten des Departamentes Loreto. Der sagte uns Hilfe zu, aber die Muehlen mahlen langsam in Peru. Es war Wochenende, dann liegt das Dorf am A… der Welt, also keine regelmaessigen Bootsverbindungen und so warteten wir weiter. Am darauffolgenden Freitag war die Kamera dann ploetzlich da und wir zahlten nur ungefaehr 7 Dollar fuer Transport und Trinkgeld. Gegen Mittag fuhren wir dann mal gemuetlich in den Hafen, um uns nach Booten auf dem Rio Napo zu erkundigen. Und was war? Am selben abend legte das vorlaeufig letzte Boot in Richtung Pantoja ab… Nun mussten wir uns beeilen, packen, eine kurze Foto-Tour durch Iquitos, Wasser und Verpflegung einkaufen, einen tropischen Regenfall abwarten und dann ab aufs Boot, Haengematten aufhaengen. Abends ging es dann los, 6 Tage und Naechte auf dem Rio Napo lagen vor uns. Auf der ersten Haelfte der Fahrt wurden mehr als 100 Leute auf das kleine Boot gestapelt, danach hatten wir zum Glueck ein wenig mehr Luft. Das Essen auf der „Siempre Adelante III“ wurde von Tag zu Tag magerer, so assen wir zum Schluss zwei mal taeglich duenne suesse Suppe mit trockenen Broetchen und ein halbwegs deftiges Mittagessen. Gekocht und geduscht wurde natuerlich mit Napo-Wasser, auf den Bildern koennt Ihr Euch mal anschauen, wie dieses aussieht. Aber unsere Maegen sind ja zum Glueck schon so einiges gewohnt. Unterwegs wurden viele kleine, huebsche Doerfer angesteuert, vom Staat gesponsortes Milchpulver geliefert und so mancher Tauschhandel betrieben (Lebendes gegen Reis, Patronen gegen Bares oder Lebensmittel, lebende Enten fuer den Fahrpreis). Von Bord aus konnten wir immer wieder ziemlich unterernaehrte Kinder, u.a. mit dicken Blaehbaeuchen sehen und so waren wir schon wieder froh ueber unsere Bordkueche. In Pantoja ging es mit einem kleinen Peque-Peque (Kanu) weiter nach Nuevo Rocafuerte in Ecuador und dann mit einer schnellen Lancha in 14 Stunden nach Coca. Dort ruhten wir uns einen Tag aus bevor es mit dem Bus weiter nach Quito ging. Ausschnitt aus dem Tagebucheintrag vom 28.11.2004: „Als in einem Ort ca. 10 Personen aussteigen und Gepaeck ausgeladen wird, lernen wir den Gipfel ecuadorianischer Faulheit kennen. Da es nicht sofort weitergeht, schreit ein Passagier „vamos, vamos“ (=auf geht’s, weiter). Der Bus faehrt an und 5m (!) weiter haelt der gleiche, ungeduldige Passagier den Bus wieder an, um auszusteigen – unglaublich faul!“
Quito
In Quito hatten wir einiges vor: neue Schuhe fuer Igel finden (gar nicht so einfach, Groesse 43 gilt in Lateinamerika schon fast als „Kindersarg“, 32-Loch-Felgen suchen (erfolglos) und vor allem wollten wir unseren Freund, den „caminante“ Gregor wiedertreffen, der seinen Inkaweg zu Fuss von Cusco hier in Quito beendete. Zusammen gingen wir auf den Berg Catequilla, dem „wahren Mittelpunkt“ der Erde am Aequator. Was die pre-Inkakultur damals schon alles beobachtet und gewusst hat, ist schon sehr beeindruckend. Wer hat heutzutage schon noch die Zeit sich auf einen Berg zu setzen, und ein Jahr lang die Wege der Sonne zu verfolgen? Und eines Tages, als wir so gemuetlich mit Gregor durch Quito’s Strassen ziehen, treffen wir unseren Freund und Radler Lucky wieder, welchen wir in Trujillo kennengelernt haben. Ist denn das zu fassen?!

