Nordamerika 01-02

USA Mittlerer Westen
Mai, Juni, Juli 2001
Indiana, Illinois, Iowa, Wisconsin, Minnesota, South Dakota, North Dakota, Montana, Idaho

Die ersten Tage im Land der unbegrenzten Moeglichkeiten verbrachten wir in Valparaiso, IN. Lita und Steve Midmore, die Eltern einer ehem. Arbeitskollegin von Paola, Letitia Midmore, haben uns eingeladen. Wir hatten eine super Zeit dort. Wir durften sogar den „kleinen“ Chevi von Letitia benutzen, etwas gewoehnungsbeduerftig fuer uns, die riesigen Strassen, die 4 way stops, die Automatik …
Mit dem Zug sind wir nach Chicago gefahren und haben uns auf dem Sears Tower, dem zweithoechsten Gebaeude der Welt, einen Ueberblick verschafft. Ein Tag jedoch hat uns in der Grossstadt gereicht, die grosse Weite lockte uns zu sehr. Ausserdem mussten die frisch auf der m/v IRMA erworbenen Kilos bekaempft werden.

Der erste Tag on the road, der 12. Mai 2001 brachte uns dann nach Lowell, IN. Dort wurden wir von einem Jugendclub begruesst und beschenkt und von einem „Fahrrad-Junkie“ herzlich in seiner Farm aufgenommen. Ein gelungener Start. Gut wurden wir auch bekocht, umso besser, da wir die Pumpe unseres Kochers in Amsterdam liegen gelassen haben!
Die weitere Route fuehrte uns durch Illinois, naemlich nach Des Plaines Fish und Wildlife Area, Buffalo Rock State Park, Wyanett, Morrison Rockwood State Park und Mississippi Palisades State Park. Durch Wisconsin: Hazel Green, Wyalusing und Harpers Ferry.
Am 22.5.2001 in Waukon, Iowa hatten wir dann seit dem 1. April 1’735 km auf dem Tacho.
In Waukon und auch in Decorah, Iowa, wurden uns von Tom Searcy und von Jim Skurdal jeweils wieder das ganze (!) Haus zur Verfuegung gestellt, waehrend die Besitzer abwesend waren; so ganz nach dem Motto: „nehmt Euch was Ihr braucht, fuehlt Euch wie zu Hause, schliesst einfach ab, wenn Ihr geht.“

Weiter gings es durch Minnesota: Lake Luise State Park bei Le Roy, auf eine Farm von Julie und David bei Lyle zu einer Graduation Feier von Danny (and many, many Busch lights …), Rice Lake, Welcome und Pipestone. Unsere Meinung ueber Minnesota: viel Mais und viele Schweine-KZs (stink…).
Dann kam South Dakota, und es wurde gleich gruener. Colman, Howard (auf dem Weg dahin blies es uns fast vom Sattel!), Wessington Springs, Fort Thompson, Pierre (Streckenrekord: 130 Tageskilometer!).

In Pierre sollte eine Geburtstags-Ueberraschung fuer Igel auf uns warten (auf dem Postamt ?!). Am 6. Juni 2001 lagen wir nichtsahnend am Morgen im Schlafsack auf dem oeffentlichen Campingplatz als es ploetzlich hiess: „Guten Morgen, aufstehen“. Die Stimme kam uns irgendwie bekannt vor – es war doch tatsaechlich unser Trauzeuge Haui und Karl aus Rickenbach, die uns die Ueberraschung persoenlich brachten! Ein paar Flaschen Rothaus Tannenzaepfle und ein feiner Williams – Heimatgefuehle pur.
Es folgten ein paar Tage „Urlaub vom Fahrradfahren“, mit persoenlichem Chauffeur in den Badlands, Black Hills, Mt. Rushmoore, Crazy Horse Monument, Devils Tower usw.

