Südamerika 1 CO, EC

Kolumbien Teil 1 Reise
Erste Einreise
Februar -Juni 2004
Bolivar, Sucre, Cesar, Santander, Boyaca, Cundinamarca, Tolima, Huila, Cauca, Putumayo, Narino

Am 18. Februar 2004 rollten unsere Raeder zum ersten Mal auf suedamerikanischen Boden. Doch zuerst nur vom Yachthafen bis in die Altstadt von Cartagena. Die Ueberfahrt auf dem Segelboot „Valhalla“ lag uns in den Knochen und wir fuehlten uns noch tagelang „landkrank“.
Allerdings ist es in keinster Weise eine Strafe, in Cartagena „festzuhaengen“. Hier wird es einem so schnell nicht langweilig, die vielen herrlichen Kolonialhaeuser und Gassen, die Piratengeschichte mit vielen Ueberbleibseln wie Forts und Stadtmauer sowie das bunte Treiben in den Strassen und Beizen haben taegliche Ueberraschungen parat. Ausserdem waren wir gerade waehrend dem Internationalen Filmfestival in Cartagena, so konnten wir uns von dieser schoenen Stadt nicht so schnell losreissen. Nach 2 Wochen ging es dann auf ins heisse Tiefland Kolumbiens. Wir verabschiedeten uns gleich von der karibischen Kueste und fuhren in Richtung Rio Magdalena ueber San Onofre, Sincelejo, San Pedro und Magangue nach Mompos, einer schoenen Kolonialstadt mit vielen Kirchen und schoenen Gassen. Mopmpos war frueher einmal die „geheime“ Hauptstadt Kolumbiens, die nur auf dem Wasserweg erreichbar war und von den Piraten im Gegensatz zu Cartagena verschont blieb. Und hier endete wieder einmal der schoene Teerbelag und wir radelten auf staubiger Piste erst einmal nach El Banco, von wo aus wir eigentlich ein Boot auf dem Rio Magdalena nach Barrancabermeja nehmen wollten. Doch die Bootsmafia wollte uns „Gringos“ abzocken und von uns den 4-fachen Fahrpreis verlangen – 2 mal fuer uns und 2 mal fuer die Raeder! Nicht mit uns, da lassen wir uns doch gerne weiter panieren. Also ging es weiter, erst nach Tamalamegue und dann nach El Burro, wo wir nach ca. 130km Staub und Dreck wieder auf Teerbelag stiessen. Auf den kleinen Doerfern wurden wir oft gefragt, was wir denn verkaufen – bei so viel Gepaeck auf den Raedern muessten wir doch irgendwelche Verkaeufer sein! Die Temperaturen im Tiefland stellten einen weiteren Haertetest an uns, morgens um 10 Uhr stieg das Quecksilber bereits auf 37 Grad im Schatten, radeln war also nur vormittags moeglich, nachmittags hingen wir irgendwo rum wie die toten Fliegen. Nachts liess es sich in den einfachen Unterkuenften auch nicht gut erholen, da die tagsueber gesammelte Waerme nachts als Matratzenheizung fungierte und die Waende die Waerme wieder abstrahlten. Pueh! Bei 33 Grad im naechtlichen Zimmer kann man sogar im Schlaf abnehmen! Der Wasserbedarf stieg auf 6-7 Liter pro Nase – vormittags waehrend dem Radeln!

Auf der Strasse Nr. 45 kamen wir dann wieder schneller voran. In Aguachica wollten wir beim oertl. DAS-Buero unsere Aufenthaltsgenehmigung verlaengern lassen. Doch die verwiesen uns nach Bucaramanga, knapp 200km entfernt, bergauf und die alte Genehmigung lief in 2 Tagen ab. So blieb uns nichts anderes uebrig als wieder einmal einen Bus zu schnappen. Doch heute geht leider nichts, eine Bruecke wird renoviert, die Strecke war total gesperrt. Na supi, das kann ja noch spannend werden. Am naechsten Tag warteten wir dann knappe 3 Stunden auf die Abfahrt des Busses, nur um 5km spaeter dann natuerlich im Stau zu stehen.
Der Busfahrer mogelte sich auf der Gegenfahrbahn durch, draengelte sich dazwischen wo er nur konnte, trotzdem hiess es oft bitte warten, bitte warten, …. Nach 5 Stunden hatten wir den Stau dann hinter uns und konnten mit einem „Juan Pablo Montoya-inspirierten“ Fahrer nach Bucaramanga sausen. Alle Mann (und Cabongas…) festhalten, bitte!
In Bucaramanga gingen wir also auf das Buero der DAS (dept. administrativo de seguridad) um unsere Aufenthaltsbewilligung verlaengern zu lassen. Ein freundlicher Beamte erstellte uns eine lange Liste mit Dingen, die wir zu erledigen haetten. Pro Person und Monat umgerechnet 20 Dollar auf einer speziellen Bank einzahlen, diesen Beleg 2 x fotokopieren, 2 Seiten im Pass je 2 x kopieren, ein Formular ausfuellen und kopieren (Angaben u.a.: Blutgruppe, Religion, Name der Eltern, Haut- und Haarfarbe, …), jeweils 4 Passfotos 3x4cm und dann kam der Knueller: von allen 10 Fingern wurden Fingerabdruecke genommen, vom Daumen und Zeigefinger jeweils 4 mal! Da fehlt ja nur noch das Nuemmerchen auf der Brust!! Nach 4 Stunden hatten wir die ganze Prozedur „schon“ hinter uns und waren im Besitz weiterer 60 Tage Aufenthaltes. Das musste gefeiert werden. Und so versumpften wir mit einem Anwalt und seinem Klienten in einer kleinen Bar mit 3-Mann Liveband und etlichen Aguila-Biers… In Bucaramanga trafen wir auch Tom wieder, den wir in Cartagena kennengelernt hatten und er war unser „Tourguide“ in seiner Stadt und in der Umgebung.