Rambo !
In Quito wuchs auch die langgehegte Idee, sich einen Hund zuzulegen. Lange haben wir mit uns gekaempft, denn musste doch der Mittelweg zwischen „nicht zu viel Gewicht“ und „doch ein Hund“ gefunden werden. So kamen wir auf die Rasse des kleinen und agilen „Jack Russel Terrier“ und per Zufall fanden wir einen Zuechter in Quito.Der wollte uns jedoch einen 6-Wochen alten Welpen verkaufen, die Zuchtbedingungen gefielen uns auch nicht sehr. So suchten wir im Internet weiter und wurden schliesslich in Medellin fuendig. Dort wollten wir uns einen kleinen Racker holen. Wir fuhren also von Quito via Ipiales, Popayan und Cali nach Medellin (32 Stunden im Bus!) und von dort aus zum Criadero La Calandria bei Rionegro. Miguel Barrientos empfing uns allerherzlichst und zuerst einmal hiess es nicht Hund sondern Party. Auf seiner noblen Finca waren wir zum Speisen, Schlafen und Saufen eingeladen, die Begruessung wurde mit 2 1/2 Flaschen Whisky gefeiert. Miguel war von unserer Tour so begeistert, dass er uns sagte, wir koennen uns irgendeinen Hund aussuchen und diesen als Geschenk mitnehmen. Nach reiflicher Ueberlegung suchten wir uns dann den 5 Monate alten „Rat-Terrier“ Corozo aus, mit welchem wir weniger gesundheitliche Risiken als mit einem Welpen haben wuerden. Da wir uns „Corozo“ (=harter Kern der Kokosnuss) aber einfach nicht merken konnten, tauften wir den kleinen Sausewind um auf „Rambo“. Macht doch einfach viel mehr Eindruck wenn man vor moeglichen Dieben „Rambo“ anstelle „Fifi, komm“ ruft! Noch eine Nacht verbrachten wir mit Rambo und Miguel in seinem Appartment in Medellin, dann waren wir alleine mit unserem Kleinen. Und der musste gleich einmal einiges ueber sich ergehen lassen. Im Kaefig im Gepaeckfach des Busses nach Cali, Grossstadt-Schock. War er doch in den ersten 5 Monaten seines Lebens nur auf dem Land aufgewachsen. Nun galt es Verkehrslaerm zu ertragen, Menschenmassen, Treppen zu steigen, tausend neue Duefte zu erkunden. Er meisterte seine Aufgabe prima. Weiter ging es nach Popayan, wo wir 2 Tage Pause machten (und erfolglos weiter Felgen suchten). Dann kam das Haertestueck: 7 Stunden Hoppel- und Kurvenstrecke nach San Agustin, er schaffte auch das mit nur einmal Kotzen. Was fuer ein toller Hund. In San Agustin auf der Finca El Maco durfte Rambo sich dann einen Monat lang ganz auf uns einstellen.
Finca El Maco, San Agsutin, Kolumbien

Im April/Mai 2004 waren wir schon einmal auf der Finca El Maco und der schweizer Besitzer Rene war inzwischen unser Freund geworden. Wir halfen ihm ein wenig bei Renovationsarbeiten, uebten fleissig mit Rambo und verbrachten ein nettes Weihnachtsfest in kleiner Runde mit Freunden. In der „Temporada“ (Hochsaison) jagte ein Fest das andere, doch Sylvester fiel fuer Paola ziemlich bescheiden aus. Just am 31.12. legte sie sich mit Gliederschmerzen und starken Kopfschmerzen ins Bett. Keiner wusste so recht, was sie hatte. Arzt- und Laborbesuche im neuen Jahr ergaben Krabbeltierchen in den Daermen, eine abklingende Virusinfektion (welche auch immer?!) und eine leichte Nierenentzuendung. Und davon gibt es so starke Kopfschmerzen? Hm. Besserung trat dann erst am 6.1.2005 ein.
Haui kommt nach Kolumbien
Am 18. Februar 2005 landet Haui in Bogota. Unser erstes gemeinsames Ziel heisst Taganga bei Santa Marta an der Karibikkueste. Wir „aklimatisieren“ uns und treffen unseren oesterreichischen Radlerkollegen Joachim wieder. Als naechstes geht es weiter nach Cartagena und zum Schlamm-Vulkan Totumo. In der Zona Cafetera (Kaffee Anbaugebiet) lassen wir uns fuer einige Tage in Salento nieder und bewandern das Valle de Cocora. Bei Armenia ist der Parque Nacional del Cafe die naechste Attraktion und obwohl dieser eigentlich geschlossen war, erhielten wir eine Privat-Fuehrung. Via Neiva ging es dann wiederum auf die Finca El Maco in San Agustin zu unserem Freund Rene. Via Popayan und Ipiales fuhren wir nach Otavalo, Ecuador.
Paola fliegt nach Deutschland
In Otavalo erhalten wir die schlimme Nachricht: Paola’s Vater ist verstorben, so fliegt sie alleine fuer knappe 3 Wochen nach Deutschland. Haui und Igel verbringen noch 3 Tage in und um Quito, bevor auch Haui den Weg ins verschneite Deutschland zurueck antreten muss.

Peru, Ecuador 2009
Maerz – Juni 2009
PE: Tacna, Moquegua, Arequipa, Ica, Lima, Ancash, La Libertad, Lambayeque, Piura, Tumbes
EC: El Oro, Guayas, Los Rios, Pichincha, Imbabura, Carchi