Am 11. Juni hiess es dann: zurueck zur Arbeit, die Cabongas wollen bewegt werden. Ein trauriger aber herzlicher Abschied, dann sassen wir wieder im Sattel und es kam faustdicke. Gegenwind vom feinsten, Berge, Hitze und nirgends ein Schlafplatz in Sicht. Ab und zu, wenn auch selten, sehnt man sich ein wenig nach den Errungenschaften der Zivilisation (wie z.B. einem Motor, einem Wasserhahn oder einer Baeckerei …). Nach all der Plackerei an diesem Tag sind wir dann doch noch mit einen idyllischen Schlafplatz an einem Teich mit Gesang von tausenden von Voegeln und Froeschen belohnt worden. Die naechsten Ziele in SD hiessen dann Hayes, Philip, Interior in den Badlands und Wall mit dem weltweit bekannten Wall Drug und Rapid City in den Black Hills.

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Die Badlands haben es uns besonders angetan. Bei der Ankunft kamen wir an einer Helikopter-Station nicht vorbei und mussten uns das Ganze erst einmal von oben ansehen – boh eih! Ein geiler Jungfernflug fuer uns. Auf dem Campingplatz wollten wir einen Ruhetag geniessen, mussten aber im Sturm und zwischen zwei Sintfluten das Zelt aus einem frisch entstandenen Teich retten. Trotzdem oder vielleicht gerade wegen der vielen Stimmungen dort sind die Badlands bisher unser schoenstes Erlebnis gewesen.
Nach Rapid City ging es dann bergauf. Entlang der Sheridan Lake Road fuhren wir nach Hill City, wo wir uns dann auf den Georg S. Mickelson Trail begaben. Dieser Trail ist echt jedem Biker zu empfehlen. Nach dem Motto „Rail to Trail“ wurde eine alte Eisenbahnlinie zum Trail fuer Hiker, Biker und Reiter umfunktioniert. Max. Steigung: 4%, ideal fuer Lastesel wie uns.
In Deadwood versuchen wir uns im Casino. Wenn wir erfolgreich sind, leeren wir unsere Packtaschen und fuellen sie mit Dollarscheinen, die sind naemlich bedeutend leichter!

(Nachtrag 29.6.2001: wir muessen weiterhin unser Gepaeck rumschleppen.)

Zu allem Uebel wurden wir fuer unsere „Casinopleite“ auch noch mit den ersten, richtig steilen Bergen bestraft – aber nach jedem Berg folgt auch wieder ein Tal, und die Abfahrt auf der Strasse 195 nach Spearfish hat die Muehen voll gelohnt.
Nach den Black Hills folgte ein grosses Stueck „Nichts“, teilweise bis 40 Milen zwischen den „Ortschaften“. Bei Temperaturen ueber 90F fuer Fahrradfahrer eine ganz schoene Entfernung! Trotzdem schafften wir es nach Belle Fourche SD, Buffalo SD, Bowman ND, Amidon ND, Bellfield ND und dann zum Theodore Roosevelt Nationalpark. Die Badlands dort waren ebenfalls wunderschoen, viel gruener als in South Dakota, durchzogen vom Little Missouri und bevoelkert von zahlreichen Bueffeln. And don’t forget, stay in your car! (? ! ?).

Weiter ging’s ueber Watford City, wo wir am 28.6.2001 von der Presse bereits am Ortseingang abgepasst wurden, nach Arnegard und Williston, ND, wo wir zum ersten Mal in der Buecherei fuer die Internetbenutzung bezahlen mussten – 2$, Wucher!
Der naechste Staat auf unserer Reise war das das Land der „big skies“ Montana. Ueber Culbertson und Wolf Point ging es zum Fort Peck Damm, dem groessten, erdgefuellten Damm der Welt. Immer weiter auf der Strasse Nr. 2, auf welcher auffallend viele Radler unterwegs waren, ging es ueber Glasgow, Sleeping Buffalo Hotsprings, Harlem, Chinook, Gildford, Shelby, Cutbank und Browning (mit den North American Indian Days) zum Waterton Glacier International Peace Park. Der erste geplante Campingplatz war dann prompt wegen Baeren fuer Zelte gesperrt – „your in bear country“!