Viele Leute in Bucaramanga „warnten“ uns schon vor der naechsten Bergetappe: El Pescadero! Wir schlichen uns langsam an und naechtigten in unseren Haengematten am Fluss im Ort Pescadero auf knappen 600 Hoehenmetern. Am fruehen Morgen brachen wir auf um die 25km staendigen uphill zu bezwingen. Wir hatten Glueck, dass das Wetter diesig war und die Sonne uns nicht noch zusetzte, dafuer hatten wir leider auch keine klare Sicht auf den spektakulaeren Canyon Chicamocha. Am Nachmittag trafen wir auf ca. 1800 Hoehenmetern in Aratoca ein, der „Hauptstadt der Chorizos“, lecker gewuerzte Ziegenwuerstchen. San Gil hiess unser naechstes Ziel, wo wir bei der oertlichen Zeitung „Vanguardia Liberal“ ein Interview gaben. Und schon am naechsten Tag war der Bericht mit Foto in der Zeitung! Hier besichtigten wir auch den schoenen Park „El Gallineral“ am Rio Fonce. Die riesigen mit Tillandsia bewachsenen Baeume haben wir auf „Puschelbaeume“ umbenannt. Mit dem Bus besichtigten wir das „Monumento Nacional“ Barichara, eine besonders schoene urspruengliche Kolonialstadt. In Socorro benutzten wir zum ersten und letzten Mal den kolumbianischen Postservice. Wir gaben 4 Postkarten auf. Vom Geld der Briefmarken haetten wir beide im Hotel uebernachten und zu Mittag essen koennen!! Also Maedels und Jungs, keine Post mehr aus Kolumbien, sonst verhungern wir noch!
Von San Gil bis Barbosa befanden wir uns auf angenehmen 1100 – 1500 Hoehenmetern und unterwegs gab es alle moegliche Leckereien am Strassenrand wie frisch gepresster Orangensaft, alle moeglichen Fruechte, Honig, Pollen, Guyabaschnitten, Panela, Arepas und vieles mehr. Besonders gut haben uns die „Ziegen-Zapfstellen“ gefallen. In einen Becher werden Vitamingranulat, Brandy, Honig, Schokipulver und auf Wunsch ein Mini-Ei gegeben und dann wird frisch von der Ziege gezapft und aufgeschaeumt – mjam!
An unserem 3. Jahrestag starteten wir von Barbosa (ca. 1600m) aus in Richtung Chiquinquira auf ueber 2500m. Die Transitpolizei beschrieb uns die Strecke wie folgt: „anfangs eben, dann ca. 10km Steigung“. Die Realitaet: 10km hoch und runter, dann ueber 25km Steigung – o.K., nicht schlecht die Schaetzung (fuer Autofahrer…). Auf der Hoehe war es regnerisch und kalt und nach 51 anstrengenden Kilometern fiel unsere Jahrestagsfeier entsprechend kurz aus. Via Ubate radelten wir nach Zipaquira, wo wir die beruehmte unterirdische Salzkathedrale besichtigten. Wir dachten, es handele sich hier um einen grossen Raum, aber weit daneben getippt. Die Kathedrale besteht aus einem gigantischen Stollensystem, aus welchem frueher Salz abgebaut wurde. Die Kathedrale liegt 180m unter der Erde, ausserdem ist der ganze Kreuzweg in Salz gemeisselt. Die relativ flotte Tour mit einem Guide dauerte 1 1/2 Stunden.

Eigentlich wollten wir Bogota auf der Strasse 45a umfahren, doch in den schoenen Orten Chia und Cajica gab es kein einziges Hotel! Denn unser Plan war es, von dort aus mit dem Bus in die City zu fahren um das Goldmuseum zu besichtigen. So fuhren wir also doch mitten rein ins Getuemmel, vom Stadtrand bis in die Altstadt waren es schlappe 20km stop & go – halb so schlimm mit dem Fahrrad. Am Mittwoch Abend kamen wir an und ab Gruendonnerstag begann die Semana Santa (Ostern), viele Geschaefte und auch die Museen waren Donnerstag und Freitag geschlossen. Wir liessen uns am Karfreitag den Berg Montserrat nicht entgehen und fuhren trotz einstuendiger Wartezeit mit Seil- und Zahnradbahn auf den Berg. Am Samstag konnten wir dann das gut besuchte Goldmuseum besichtigen. Hier werden ueber 10’000 prehispanische Gegenstaende aus Gold ausgestellt, sowie Sachen aus Ton und anderen Materialien.Am Ostersonntag „schlichen“ wir uns bei wenig Verkehr aus der Hauptstadt Kolumbiens. Sonn- und Feiertags naemlich werden in Bogota viele Strassen fuer den Verkehr gesperrt und zu Fuss- und Radel-Wegen erklaert. Aus unserem Vorhaben, an diesem Tag bis nach La Mesa zu radeln, wurde nichts, denn die Polizei hatte den Weg einfach als Einbahnstrasse fuer den 2-spurigen Rueckreiseverkehr nach Bogota umfunktioniert. Girardot war frueher einmal ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt fuer den Eisenbahnverkehr und den Schiffsverkehr auf dem Rio Magdalena. Beide Aktivitaeten sind heute praktisch eingestellt und die, wenn auch nicht schoene aber herzliche Stadt, bemueht sich heute sehr um den Tourismus. Wir setzten zwei mal mit einem wackligen Kanu ueber den Rio Magdalena nach Villavieja ueber. Von dort aus besuchten wir die Wueste Tatacoa und probierten die Fruechte der „Schwiegermutterstuhl“-Kakteen, die wie lila Chilies aussehen und nach Birne schmecken. Ueber den lauten, stressigen Ort Neiva ging es weiter via Hobo nach Gigante, wo anscheinend die groesste Ceiba Kolumbiens steht. Dort hoerten wir auch Meldungen von Ueberflutungsschaeden durch starke Regenfaelle im Land. Tags darauf kaepften wir selbst mit dem Regen und mussten Slalom fahren, um dem Geroell und den oefters auf die Strasse fallenden Steinen auszuweichen. Via Altamira und Timana ging es auf schoener Strecke mit Canyonlandschaften und einer vielfaeltigen Vogelwelt nach Pitalito und San Agustin weiter.