Am 30. Maerz 2009 reisten wir wieder einmal in Peru ein und waren ziemlich ueberrascht von unserem ersten Ziel: Tacna. Gross, sauber, freundlich und ordentlich – wir hatten mit einer kleinen, schmuddeligen Grenzstadt gerechnet… Das lehrt uns wieder einmal: erst hinfahren, dann urteilen! An unserem 8. Jahrestag der Reise versuchten wir in Richtung Arequipa zu trampen, doch leider erfolglos. Erst einen Tag spaeter fanden wir einen kleinen LKW, der uns dann aber gleich bis nach Nazca mitnahm. 800km in 14 Stunden, hinten auf dem Holzboden sitzend – uff! Die Panamericana Sur auf dieser Strecke ist spannend durch Felsen und Duenen gespitzt, gruene Flusstaeler unterbrechen immer wieder die ewig trockene Wueste. In Nazca kaempfte Paola erst einmal mit der Nahrungsmittelumstellung Chile-Peru… einige Tage in der Naehe des Klos waren angesagt.
Von Nazca radelten wir nach Palpa und von dort trampten wir weiter nach Ica. In der Oase Huacachina verwandelten wir drei (Igel, Paola und Rambo) uns kurzfristig in junge Kids und turnten auf den tollen Duenen rum. Das „Heilwasser“ der Lagune ueberliessen wir lieber den Einheimischen (es sah eher so aus, als wenn es uns eine erneute Anbindung ans Klo verschaffe…). Die Strecke Pisco-Cañete-Lima legten wir auch vorwiegend in Trucks zurueck. Hier sieht man noch immer traurige Zeugen des Erdbebens von 2007, welches eine Staerke von unvorstellbaren 8 auf der Richterskala hatte.
Lima ist in echter Horrortrip fuer natur-verwoehnte Radler. Kleine peruanische Staedte sind ja schon rekordverdaechtig fuer den Titel „unvertraeglicher, gesundheitschaedlicher Level von Laermbelastung“ – in Lima kommt noch Smog wegen staendigem Kuestennebel und eine sehr hohe Kriminalitaetsrate hinzu. Definitiv kein Ort, an welchem wir freiwillig wohnen moechten!!
Via Puente Piedras radelten wir hoch konzentriert und mehrmals laut fluchend wieder aus Lima heraus bis nach Ancon. Fuer diese 50km brauchten wir den ganzen Tag und waren ziemlich fertig am Abend. So trampten wir am naechsten Tag weiter auf der stark befahrenen Panamericana Norte in einen Fisch-Truck nach Chimbote. Lecker lecker rochen unsere armen Cabongas, als wir sie aus dem Bauch des LKWs befreiten. Wir durften zum Glueck in der Fahrerkabine mitfahren. Von Nuevo Chimbote aus radelten wir dann via Chao zum dritten mal nach Trujillo.

Wie immer stiegen wir dort im Casa de Ciclistas von Lucho ab. Und wie immer trafen wir dort auf viele andere „Radel-Verrueckte“ und fielen wieder mal ins Zeitloch. Nach ueber 2 Wochen war dann jedoch unser Bedarf an hupenden Taxifahrern, Gross-Stadt im Allgemeinen und Familienquaerelen gedeckt und es ging weiter in Richtung Norden. In Chicama fanden wir einen netten Trucker, der uns nach Chiclayo mitnahm. Knappe 40km nach Chiclayo (in Morrope?) fanden wir den naechsten Truck nach Piura. Von dort aus radelten wir weiter, denn Transporte waren rar. Ueber Sullana (nett) ueber Talara (na ja) ging es weiter nach Los Organos, kurz vor Mancora. Und auf hier verschoben wir spontan unseren (in Ecuador) geplanten Beachurlaub. Los Organos ist handlich-klein, hat alles was ein Radler braucht (Markt, Restaurants, Internet) und wir fanden eine tolle, ruhige Unterkunft direkt am netten Strand fuer sage und schreibe 15 Soles pro Nacht – 4 Euros.
Nach einer Woche gab es dort allerdings einen kleinen Zwischenfall mit Igel und einem Mototaxi-Fahrer. Igel zog sich dabei eine haessliche kleine Wunde an der rechten Hand zu, welche genaeht werden musste. Eine Woche Ruhe verordnete der Arzt, und so verlaengerten wir nochmals unsere Ferien in Los Organos. Unser Vermieter hatte Mitleid mit dem armen Igel und reduzierte den Mietpreis fuer die Zusatzwoche nochmals auf 10 Soles… Glueck im Unglueck.
Nach 2 Wochen Beachurlaub ging es weiter nach Mancora und nach Tumbes, welches einen recht interessanten Stadtkern hat.

Ecuador

Ende Mai 2009 verliessen wir (endlich) Peru und radelten nach Ecuador. Die Grenze zwischen diesen beiden Laendern ist auch die Grenze zwischen Wueste und Tropen. Via Santa Rosa und Naranjal ging es hauptsaechlich mit LKWs nach Quevedo, Santo Domingo de los Colorados und dann nach Quito. Dort wurden wir herzlich von unserem Freund Lucky in seine Wohnung aufgenommen, denn wir benoetigten eine ganze Zeit lang in Ecuador’s Hauptstadt, um unser Visum fuer Kolumbien zu erhalten. Zwischenzeitlich feierte Igel Geburtstag und wir trafen uns mit einigen Radlern, wie Max aus Oesterreich, der in unserem Casa de Ciclistas (CDC) in San Agustin war, und mit Dave und Kelly und David Holmes, die wir alle in Trujillo im CDC kennengelernt haben.
Muchas gracias Lucky para tu hospitalidad!!!
Am 21. Juni 2009 radelten wir weiter in Richtung Kolumbien mit unserem frischen Einjahres-Visum im Gepaeck. Der Plan: wieder mal eine laengere Pause vom Radfahren einlegen.