Nach einem Ruhetag nahmen wir dann den Logan Pass in Angriff. Es galt, 6646 Fuesse zu bezwingen, was uns von St. Mary aus in ca. 3 1/2 Stunden gelang. Die anschliessende Abfahrt war dann alle Muehen wert, ca. 30 km ging es in Sausefahrt bergab zum Apgar Campground. Am 17.7.2001 ueberschritten wir die 5000 km Marke auf dem Weg nach Kalispell.
Ueber den schoenen McGregor Lake vollendeten wir Montana in Libby, um einen ganzen (!) Tag lang in Idaho rumzufahren. in Porthill legten wir noch einen Stop ein, da wir wenigstens eine Nacht in Idaho verbringen wollten.

Kanada
Juli – Oktober 2001
British Columbia

Am 24. Juli 2001 ueberfuhren wir die Grenze nach Kanada. Der Zoellner machte uns darauf aufmerksam, dass wir in Kanada weder arbeiten noch studieren duerften – na klar doch! Und schon hatten wir eine Aufenthalts-genehmigung bis Weihnachten im Pass. Um uns im neuen Land zu „aklimatisieren“ schlugen wir unser Lager erst einmal nach schlappen 11 km in Creston auf. Die ersten kanadischen Eindruecke: viel weniger Scherben auf den Strassenschultern, keine unendlich langen RVs mehr, man versteht die Laengen- und Gewichtseinheiten endlich wieder, viel, viel Wald, Fluesse und Berge und die Frischwarenabteilungen in den Supermaerkten sind absolut unwiderstehlich – mjam! (Jetzt muss der arme Igel noch laenger vor dem Supermarkt warten, bis Paola eingekauft hat.)

Durch das Creston Valley fuhren wir entlang des Kootenay Lakes via Gray Creek nach Nelson. Dort war wieder einmal ein Ruhe- und Schraubertag angesagt. Nelson ist eine lauschige, interessante Stadt mit viel (Eisenbahn-) Geschichte, vielen jungen Leuten, Dreadlocks, Mueslis, Freaks und Strassencafes, da macht das faul sein und zugucken Spass. In Castlegar bereiteten wir uns dann auf den Bike-Trail der Canadian Pacific Railway (CPR) und der Kettle Valley Railway (KVR) vor. Ca. 800 km ehemalige Schienenstrecke mit vielen dunklen Tunneln und schwindelerregenden Holzbruecken warten auf ihre Erkundung.

Am 30.7.2001 ging es dann auf die Strecke der CPR. Und es ging gleich voll spannend los: ueber losen, groben Eisenbahnschotter (schieb, mecker, moser, fluch, …). Die Strecke war gepflastert mit Hindernissen und Ueberraschungen wie z.B. der nette Bulldog-Tunnel. 912 m lang, Schotter und am Ende ein kleiner Knick, damit man auch ja den Ausgang nicht sieht. Da durch diesen Tunnel frueher Dampflokomotiven gefahren sind, ist es stockfinster darin, selbst die ansonsten helle Taschenlampe nutzte nicht viel. Nach 50 km ging es dann endlich wieder bergab, und wir fuhren in ein bitterkaltes Tal, so dass wir schnell die Socken und Regenklamotten auspackten. Mit fast steifgefrorenen Fingern stellten wir in Rekordzeit das Zelt auf, bereiteten das Nachtmahl und fielen in einen seeligen Schlaf.

In Midway endete die Strecke des CPR nach 162 km und der KVR startete hier. Vorher legten wir einen Ruhetag mit einer beschaulichen Kanutour auf dem Kettle River ein. Auch der KVR Trail war wieder gepflastert mit Auswaschungen, Erd- und Felsrutschen, Schlammloecher, Bruecken, Tunneln, Pieksegras, Rindviechern und Schlangen mitten auf dem Weg. Unterwegs campten wir „backcountry“, d.h. wild (unter den Baeren/Beeren), und einmal sogar als erste in einem „caboose“, einem nachgebauten Besichtungszug in der alten Rhone Station. Der Besitzer und Eisenbahn/Biker-Freak Paul hatte just an diesem Tag die Fenster eingesetzt und so hatten wir an einem regnerischen Abend ein festes Dach ueber dem Kopf.