San Agustin ist eine bedeutende archeologische Fundstaette und wird auch das Tal der Statuen genannt. Einige Hundert grob bearbeitete Steinfiguren, welche Menschen, Tiere und Goetter darstellen und aus einer Zeitspanne von rund 3300 vor Christus bis zum Eintreffen der Spanier stammen, wurden dort gefunden. Bis heute weiss man nichts ueber die Kultur, welche sie hervorgebracht hat. Wir liessen uns von der besonderen Atmosphaere gefangen nehmen, fanden ein schoenes Tipi auf der Finca El Maco des Schweizers Rene und seiner kolumbianischen Frau Martha und wollten nur ein paar Tage bleiben. Dort gab es lecker Kaese, Brot und Speck – und wir kamen nimmer weg! Neue Freunde, montaeglichen Sitzungen (=Biergelage) in der Oficina, vielen Leckereien und gute Musik – und aus den geplanten Tagen wurde ein ganzer Monat. Rene, Martha, Holgi, Andrea, Karina, Steffen und Don Segis: wir vermissen Euch! (Es ist gerade Montag und wir schreiben diesen Text…)
Da uns wieder einmal die Zeit in Kolumbien zu knapp wurde, legten wir zwischen durch eine Busreise nach Popayan ein, um unsere Aufenthaltsdauer um einen Monat zu verlaengern. Und wieder erging es uns auf dem DAS Buero wie in Bucaramanga: bezahlen, Fotos, Fingerabdruecke… Auf der Rueckreise fuehren wir ueber Tierradentro, wo handgemachte Grabhoehlen mit geometrischen Mustern entdeckt wurden.
Schweren Herzens trennten wir uns von unseren Freunden in San Agustin und fuhren via Pitalito und San Juan de Villalobos durch intakten Bergwald, vorbei an unzaehligen Baechen und Wasserfaellen nach Mocoa, Putumayo. Dort rieten uns viele Leute, ueber den Amazonas und Teerstrassen nach Ecuador einzureisen, da die Strecke nach Pasto ungeteert ist und die Regenzeit gerade voll im Gange war. Doch wir wollten uns eine der schoensten Strecken in Kolumbien nicht entgehen lassen und brachen auf ueber ungeteerte Strasse in Richtung Sibundoy. Wie wollten die ueber 2000 Hoehenmetern in den Etappen El Pepino, Mirador, Sibundoy machen, doch es kam mal wieder ganz anders. In El Pepino fanden wir keine Bleibe, es war noch frueh am Tag und gerade trocken, so fuhren wir weiter. Doch 10km vor Mirador auf knapp 1400 Hoehenmetern stoppte uns die Natur: Es goss wieder einmal aus Kuebeln und mehrere Erdrutsche blockierten den schmalen Weg. Wir stellten neben den vielen LKWs unser Zelt auf einer kleinen Landzunge auf und gingen wegen Kaelte und Regen frueh ins Zelt. Gegen 21.30 Uhr war der Durchbruch von einer Baumaschine geschafft, alle fuhren los und wir blieben zurueck. Wir wollten die Strecke schliesslich bei Tageslicht sehen. In der Nacht regnete es kraeftig weiter und es donnerten weitere Erdrutsche ins Tal, ganz schoen unheimlich! Paola konnte die ganze Nacht nicht schlafen und sass aufrecht in ihrem Schlafsack und weckte andauernd den Igel. Doch es blieb uns nichts anderes uebrig, als bis zum Tageslicht zu warten. Dann sahen wir die Bescherung: der Weg war noch schlimmer zugeschuettet, als am Vortag. Nach stundenlangem Warten erschien endlich ein Raeumgeraet und machte sich an die Arbeit. Erst ging der Sprit aus, dann hatte die Maschine einen Platten und gegen 14 Uhr nachmittags war der Durchbruch dann endlich geschafft. Da uns das verbleibende Tageslicht wieder nicht bis zum naechsten Etappenziel gereicht haette und wir noch geraedert von der letzten Nacht waren, „enterten“ wir einen LKW, der uns die naechsten 60km bis nach Sibundoy mitnahm. Die Strecke dorthin: atemberaubend schoen, fast nur bergauf auf holpriger, einspuriger Piste mit Ausweichstellen (Herzklopfen inklusive!), und wir hatten allerhand zu tun, um unsere Fahrraeder auf dem LKW festzuhalten. 5 Stunden spaeter hatten wir die 60km „schon“ geschafft und kamen ziemlich groggy in Sibundoy an. Dort legten wir einen Ruhetag ein und funktionierten unser Zimmer als Trockenraum um. Trotz anhaltendem Regen fuhren wir auf Teerstrasse nach Santiago weiter, wo uns dann die Polizei half, einen Transport fuer die schlechte Strasse nach El Encano zu finden. Wegen weiterer Erdrutsche vor Sibundoy hatten wir allerdings einige Stunden lang zu warten. In El Encano an der Laguna La Cocha wollten wir eigentlich ein paar Tage bleiben und Igels Geburtstag feiern, doch wegen weiterem Regen und schw… Kaelte strampelten wir am naechsten Tag weiter nach Pasto. Dort war das Klima etwas angenehmer, doch die Geburtstagsparty fiel wegen grippaler Beschwerden (wen wundert’s!) bescheiden aus. Die letzte Station in Kolumbien hiess Ipiales auf 2900m, von wo aus wir nach Ecuador weiterreisten. Gerne verliessen wir „unser“ Kolumbien allerdings nicht. Auch Igel’s Cabonga wollte nicht ausreisen und hatte genau an der Grenze einen Plattfuss!

Die zweite Einreise nach Kolumbien (Dez. 2004 – Febr. 2005) weiter unten.