Bolivien
Juli – November 2005
La Paz, Oruro, Potosi, Chuquisaca, Santa Cruz, Beni, Pando

Wir sind im 21sten Land unserer Reise angelangt und in Copacabana am Lago Titicaca akklimatisieren wir uns an neues Bier und neuem Essen. Die Einreise mit Rambo war ganz einfach – keiner hat’s gemerkt – schoen, schnell und guenstig fuer uns. In Copacababa liessen wir es uns erst mal ein paar Tage lang gut gehen. Zu guenstigen Preisen kann man hier gut und abwechslungsreich essen, auch die Zimmerpreise sind deutlich guenstiger als in Peru. Nach 5 Tagen kam dann der Aufbruch in Richtung Salar de Uyuni, ca. 600km unbekannte Dreckstrassen im Altiplano, alles um die 4000m hoch, abseits des „ausgetretenen Touripfades“ lagen vor uns. Der Lebensmittel-Vorrat war gut aufgestockt, das Wetter bilderbuch-maessig, ein fast schon kitschiger tiefblauer Himmel ueber uns. Um es gleich einmal vorauszuschicken: es hat nicht lange gedauert, bis wir Bolivien ins Herz geschlossen haben. Die spektakulaeren Landschaften und die anfangs oft schuechternen, spaeter dann ausserordentlich liebenswerten Menschen machen die vielen Strapazen und Entbehrungen um ein vielfaches wett.
Entlang des Lagos Titicaca hatten wir einen grandiosen Blick auf die Cordillera Real mit ihren schneebedeckten Giganten um die 6000m. Welch ein Farbcontrast – der See mit tiefem Blau, himmelblau, die schneeweissen Berge und immer wieder der spaerliche goldgelbe Bewuchs der Landschaft.
Gleich in der ersten Unterkunft nach Copacabana gibt es kein Bad, nicht einmal ein Klo, das oeffentliche Klo ist dauernd geschlossen. Da freuen wir uns doch ueber folgendes Schild im Parque Central: „Denke an die Umwelt, benutze Muelleimer“ – erstens gibt es keine, zweitens keine Muellabfuhr/-deponie, drittens: was nuetzt das, wenn jeder in den Garten oder in den See kackt?!?
Bei Huatajata trafen wir auf unsere ersten Strassenblockaden, Steine, Baeume, Sand, alles moegliche versperrt den Autos und Bussen den Weg. Mit den Raedern kommt man aber ohne Probleme durch, im Gegenteil, als wir an einem „sit-in“ auf einer Bruecke vorbeifahren, erhalten wir Applaus! Auf der naechsten Bruecke ist das Mittagessen fuer ca. 100 Leute auf Tuechern mitten auf der Strasse ausgebreitet, wir werden dazu eingeladen und die Leute erklaereen uns ihre Misere. Bolivien ist reich an Bodenschaetzen aller Art, hat aber praktisch kein Geld, diese zu gewinnen. So verkauft „der Staat“ nun z.B. die Rechte zur Gewinnung von Erdoel, Gas etc. ans Ausland, und die verkaufen das fertige Produkt dann fuer viel Geld wieder an die armen Bolivianer. Das bolivianische Volk hat natuerlich was gegen diese Praktik und hat nun schon einige Praesidenten deswegen aus ihrem Land vertrieben, denn die Vergabe der Rechte ist mit Sicherheit auch nicht ohne freundliche Trinkgelder ueber die Buehne gegangen.

Auf der Strecke Batallas, Viacha, Corocoro, Pando, Callapa, Curahuara de Carangas, Turco, Huachacalla, Chipaya, Challacota, Salinas, Jirira hatten wir ziemlich viel Wind und meist ueber 4000m empfindliche Temperaturen des nachts. So versuchten wir, wenn immer moeglich, nachts vier Waende und ein Dach zu finden, im Zelt war es eindeutig zu kalt. Ein Dach zu finden war anfangs nicht immer leicht, doch mit Geduld und Genuegsamkeit hatten wir fast immer Erfolg. Wir schliefen in Rumpelkammern, im Sitzungssaal der Gemeinde, im Wahlbuero, im fell-ausgelegten Sitzungszimmer der Chipaya-Indigenas usw. Doch mussten wir auch oft zelten, da viele Streckenabschnitte zu gross waren und es einfach keine Siedlungen unterwegs gab. Oft froren uns dann bei -12 Grad im Zelt fast die Fuesse ab und morgens konnten wir erst aufstehen, wenn die Sonne unser Zelt ein wenig aufgetaut hatte. Landschaftlich war jeden Tag etwas neues geboten. Entweder begeisterten uns die extremen Farben von rot, gruen, silber, rosarot und gelb, schneeweiss, unendliche viele Brauntoene und immer wieder der fast schon kitschige, blaue Himmel darueber, und natuerlich der Blick auf den hoechsten Berg Boliviens, dem 6549m hohen Vulkan Sajama. Oder es tauchten immer wieder „aus dem Nichts“ bizarre Canyon-Landschaften und Felsformationen auf, die uns staunen und wie wild fotografieren liessen. Jeder einzelne dieser Canyons waere eine grosse Touristenattraktion in Deutschland oder gar in den USA, hier in Bolivien verirrt sich kein Mensch dort hin, wir sahen manchmal tagelang kein Fahrzeug, nicht einmal andere Fahrraeder mit Einheimischen. Das allerdings machte uns die Wegfindung ziemlich schwer. So waren doch fast alles Dreckstrassen oder einfach nur ein paar Fahrradspuren im Sand, wenn dann ploetzlich Gabelungen kamen, war natuerlich niemand dort zum fragen… Ueberhaupt hatten wir so manches Mal mit schlimmen Fahhrbahn-Verhaeltnissen zu kaempfen, Schotter, Geroell oder noch schlimmer wuestenartiger, tiefer Sand.