Dritte Einreise nach Kolumbien
Dezember 2005 – Maerz 2007
Amazonas, Cundinamarca, Huila

Dieses mal reisten wir ueber den suedlichsten Zipfel Kolumbiens ein, naemlich in Letitia, Amazonas. Und wieviel netter ist schon Letitia verglichen mit Tabatinga in Brasilien, obwohl es praktisch eine zusammengewachsene Stadt ist. Tabatinga ist praktisch und geschaeftig, Letitia ist huebsch und gruen, wenn auch ein wenig chaotisch. Dort klaerten wir die Weiterreise ab, welche innerhalb Kolumbiens nur mit dem Flugzeug moeglich ist. Nicht ganz einfach mit dem ganzen Gepaeck, Raeder, Anhaenger und Hund! Dachten wir uns. Aber mit Aero Republica war das ganz einfach. Die Raeder fliegen umsonst mit (ein bisschen Karton um die delikaten Teile), 40kg Gepack frei (inkl. Rambo) und den Rest gaben wir als Fracht auf (1300 Pesos/kg) und alles flog im gleichen Flieger mit nach Bogota. Und alles kam auch tatsaechlich am gleichen Tag an. In Bogota trafen wir ein Mitglied vom Hospitalityclub (Linna), alte Bekannte (Martha, Franco und Rene) und neue Bekannte (via Internet Torsten) und erledigten viele Dinge.
Dann ging es wieder einmal auf die Finca El Maco nach San Agustin, fast schon unserer neuen Heimat. Denn immer wieder zog es uns dort hin und aus diesem Grunde schauten wir uns auch intensiver als sonst nach einem eigenen Grundstueck (fuer spaeter) um.

GRENZENLOS macht eine Pause!

Bereits zum dritten Mal in San Agustin fuehlten wir uns jedes Mal mehr „zu Hause“ und jedes Mal schauten wir uns ernsthafter Grundstuecke an. Am 3. April 2006 sollte es dann soweit sein, wir fanden „unsere Finca fuer spaeter“, sollten wir eines Tages des Reisens muede werden. Aber einfach nur kaufen und sofort weiterreisen wollten wir dann auch nicht. Natuerlich wollten wir uns auf der 1,6 Hektar grossen Finca erst einmal einrichten und auch bepflanzungstechnisch standen einige Arbeiten an. Ab sofort funktioniert die Finca „La Campesina“ auch als „Casa de Ciclistas“, d.h. Reiseradler aller Welt sind herzlich eingeladen, ein paar Tage oder Wochen in San Agustin zu verbringen. Infos hier.

Im August 2006 begruessten wir unsere ersten Gaeste: Roland aus der Schweiz und Danny aus England. Das Radlerhaus ist somit offiziell eroeffnet…

Im Maerz 2007 brachen wir zur zweiten Suedamerika-Durchquerung auf.

Kolumbien Teil 2 Reise
Die Tour geht weiter!
Maerz-April 2007
Huila, Cundinamarca, Meta, Vichada

Am 8. Maerz 2007, am „dia de la mujer“, ging es nach ueber einem Jahr Pause in San Agustin weiter mit unserer Tour. Wir strampelten uns erst einmal bis Pitalito warm und fuhren dann im Bus nach Bogota, denn die Strecke Pitalito-Bogota kannten wir schon zur Genuege und waere auch fuer Rambo am Anfang kein Vergnuegen. In Kolumbiens Hauptstadt kamen wir bei alten Bekannten unter, naemlich bei Claudio und Mona (http://bicinfronteras.skynetblogs.be ), welche wir schon in Trujillo, Peru im Jahre 2004 kennengelernt hatten. Mit ihnen verbrachten wir 10 Tage in Kolumbiens Hauptstadt. Wir konnten endlich Paola’s Pedal reparieren lassen, erledigten einige Einkaeufe, und „warteten“ das lange Wochenende ab. In Kolumbien gibt es naemlich die sogenannten „lunes festivos“, freie Montage, und dann verlassen viele Bogotaner die Stadt, um sich auf dem Land zu erholen. Da George W. Bush am 11. Maerz Bogota einen Besuch abstattete, genau an einem Sonntag, mussten alle Bogotaner zu Hause bleiben, viele Strassen waren gesperrt, jeglicher Internet- und Handy-Empfang wurde unterbunden und vieles mehr – so wollten natuerlich noch viel mehr Leute am darauf folgenden Wochenende endlich raus (und am Montag wieder zurueck) aus der Stadt – genau an jenem Wochenende, an welchem wir starten wollten. Und so wurden aus ca. 5 Tagen dann doch 10…

Von Bogota ging es dann weiter in Richtung Llanos Orientales. Mit Pausen in Caqueza und Pipirales radelten wir die Anden hinunter nach Villavicencio, Villavo (=“Vijau“), wie es die Einheimischen nennen. Schon in Caqueza kamen wir bei Verwandten von Mona unter, naemlich in der Floresteria Rocio, so wurden wir auch in Villavicencio gleich „weitergereicht“ und kamen wieder privat und kostenlos bei Dorelly und Alejandro unter. Auf den Strassen von Villavo kamen wir mit den Bikes kaum vorwaerts, ueberall wurden wir angehalten, ausgefragt und mit Handy-Kameras fotografiert. Wir besuchten mit Dorrellys Papa den Bioparque Los Ocarros und bestaunten die ca. 70kg schweren Riesen-Guerteltiere, die Ocarros. Natuerlich gab es noch einige andere Tiere der Llanos zu sehen. Weiter ging es auf ebener Strecke nach Puerto Lopez. Jedoch kaempften wir mit Gegenwind und Hitze und mit einem Plattfuss beim Eindunkeln.

9km nach Puerto Lopez waren wir dann am geografischen Mittelpunkt Kolumbiens, dem Alto de Menegua, der durch einen Obelisken gekennzeichnet ist. Bald danach hoert dann der Teerbelag auf, jedoch wird gerade an der Strasse bis Puerto Gaitan gearbeitet, in naeherer Zukunft wird dieser Abschnitt geteert sein. Denn in der Naehe von Puerto Gaitan wird Erdoel abgebaut und in Unmengen Tanklastern in Richtung Villavo und Bogota gekarrt. Wir durften entlang der ganzen Strecke ordentlich Staub schlucken wegen der vielen LKWs. Aber Staub kann auch nuetzlich sein. Igel hatte schon ziemliche Verbrennungen am ganzen Koerper von der Sonne und schmierte sich dann mit dem Staub ein, als die Sonnencreme den Dienst versagte. Hilft auch… Unterwegs treffen wir auf ein Film Team des Kabel TV Villavicencio. Die filmten uns und machten ein Interview. Spaeter werden wir immer wieder auf diesen Beitrag angesprochen (den wir nie gesehen haben…).
In Puerto Gaitan legten wir ein paar Ruhetage ein und genossen das rege naechtliche Treiben auf den Strassen. Auch hier spielt sich alles nach Sonnenuntergang ab, denn tagsueber ist es einfach zu heiss. Igels Verbrennungen waren noch nicht besser, also fuhren wir mit einem Schnellboot (Yate) weiter bis nach La Primavera. Weiter ging es noch nicht, weil der Rio Meta jetzt in der Trockenzeit noch nicht genug Wasser fuehrte.