Tolle Begegnungen und gastfreundliche Menschen sollten uns aber immer wieder fuer die Strapazen entschaedigen. In Curahuara de Carangas z.B. gingen wir zu Isabell in ihr kleines Restaurant ein Bierchen trinken. Aus dem Bierchen wurde ein langer, froehlicher Abend mit Musik und Tanz, gratis Llama-Chicharron und viel Malta-Bier. Isabell hat drei Kinder, ist alleine-erziehend und hat mit Sicherheit zu kaempfen, dass sie ihre Kinder satt kriegt und die Schule bezahlen kann, trotzdem war es fuer sie selbstverstaendlich uns einzuladen und alle anderen Kunden zu vernachlaessigen, damit sie mit uns reden und tanzen konnte.
In Turco kamen wir total muede und ausgehungert an. Turco, so hiess es, sei ein groesseres Dorf, doch viel fanden wir nicht vor. Um so erstaunter waren wir dann, als wir doch eine Unterkunft fanden, die uns auch verkoestigte, sogar extra fuer Rambo kochte und uns den ganzen Abend unterhielt mit Videos ueber bolivianische Musik und Volkstaenze, Gebraeuche, Sehenswuerdigkeiten der Region (wo kein auslaendischer Touri hingeht) etc. Am naechsten Morgen gab es dann auch noch ein „Carepaket“ fuer Rambo, Vater begleitete uns mit seinem Rad auf den richtigen Weg – eine tolle Familie. Bis zum naechsten Dorf, Huachacalla, seien es ca. 5 Stunden mit dem Rad – oK, kein Problem. Zum Glueck hatten wir genug Lebensmittel dabei, denn aus den 5 Stunden wurden 3 harte Tage!!! So legten wir dort dann auch nach 11 Tagen -Dauer-Radeln den ersten verdienten Ruhetag im „Zimmer mit Dusche“ ein (siehe Foto).
Besonders hingerissen waren wir von der Gastfreundschaft in Chipaya, noerdlich des Salar de Coipasa. Beschreibung in unserem Reisefuehrer: „Die Chipaya gehoeren wie die Uro zu den Kot-suns, den „Seemenschen“ und damit zu den aeltesten Kulturen des Hochlands, touristische Besucher sind jedoch nicht gerne gesehen“. Da muessen wir doch gleich mal etwas richtigstellen: die Chipaya sind das wahrscheinlich aelteste Volk (mehr als 4000 Jahre) Suedamerikas und sie wuerden gerne Besucher sehen, wenn die Regierung ihnen bei der Strassenverbesserung helfen wuerde (z.B. Bruecken), damit Besucher zu ihnen kommen koennen. Denn der See von frueher existiert nicht mehr und heutzutage kuemmern sich die Chipaya praktisch nur noch um Llamas und etwas Quinoa, einer Hochland-Getreidesorte. Das bringt nicht viel ein, und die Chipaya sind so ziemlich arm. Doch voller Zuversicht, so erzaehlte uns zumindest unser „Gastvater“ Ilacata Mayor und seine Frau Juanita, die noch ihre typische Kleidung tragen und Chipaya reden, eine eigene Sprache aehnlich dem Quechua. Ilacata Mayor hat Zukunftsvisionen mit vertraeglichem Tourismus, ist Mitglied im „Team“ zur Erhaltung der Kultur, so haben sie ein Schulbuch erstellt und durchgesetzt, dass neben dem Spanisch wieder Chipaya an der Schule gelehrt wird, die Bibel wurde in Chipaya uebersetzt, die Kleidung und die speziellen Frisuren der Frauen sollen wieder getragen werden, die typischen Rundhaeuser sollen wieder gebaut werden. Wir waren begeistert, bekamen das neue, farbige Schulbuch geschenkt, erhielten eine grosse Suppe aus Quinoa und hatten einen tollen, interessanten Abend. Nach einer Nacht im Wahllokal von Challacota hiess es dann nochmal viele Tage mit tiefem Sand, d.h. mit viel Schieben zu bewaeltigen, bevor wir dann endlich, nach ueber 600km Dreckstrassen den Salar de Uyuni bei Jirira erblickten. Begeisterung machte sich breit, riesig ist der Salar, weiss ist er sowieso, und irgendwie „ausserirdisch“…