Inzwischen hatte es jedoch einige Male geregnet und die Leute in La Primavera erzaehlten uns, dass der Weg nach Puerto Carreño bereits schlammig und schwer zu finden sei. Es wurde uns empfohlen mit Umberto und seinem LKW nach Puerto Carreño mitzufahren. Gesagt, getan. Und die Prognosen waren nicht schlecht… bereits am ersten Tag fuhren wir uns in einem Schlammloch fest und Umberto war auch froh, Helfer in seinem Truck dabei zu haben. Kurz darauf versagte die Pumpe der Servolenkung. Wir schafften es noch bis zur Finca El Puntudo, wo wir schlafen konnten und auch zu Essen bekamen. Und wir hatten Glueck im Unglueck. Ausser uns waren noch 2 Gelaendewagen bei El Puntudo einquartiert. Mit dabei war auch ein Mechaniker mit hervorragendem Werkzeug, der Umbertos Pumpe reparieren konnte. Abends und am Morgen hatten wir angeregte und interessante Gespraeche mit allen, einer hatte uns auch im Fernsehen gesehen und zahlte unsere ganze Zeche! Zum Fruehstueck gab es eine Spezialitaet der Llanos: cachicama (Guerteltier!)… nicht einmal dem Rambo hat das geschmeckt… Wieder unterwegs am naechsten Tag sprachen wir mit Umberto und wunderten uns, was der nette Mechaniker denn mit seinen 4 Freunden und 2 gut ausgeruesteten Jeeps in der „Mitte des Nichts“ machten… das seien natuerlich „Narcos“ (Drogen-Transporteure)…
Die zweite Nacht verbrachten wir in Alto Mayor und nahmen weitere Passagiere mit. Es waren Henry, seine Frau Negra und der Helfer Olman. Der Truck war zwar eigentlich schon zum Bersten voll (18 Tonnen Coca Cola, Kartoffelchips und Kaugummi), doch Henry und seine Frau warteten schon seit 8 (!) Tagen auf einen Transport und Umberto hat einfach ein super gutes Herz. Am dritten Tag der Reise versenkten wir zuerst den LKW im tiefen Schlamm, buddelten ihn 2 Stunden lang in der groessten Hitze wieder aus und halfen dann einem anderen, versunkenen Truck aus der Patsche. Dem Rambo war das alles viel zu heiss und er suchte Abkuehlung in den tiefsten Schlammloechern, in welchen er sich bis zu den Ohren versenkte. Kurz vor der Finca La Soledad war es dann passiert, der Truck versank im tiefen, weichen Savannengras, kein Herauskommen mehr. Abladen! 140 Kisten Coca Cola stellten wir mitten in die Savanne, dann kam der LKW frei, ueberfuhr bei dieser Aktion allerdings eine Packtasche von Igel. Resultat: Spritflasche vom Kocher platt und der Wasserfilter geborsten, der Rest waren zum Glueck nur Klamotten. 100m vor der Finca versank der LKW wieder. Noch einmal 200 Kisten runter, LKW ausbuddeln, dann kam wieder Hilfe zur Stelle – die Llanos sind irgendwie wundersam! Ein Arbeitskollege von Umberto war leer auf der Rueckreise nach Villavo und half uns aus der Patsche. Er uebernahm die abgeladenen Kisten bis an eine Stelle des Weges, die wieder gut befahrbar war und so konnten wir am naechsten und vierten Tag weiter nach Puerto Carreño fahren. Auf der Finca La Soledad schliefen wir zwischen Schweinen und Kuehen (was fuer eine Schweinerei…) und es gab einen frisch geschossenen Hirschen zum Fruehstueck. Am vierten und letzten Tag der abenteuerlichen Reise regnete es heftig und dann ging uns auch noch der Sprit aus. Zum dritten Mal passierte ein Wunder und 5 Minuten spaeter kam ein Pick-up vorbei, der einen grossen Kanister Diesel dabei hatte und uns diesen abtrat. Kommentar ueberfluessig…

In Puerto Carreño kamen wir bei einer alten Freundin von Umberto unter, naemlich bei Doña Melba und ihrer Familie. Eine knappe Woche zelteten wir bei ihnen hinter dem Haus und durften ihre Gastfreundschaft und die leckere Kueche geniessen. Puerto Carreño ist die „Stadt der Mangos“ und es war gerade Mangozeit – yammie. Die Stadt ist ausgesprochen freundlich, ruhig, sicher und relaxt und schon bald waren wir ueberall bekannt. Am 11. April verliessen wir unser geliebtes Kolumbien mit einem Schnellboot nach Casuaritos und von dort mit einer Lancha ueber den Rio Orinoco nach Puerto Ayacucho, Venezuela. Die Schnellboot-Fahrt ist sehr zu empfehlen, man passiert Stromschnellen und interessante Felsformationen.