Am naechsten Tag war es dann soweit, wir brachen zur ersten Etappe zur Insel Incahuasi auf. 45km, alles eben, zumindest was die Hoehenmeter betrifft. Die Oberflaeche jedoch, so erfuhren wir spaeter, aendert sich jedes Jahr, dieses Jahr war die Strecke Jirira-Incahuasi ziemlich uebel zum fahren, die Oberflaeche ist wie mit weissen Tennisbaellen belegt, das hoppelt ganz schoen! Zum ganzen Gehoppel kamen auch noch 3 (!) Plattfuesse dank eines (neuen!) Reifens, aus dem sich der Draht loeste. So kamen wir nicht sehr frueh auf der Insel Incahuasi an, durften dann aber gratis im Refugio de Ciclistas schlafen, einem einzigartigen Nachtquartier mit grossem Panoramafenster auf den Salar. Am naechsten Tag gefiel es uns so sehr auf der „Kaktusinsel“, dass wir gleich noch einen Tag anhaengten und mit dem ersten Bewohner der Insel, Don Alfredo, auf den 6. August anstiessen, dem bolivianischen Unabhaengigkeitstag. Don Alfredo fuehrt auch interessante Gaestebuecher von allen Personen, meist Radler oder Biker, die auf der Insel geschlafen haben. In diesen Buechern konnten wir so einige Bekannte antreffen. Am Nachmittag trafen auch die spanischen Radler Maria und Gorka ein, mit denen wir uns gleich anfreundeten. ( http://www.patagonicos2005.com )
Es fiel uns schwer, die einzigartige Atmosphaere der Insel zu verlassen, doch der Salar rief uns erneut. Hippel feierte am 7. August seinen 8. Geburtstag – Party im Salar! Rambo hatte sich auch so langsam an seine Schuhe und an die notwendige Sonnenbrille gewoehnt, nur mit dem noetigen Geschaeftchen wollte es nicht so recht klappen, mangels Gegenstaenden, an welche man dran pinkeln kann. Da nuetzten auch der mitgebrachte Ast und Paola’s Demonstrationen wenig.
Am Ende der zweiten Etappe zelteten wir mitten in der weissen Wueste. Wir wussten, dass die Nacht kalt werden wuerde, doch einmal musste das schon sein! Am dritten Tag fanden wir bei Colchani wiederr aus dem Salar raus, schade eigentlich, denn der Belag dorthin wurde eindeutig besser. Am Morgen trafen wir auf viele 4×4 Touren, und fast alle hielten an und fotografierten wie wild den beschuhten und bebrillten Rambo – der Star des Salar! Gelegentlich erhielten dann auch wir ein wenig Aufmerksamkeit…
In Uyuni wartete dann ein weiterer Hoehepunkt auf uns: eine warme Dusche nach 3 Wochen ohne jegliche Dusche… Wir trafen uns mit Maria und Gorka wieder, besuchten den Eisenbahnfriedhof und entschlossen uns mit dem Bus nach Potosi zu fahren, da die Strecke dorthin wiederum (schlimme) Dreckstrassen sein sollten und Igel sich eine nette Sch… eingefangen hatte. Im schoenen Potosi war es, trotz auf ueber 4000m im Vergleich zu Uyuni 3600m, deutlich waermer. Wir genossen das redlich und kurierten erst mal die Wehwechen (Durchfall und Gewichtsverlust der letzten 3 Wochen) aus. Nocheinmal hatten die Cabongas Schonfrist und wir fuhren mit dem spektakulaeren Schienenbus von der Silberstadt Potosi nach Sucre. Einmalige Landschaften und Streckenfuehrungen machen die Bahnlinie deutlich schoener als die normale Strasse.

In Sucre verbrachten wir einige Tage mit Maria und Gorka, wir genossen die Lage unserer Unterkunft direkt am gut sortierten Markt und erkundeten die Stadt. Dann ging es auf den naechsten Streckenabschnitt, die „Ruta del Che“ wartete auf uns. Weitere 500km vorwiegend Dreckstrassen entlang einiger Orte, an welchen sich Che Guevara aufhielt und schliesslich bei La Higuera erschossen wurde. Wir fuhren durch Tarabuco, Villa Serrano, Pucara, Vallegrande und Samaipata, kleine Doerfer und dazwischen viele, viele Huegel und Berge. Sucre befindet sich auf 2’900m, Santa Cruz auf 600m, also alles bergab?! Falsch gedacht, 10’000m hoch und runter mussten erst erklommen werden, bevor es endlich hinunter nach Santa Cruz ging! Wir erkaempften uns so ca. 8’000m davon, dann gaben wir auf und stiegen erledigt in einen Bus um. Wasser war dieses Mal das groesste Problem, zum Essen hatten wir genug dabei, doch um das fluessige Gold mussten wir uns so manches Mal Sorgen machen.
In Samaipata erfuhren wir, dass wir nicht die einzigen waren, auch Maria und Gorka hatten einige Kilometer im LKW und Bus zurueckgelegt, der Strapazen muede geworden. Zu viert „erledigten“ wir das Kulturprogramm, El Fuerte de Samaipata, einem ehemaligen Kultplatz Pre-Inka- und Inka-Kulturen. Ein ca. 60x200m langer Felsblock wurde mit allen moeglichen Mustern, Sitzen, Nischen etc. verziert. In Samaipata erlebten wir auch den „Sureño“, einen kalten Wind aus Sueden. Er kuehlt den Norden Boliviens um ca. 20 Grade ab, und das selbst im Amazonas, die dann ploetzlich 10 anstelle von 30 Graden haben! Wir klapperten einige Tage vor uns hin und fuhren dann gemeinsam weiter nach Santa Cruz. Hier hatten wir wieder einiges mit unserer Ausruestung zu tun. Rambo’s Aufbau auf dem Anhaenger brauchte eine dringende Revision, einiges musste neu beschafft werden. Maria und Gorka fuhren nach einigen Tagen mit dem Zug weiter in Richtung Robore, waehrend wir noch weitere Erledigungen in Santa Cruz machten.

Ein weiterer Surazo hielt uns laenger als gewuenscht in der Stadt, doch dann ging es weiter via Montero nach Ivirgarzama und Puerto Villarroel, von wo aus wir mit einem Boot nach Trinidad fahren wollten. Doch leider gab es dort weder Waren noch genug Wasser fuer die wartenden Schiffe und mind. 2-3 Wochen wollten wir in dem Nest nicht auf die eventuelle Abfahrt eines Schiffes warten. Also, Kommando zurueck und auf dem Landweg per LKW nach Trinidad durch viel brennendes Land. Der Boden „werde fuer die naechste Aussaat vorbereitet“, so teilte man uns mit, und „ganz zufaellig“ brennen dann natuerlich auch Waelder fuer noch mehr Mais, Soya oder Rindviecher ab. Beni brennt! Und alle wundern sich ueber Klima-Veraenderungen… Ueber Dreckstrassen und zentimeter-dicken Pulverstaubschichten radelten wir weiter via San Ignacio, San Borja und Santa Rosa nach Rurrenabaque. Hier sahen wir unendlich viele verschiedene und zahlreiche Vogelviecher in allen Groessen und Farben, Aras, Kaimane, Affen, Capybaras, Hirsche und sogar kleine „Grosskatzen“ (Jaguarundis?). Zum radeln jedoch war es die Hoelle, ueber 40 Grad, Gegenwind, Qualm, Staub und fast kein Wasser. Fuer Rambo schleppten wir taeglich 2 Liter Wasser mit, welches er zum trinken und „Abkuehl“-duschen brauchte. In Rurrenabaque trafen wir uns nach gut einem Monat mit Gorka und Maria wieder. Ausserdem lernten wir den polnischen Padre Mario kennen, der gerade mit dem Bau eines „Amazonas-Dampfers“ beschaeftigt war. Wir planten unsere Weiterfahrt auf dem Rio Beni, so z.B. mit einem selbstgebauten Floss, 2 Kanus oder aber mit einem Einheimischen und seinem Peque-Peque, denn viele Einheimische rieten uns vom Alleingang ab wegen der vielen Kaimane, Anakondas, Jaguare und den Gefahren des Flusses. Nach einigem Umhoeren ergab sich die Moglichkeit, mit einem Peque-Peque bis zum Rio Madidi mitzufahren.

Aber auch diese Mitfahrgelegenheit verschob sich mal wieder – inzwischen wie gewohnt. Kein Diesel war die Ursache. Und als es dann endlich so weit war, trauten wir unseren Augen kaum. Nebst so vielen Waren und Menschen sollten wir mit all unserem Zeugs auch noch auf das kleine Boot?!? Si se puede, hier funktioniert alles, wo wir Europaer gleich mal den Kopf schuetteln heisst es in Lateinamerika noch lange: klar geht das, kein Problem. Endlich auf dem Rio Beni unterwegs stellten wir dann bald fest, dass es auch fuer uns durchaus moeglich gewesen waere, auf einem Floss selbst den Fluss hinunter zu schippern. Jetzt in der Trockenzeit war der Fluss friedlich und auch mit den Einheimischen schliefen wir ohne irgendwelche Schutzmassnahmen (ausser gegen Moskitos) direkt am Fluss. Und endlich hatten wir auch den bolivianischen Dschungel gefunden, zumindest soweit wir blicken konnten. Drei Tage lang schipperten wir bis zur Muendung des Rios Madidi zum kleinen Ort Candelaria. Von dort aus radelten wir auf einem kleinen, ueberwucherten Pfad nach Puerto Cavinas, wo wir bei der Lehrerin im Haus unterkamen. Nach 3 Tagen in diesem netten Nest ohne Strom ging es weiter auf dem groesseren Boot Don Carlos, vollbeladen mit Paranuessen bis nach Peña Amarilla. Und dann ging es durch den heissen Staat Pando weiter bis nach Cobija an der brasilianischen Grenze. Die 350km dorthin waren ein wildes Wechselbad der Gefuehle. Der Weg begann mit herrlich dichtem Dschungel, allerdings gespickt mit allen moeglichen laestigen Beisstierchen. Tagelang radelten wir durch Abermillionen von Schmetterlingen und wir kuehlten uns an jedem moeglichen Wasserloch gegen die unmenschliche Hitze. Die Bewohner der kleinen Siedlungen unterwegs benutzen diese Wasserstellen als Trinkwasser, Badeplatz und Waeschewaschplatz (mit viel Seife)! Es scheint ihnen nichts auszumachen, wenn nach vielem Waeschewaschen direkt im Wasser dieses fast umkippt, sie trinken es trotzdem. Je naeher wir nach Cobija kamen, je weiter ist die Waldzerstoerung fortgeschritten. Anscheinend besitzen 11 „grosse“ Herren die Rechte zum Baeume schlagen in Pando, den Rest erledigen die Bauern mit Brandrodung. Und dann kommen die Rindviecher drauf, die den mageren Boden in kuerzester Zeit toeten. Aber auch hier weiss natuerlich keiner, woher dieser seltsame Klimawandel kommt, warum es ploetzlich nicht mehr genug regnet und es immer heisser wird… Das einzige was wir dagegen tun koennen ist, bewusst einzukaufen, kauft KEIN Tropenholz und wenn moeglich nur Rindviecher vom Bauern nebenan (wenn es denn unbedingt Rindfleisch sein muss). In Cobija wurden wir in der ersten halben Stunde gleich von 2 oertlichen Fernsehteams interviewt und gefilmt, welches auch tatsaechlich am gleichen Abend ausgestrahlt wurde. Da wir keinen Fernseher im Zimmer hatten, haben wir uns selbst verpasst, jedoch wurden wir in den folgenden Tagen immer wieder erkannt und angesprochen: Ihr seid doch die vom Fernsehen… Auch mussten wieder mal einige Dinge in Cobija repariert werden, so hauptsaechlich Rambo’s Anhaenger, der sich als echte deutsche Flucharbeit entpuppt hat.
Jetzt im November herrscht gefaehrliche Vor-Mango-Zeit. Es wird mit allen moeglichen Dingen wie Steinen, Schuhen und Aesten nach diesen koestlichen Fruechten geworfen, damit sie von den Baeumen fallen, denn eigentlich sind sie noch nicht ganz reif und fallen nicht selbst herunter. Wenn man da nicht aufpasst, gibt es ganz schoene Beulen – aua!