Besuch Haui und Rudi, Dez. 2007 – Jan. 2008

Unser Freund Haui meldete sich zum dritten Mal an fuer einen Besuch in Kolumbien. Zuerst schien es praktisch nicht moeglich zu sein, von Belem, Brasilien aus guenstig nach Bogota zu kommen, so meldeten wir uns fuer diesen Besuch ab. In letzter Minute jedoch ergab sich die Moeglichkeit, mit diversen kleinen Flugzeugen von Belem ueber Santarem, Manaus, Tefe und Leticia nach Bogota zu fliegen. Wir beschlossen, Haui einfach am Flughafen mit unserer Anwesenheit zu ueberraschen – und er ueberraschte uns, indem er den Rudi mitbrachte!
Zu viert machten wir Urlaub auf unserer Finca in San Agustín. Rudi verliebte sich spontan in seine „Haengematratze“, Haui schaffte es wiederum nicht, sich weit von der Finca zu entfernen und Rambo hatte gleich eine neue Freundin, naemlich Canela, eine Tochter von Cocola. Kurz vor unserer Abreise in Richtung Putumayo und spaeter zu unseren Raedern in Brasilien passierte noch etwas Schreckliches. „Liebe“ Nachbarn vergifteten Cocola, unsere liebe Huendin auf der Finca. Spontan adoptierten wir ihre Tochter Canela und fanden auch noch einen Sponsor fuer ein Jahr Hundefutter fuer die Kleine: vielen Dank Ruben und Simone aus der CH!

Dezember 2007 – Februar 2008
Huila, Putumayo, Amazonas
Reise mit Ronald auf dem Rio Putumayo, Abstecher nach Peru&Brasilien,
Rio Amazonas, Febr./Maerz 2008

Unser Freund Ronald aus San Agustín war wie wir von der Idee begeistert, auf dem Fluss Putumayo von Puerto Asis nach Leticia zu reisen. Der Putumayo war jedoch lange Zeit ein begehrtes Objekt sowohl der Guerilla als auch des Paramilitaers. Viele Leute rieten uns ab, ihn zu bereisen, keiner konnte jedoch von aktuellen Schwierigkeiten berichten. Bei Ankunft in Puerto Asis bestaetigte sich unsere Hoffnung. Wir erkundigten uns bei vielen Einheimischen und bekamen immer die gleiche Antwort: natuerlich koenne man auf dem Putumayo reisen, Schwierigkeiten gaebe es schon lange nicht mehr. Einziges Problem waere die Saison: Niedrigwasser. Und dieses machte uns auch einen Strich durch die Rechnung, mit einem Cargoboot und in Haengematten zu reisen. Wir fuhren mit einer „Voladora“ („Flieger“ = Speedboat) zuerst nach Puerto Leguizamo, blieben dort 2 Naechte und fuhren dann weiter bis nach Marandua oder El Estrecho (auf der peruanischen Seite). Normalerweise benoetigt man fuer diesen Abschnitt auch nur einen Tag, doch wegen dem niedrigen Wasserstand und der Schwierigkeiten, unterwegs Sprit zu kaufen, brauchten wir 1½ Tage.
Marandua (Kolumbien) ist ein beschauliches Indigena Dorf (Murui und Huitoto) ohne Strom, mit nur einem kleinen Laden, El Estrecho (Peru) ist deutlich groesser, hat Strom, Internet, Restaurants, Laeden und einen kleinen Militaer-Flughafen. In Marandua nahm uns Doña Natividad, eine Huitoto Indigena, herzlich in ihr Haus auf. Sie und ihre Freundin Nora bekochten uns zwei mal taeglich (u.a. mit Tapir Fleisch, ganz schoen lecker!) und wir hatten tolle Einblicke in ihrem Alltag.
In Puerto Asis sagte man uns, dass von Marandua aus viele Boote nach Leticia fahren wuerden, doch auch hier sah es nicht besser aus mit dem Wasserstand (der globale Klimawandel laesst gruessen…). In Marandua warteten wir eine Woche lang auf eine Moeglichkeit, weiter zu kommen. Das einzige Boot, welches versuchte, nach Leticia zu kommen, transportierte Benzin, und somit durfte es uns nicht mitnehmen. Dann machte man uns Hoffnung auf eine peruanische Lancha, welche in etwa einer Woche fahren wuerde, doch die musste auch erst flussaufwaerts in El Estrecho ankommen. Dann stellte sich heraus, dass diese Lancha erst noch weitere 700km flussaufwaerts faehrt, bevor sie kehrt nach Leticia und Iquitos machte. Also auch negativ.

Einzige Moeglichkeit fuer uns (ausser zurueck nach Puerto Asis zu fahren): auf der peruanischen Seite nach Iquitos fliegen und dann mit dem Boot nach Leticia. Aber auch das hatte einen Haken: Weder in Marandua noch in El Estrecho gab es Immigrationsbueros, der peruanische Polizeichef machte uns deutlich, dass es fuer Auslaender illegal sei, hier nach Peru einzureisen. Wir machten ihm unsere auswegslose Situation klar und mit Hilfe einer kleinen „Lebensmittelzulage“ fuer die Polizei-Compañeros sorgte er dafuer, dass wir dann doch ohne Kontrolle der Papiere mit der Fuerza Aerea del Peru am 14.02. nach Iquitos fliegen durften. Von oben konnten wir gut die niedrigen Wasserstaende der Fluesse sehen, ueberall kamen Sandbaenke hervor, teilweise wanden sich nur noch Rinnsale durch Schlamm oder frisches Gruen. Der Zustand unserer „Lunge der Welt“ ist wirklich besorgniserregend! Und Schuld daran hat sicher nicht nur „el niño“ oder „la niña“, Schuld daran hat der Mensch im Allgemeinen.
Iquitos, Peru, ist anscheinend die lauteste Stadt der Welt (laut http://www.pyramidperu.com) – wir glauben das gerne! Besonders, wenn man aus einer Idylle wie Marandua kommt! Aber Iquitos ist auch eine faszinierende Amazonas-Metropole, welche uns schon zum zweiten Mal in ihren Bann nimmt. Der absolute Hoehepunkt hier: der Markt im Stadtviertel Belem. Die Auswahl an Fischen, Obst und Gemuese, Kraeutern, Saeugetieren und Reptilien (zum Verzehr), Heilmitteln, Drogen und weiteren Kuriositaeten ist einfach unglaublich, und waere man dort nicht im „Armenhaus“ Iquitos koennte man tausende unglaubliche Fotos schiessen. Meistens jedoch laeuft man dort mit offenem Mund herum und behaelt die Kamera lieber „unter Verschluss“. Fuer uns auf Nummer 2 der Bestenliste von Iquitos steht natuerlich das kulinarische Angebot. Ceviche (roher Fisch, eingelegt/“gekocht“ in Limonensaft, serviert mit Yucca, Kartoffel, Zwiebeln, Meeresalgen, geroestetem Mais, Zitronen und viel Chili…), Krokodil, Tapir, Schildkroeten, Muschelsuppe, Papa a la Huancaina (Kartoffelscheiben mit einer Sauce aus Chili, Milch, suessen Keksen, Knoblauch, Kraeutern), natuerlich Fische in allen Variationen, Suesses ohne Ende, Fruchtsaefte aus Fruechten, die es nur hier gibt und vieles, vieles mehr. Man sollte nicht gerade auf Diaet sein, wenn man Iquitos besucht.

Nach einigen Tagen hemmungslosem Geniessen von Gaumenfreuden fuhren wir mit dem Boot „Carlos Antonio“ in knapp 2 Tagen von Iquitos nach Puerto Alegria, Peru. Carlos Antonio liess uns ausgerechnet an der Polizeistation raus. Wir frugen freundlich nach einem Pequepeque (kleines Motorboot) nach Leticia, Kolumbien. „Warum wir denn nicht mit Carlos Antonio nach Santa Rosa weitergefahren sind?“ wollten die netten Beamten wissen. Von dort aus waere es nur ein Katzensprung nach Leticia. Tja, aber genau dort wartete auch die Immigration auf uns, der wir leider keinen peruanischen Einreisestempel zeigen konnten. „Ach, wir wollten gerne die andere Route kennenlernen“ war unsere Antwort, und die netten Polizisten glaubten uns es sofort. „Na klar, Touristen, wollen immer was anderes sehen…“. Und so reisten wir wieder illegal aus Peru aus – ohne Probleme.
Irgendwie war es schon ein besseres Gefuehl, nun wieder „legal“ in Kolumbien zu sein.
Ronald gefiel die Reiserei auf Fluessen so gut, dass er uns dann auch noch ein Stueck nach Brasilien begleitete. Er fuhr mit uns von Tabatinga nach Manaus und von Manaus nach Santarem. Auf diesem zweiten Boot („Rocha Neto“) musste der arme Rambo die ganze Zeit ueber im Kaefig bleiben, wir hatten mehrere Kontrollen der Policia Federal und fuehlten uns ueberhaupt nicht wohl. Von Santarem aus fuhren wir mit dem Bus nach Alter-do-Chao, einem idyllischen Badeort mit weissem Sandstrand am Rio Tapajos. Und hier trennten sich unsere Wege: Ronald flog zurueck nach Leticia und Bogota, wir fuhren weiter nach Belem.

2009: GRENZENLOS macht die zweite Pause!

Am 24.06.2009 begannen wir unsere zweite grosse Radelpause nach weiteren 2 Jahren Suedamerika mit Rad und Hund. Und sogleich begannen wir mit lange geplanten Arbeiten wie Baeume pflanzen, saehen, verbessern, bauen, kochen, wohnen, …

Ecuador
Juni – September 2004
Carchi, Imbabura, Pichincha, Cotopaxi, Tungurahua, Chimborazo, Canar, Azuay, Loja, Chinchipe

Am 14. Juni 2004 reisten wir aus dem „gefaehrlichen“ Kolumbien bei Rumichaca nach Ecuador ein. Entgegen allen Voraussagungen verschiedener Leute, die uns Ecuador als „plano“ (eben) beschrieben, ging es gleich nach der Grenze bergauf nach Tulcan und dann weiter auf 3’300 Hoehenmeter. Dafuer hatten wir den Regen endlich hinter uns gelassen. Via San Gabriel fuhren wir dann auf der Panamericana ins Valle de Chota auf ca. 1’500m hinunter. Dort herrscht wuestenartiges Klima und wir konnten dort mal wieder in kurzen Hosen und T-Shirt radeln und dabei richtig schwitzen. Aus dem Tal ging es dann wieder hinauf nach Ibarra (2’200m) und Otavalo (2’500m), der bekannten Markt-Stadt, wo wir eine ganze Woche verbrachten. Denn wir waren genau richtig zum Inti Raymi Festival zu Ehren von Vater Sonne in Otavalo. Es gab viele Umzuege, Taenze und auch Alkohol. In Cayambe ging es gleich weiter mit dem San Pedro Fest und auch hier ging es schoen bunt zu. Wenige km suedlich von Cayambe befindet sich ein kleines Aequator-Monument in Form eines Globus an der Panamericana, wo wir eine ausgiebige Foto-Session einlegten.

Vor Quito wollten wir eigentlich noch einen Zwischenstop einlegen, doch in Calderon gab es keine Unterkunft. So mussten wir noch in der Abenddaemmerung bergauf nach Quito reinradeln – genau das wollten wir eigentlich vermeiden. Im erstbesten Hotel liessen wir uns dann zu einem horrenden Preis total erschoepft nieder. Am naechsten Tag, einem Sonntag, fuhren wir gemuetlich in die historische Altstadt, da gerade an diesem Tage der monatliche „Ciclopaseo“ stattfand. Eine Strecke von 22km, vom Flughafen im Norden bis zum suedlichen Ende Quitos war fuer Autos gesperrt und fuer Radler, Skater und Fussgaenger reserviert ( http://www.cicloviasquito.org ). Wir lernten die Organisatoren dieser Veranstaltung kennen und wurden zum Mittagessen eingeladen.
Wir fuhren von Quito aus mit dem Bus zur Ciudad Mitad del Mundo bei San Antonio und begaben uns nochmals kurz auf die Nordhalbkugel. Dort besuchten wir das interessante Museo Cultura Solar, wo wir aufgeklaert wurden, dass der eigentliche Mittelpunkt der Erde auf dem Berg Catequilla liegt. Ein Monument wurde vor rund 1’000 Jahren dort von pre-Incas gebaut, die Lage wurde mit moderner Satellitentechnik bestaetigt und die Anlage erst vor 6 Jahren entdeckt.