Mai – Juni 2008
Santa Cruz, Chuquisaca, Tarija

Im Mai 2008 reisten wir aus Corumba, Brasilien nach Bolivien ein. In Puerto Quijarro bestiegen wir den Zug der Ferroviaria Oriental nach Santa Cruz de la Sierra. 20 Stunden lang musste der arme Rambo im Gepaeckwagen ausharren. Immerhin durften wir ihn an den groesseren Stationen, wie z.B. in Robore oder San Jose de Chiquitos, besuchen und Gassi fuehren. In Santa Cruz de la Sierra gefiel es uns, nun zum zweiten Mal hier, viel besser als im Jahr 2005. Nach Brasilien eine Wohltat fuer unser Budget, trotzdem eignet sich Santa Cruz hervorragend um sein Equipment wieder in Schuss zu kriegen. Dienstleistungen wie Naeher, Schuhmacher, Reinigung, Tierazt, Labor und vieles mehr sind unglaublich guenstig. Davon machten wir ausfuehrlich Gebrauch und auch die Leibesfreuden kamen nicht zu kurz. Ein Mittagessen mit Suppe, Hauptgang und Saft kostet hier weniger als einen Euro, eine Flasche leckerer bolivianischer Rotwein in der Flasche 1,50 Euro – da kann man sich es gut gehen lassen, ganz ohne schlechtem Gewissen. Erst vor kurzem fand die Abstimmung zur Autonomie statt. In der Presse wurde immer wieder von Unruhen und Aehnlichem berichtet – wir bekamen im Zentrum von Santa Cruz ueberhaupt nichts mit, ausser den vielen gruen-weiss-gruenen Flaggen vom Bezirk Santa Cruz, dem Zeichen der Autonomie. 10 Tage lang brauchten wir um unsere Ausruestung auf Vordermann zu bekommen (und um alle Torten und Eissorten auszuprobieren…), dann ging es weiter in Richtung Sueden.

Via Mora, Abapo und Ipita ging es nach Camiri und von dort aus via Boyuibe nach Villamontes. Dort zeigte uns der oberste Militaer, Coronel Carlos Escalera, mit Stolz seine schoene Stadt und wir wurden ueber den Chaco Krieg von 1932-1935 von ihm und im Museum aufgeklaert. In Villamontes holte uns dann der Suedhalbkugel-Winter ein. Ein schreckliches Erlebnis nach monatelangem Schwitzen in tropischer Zone. Vergeblich wollten wir im Hotelzimmer ausharren, bis es waermer wuerde, doch es blieb bitter kalt. Nachts hatten wir Temperaturen um den Gefrierpunkt und auch tagsueber wurden keine zweistelligen Gradzahlen erreicht. Unsere letzte Station in Bolivien hiess dann Yacuiba. Nochmals warteten wir dort (im ebenfalls unmenschlich kaltem Hotelzimmer) auf besseres Wetter, doch es half nichts. Das musste wohl der Winteranfang sein. Am 3. Juni war es dann so weit, die Sonne schien und wir verabschiedeten uns vom zwar kalten, doch schoenen Bolivien – ein Land auf unserer Liste der Lieblingslaender!

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Über grenzenlos2001

Igel & Paola, Rambo & Caramba auf dem Bike, Trike und im Bus um die Welt
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