Nach 2 Wochen Quito fuhren wir mit einer neuen Digitalkamera im Gepaeck nach Latacunga. Dort wollten wir eigentlich schoene Fotos vom Vulkan Cotopaxi (5’897m) machen, doch wir waren zum falschen Zeitpunkt am richtigen Ort. Weiter ging es via Ambato nach Banos und dort versuchten wir unser Glueck mit dem Vulkan Tungurahua (5’023m). Dort hatten wir nur eingeschraenktes Glueck, obwohl wir es eine ganze Woche lang versuchten. Eines Abends zeigt er sich kurz und stiess alle paar Minuten Rauchwolken aus. Dafuer badeten wir in vulkan-gewaermtem Wasser. Von Banos aus machten wir einen Tagesausflug nach Rio Verde und besuchten dort den eindruecklichen Wasserfall Pailon del Diablo, der mit riesigem Getoese in die Tiefe donnert. Ausserdem ueberquerten wir die Schlucht bei San Pedro in einem schwindelerregenden „Einkaufskorb“.
Auf der alten, vom Vulkan Tungurahua beschaedigten Strecke nach Riobamba radelten und schoben wir unsere Cabongas ueber z.T. geteerte- und Dreck- Strasse, ueber improvisierte Bruecken und tiefschwarze Schluchten. Vulkanasche hat hier einige „Mondlandschaften“ hinterlassen. In Riobamba versuchten wir ein Ticket fuer die Zugfahrt nach Alausi und zur „Nariz del Diablo“, der Teufelsnase zu bekommen – doch ohne Erfolg, fuer die 35 erhaeltlichen Tickets standen ca. 100 Leute an! Juli/August ist Hochsaison in Ecuador. So radelten wir die Strecke entlang der Bahnlinie selber via Guamote nach Alausi. Dort versuchten wir unser Glueck noch einmal, und es klappte! Morgens um 9 Uhr standen wir fuer die Tickets an und „schon“ um 11.30 Uhr durften wir in den uebervollen Zug einsteigen. Und auf ging es ueber atemberaubende Strecke nach Sibambe. Dort wurden alle Passagiere umgeladen. Die bei der Talfahrt im Zug waren, durften nun auf das Dach und umgekehrt. Dann ging es wieder u.a. ueber 2 switchbacks und ca. 700 Hoehenmeter zurueck nach Alausi. Da das Zugfahren auf dem Dach sooo sssoen, das Wetter ein Traum war und es noch Tickets nach Riobamba gab, entschlossen wir uns spontan, die 4 Stunden noch mitzufahren. So konnten wir wenigstens einen Teil der „schwierigsten Eisenbahnstrecke der Welt“ miterleben und sahen am Schluss noch den schneebedeckten, 6’310m hohen Vulkan Chimborazo. Mit dem Bus ging es zurueck nach Alausi und tagsdrauf sattelten wir wieder unsere Raeder und fuhren ueber nicht enden wollende, anstrengende Hoehenmeter nach Chunchi, Zhud und Canar. Nach Canar gab es einen 3’540m hohen Pass zu bezwingen, der Gegenwind war unser staendiger Begleiter.

Ueber Azogues radelten wir dann weiter in die Stadt Cuenca, welche zum „Patrimonio de la humanidad cultural“, d.h. Weltkulturerbe erklaert worden ist, ruhten uns dort ein paar Tage aus und verlaengerten wieder einmal unser Visum (innerhalb von 5 Minuten und kostenlos!).
Die Strecke via Susudel und Ona nach Saraguro war ziemlich anstrengend, aber auch landschaftlich sehr schoen. Karge, rosarote und gelbe Felsen dominierten im ersten Teil, in Richtung Saraguro wurde es dann wieder gruener (und auch feuchter). Wegen Regen und starken Winden versuchten wir von Saraguro aus nach Loja zu trampen. In der Wartezeit kam Max aus Deutschland auf seinem Motorrad vorbei gefahren und wir tauschten einige Informationen aus. Nach mehr als 2 Stunden hatten wir dann endlich Glueck: ein Kleintransporter hielt an und wir durften uns unter die 11 Schafe mischen. Nach nur einer Nacht in Loja duesten wir gleich weiter nach Vilcabamba, weil wir uns nach Waerme sehnten. In diesem schoenen Tal auf ca. 1’600m mit dem Fruehlings-haften Klima werden die Leute nicht selten ueber 100 Jahre alt, es wird auch das Tal der ewigen Jugend genannt. Der Ort hat einen gewissen Flair, dem auch wir uns nicht entziehen konnten. Und so wurden mal wieder aus ein paar geplanten Tagen ein paar Wochen. Der Vorteil des „zeitlosen“ Reisens!! Unter anderem ueberholten wir die Cabongas, beseitigten Rostschaeden usw., erkundeten die Umgebung und trafen auf viele alte und neue Freunde im Cafe „El Punto“. Vielen anderen Reisenden erging es wie uns und blieben auch deutlich laenger als geplant in Vilcabamba – un lugar magico!

Doch der Tag des Abschieds kam und 150km Piste bis zur Grenze nach Peru erwarteten uns. Durch die laengere Pause, die Berge und die holprige Piste machten wir nur ca. 30km taeglich und waren trotzdem jeden Abend fix und foxi. Bergauf mussten wir bei dem losen Untergrund und den Steigungsgraden meistens schieben. Daher kommt wahrscheinlich auch der Ausdruck „mein lieber Schieber!“ – naemlich aus dem Sueden Ecuadors! Eine Nacht verbrachten wir in Yangana, die zweite Nacht im Zelt auf einer Passhoehe in der Naehe des Podocarpus Nationalparks. Die dritte Nacht schliefen wir in Palanda und dann wieder im Zelt in einem angefangenen Haus auf Stelzen in El Progreso mit schoener Aussicht auf die naechste Tages-Etappe. In Zumba brauchten wir einen Ruhetag bevor wir uns zur peruanischen Grenze nach La Balsa aufmachten. Doch trotz aller Anstrengungen war es eine wunderschoene Strecke, die wir nicht missen moechten. Adios Ecuador…

Über grenzenlos2001

Igel & Paola, Rambo & Caramba auf dem Bike, Trike und im Bus um die Welt
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