Einen Hoehepunkt des KVR Trails erreichten wir am 5.8.2001: den Myra Canyon. 18 schwindelerregende Holzbruecken und 2 Tunnel auf einer Strecke von 11 km, danach sausten wir 800 Hoehenmeter auf einer Hoppelstrecke hinunter ins Tal nach Kelowna im Okanagan Valley. Warmes Klima, Obst- und Weinanbau und alle erdenklichen zivilisatorischen Einrichtungen locken Unmengen Rentner und Touristen in dieses schoene Tal. Da wir auch noch ausgerechnet am BC-Day ankamen, fanden wir fast keine Bleibe. Die Intl. Jugendherberge hatte dann Erbarmen mit uns und liess uns im Garten zelten.

In Lumby, BC, besuchten wir dann eine „alte“ Harpolingerin: Silvia Hartmann, Ihr Mann Adrian, die Kinder Samuel, Deborah und Fatima hiessen uns herzlich willkommen und luden uns ein, einige Tage bei Ihnen auszuspannen. Auf ihrer Farm mit 7 Pferden, einem Hund und zwei Katzen fuehlten wir uns sehr wohl und wurden hervorragend bekocht und auch sonst verwoehnt. Aber ein bisschen anders ist Kanada schon, an den Fruehstueckstisch kommen hier, neben den Kindern, auch das eigene Pferd!

Nach 6 Tagen „Farmleben“ reisten wir weiter auf dem Kettle Valley Railway Trail. Und kaum hatten wir als Abschiedsgeschenk von Lumby ein Baeren-Spray im Reisegepaeck, trafen wir auch auf unseren ersten, richtig lebendigen, nicht eingesperrten, ausgewachsenen Schwarzbaeren – whow. Zum Glueck war er mindestens genauso ueberrascht wie wir und fluechtete noch bevor Igel die Kamera zuecken konnte, in den Wald zurueck. Der Trail bis nach Hope wurde zunehmend spannender. Am Chute Lake trafen wir auf Tausende Minifroesche und ein herrliches (Geruempel)-Museum aus Pionierzeiten. Die Beschaffenheit der Piste liess Paola mehr als einmal mehr oder weniger laut fluchen. Waschbrett-Strecke, tiefer Kies oder Wuestensand, nicht immer die optimale Unterlage fuer schwerbeladene Reiseraeder. Die aktuellen Waldbraende bei Princeton betrafen uns gluecklicherweise nicht, aber den Rauch konnten wir riechen und sehen – unheimlich. Gegen Ende des Trails mussten wir auch noch schwierige „washouts“ und fehlende oder improvisierte Bruecken ueberwinden. Einmal mussten wir die Fahrraeder komplett abladen, steile Haenge runter- und wieder hinaufschieben und sogar tragen.

Aber wir hatten auch Zeit fuer wichtige Dinge. Am Osprey Lake trieben doch tatsaechlich zwei hilflose, ungeoeffnete, gut gekuehlte Buechsen Kokanee Bier im See. Igel hatte sich sofort dazu bereit erklaert, in einer selbstlosen Rettungsaktion mittels eines kleinen Baumstammes die armen, kleinen Buechsen zu retten (und sich gleich darauf ihrer anzunehmen). Hierbei erlitt sein schoenes, handbemaltes Igel-T-Shirt leider unausloeschliche Teerflecken (vielen Dank fuer baldigen Ersatz, Uschi).

Am Ende des Trail mussten wir leider auf den Coquihalla-Highway ausweichen und uns zur Passhoehe hochkaempfen. Dafuer folgte eine geniale, 30 km lange Abfahrt mit bis zu 8% Gefaelle. Kurz vor Hope fuehrte der Trail nochmals zu einem Hoehepunkt: die 5 Othello-Tunnel und Bruecken durch ueppigen Regenwald. Auf dem Campingplatz am Fraser River lernten wir Talulah und Tawanda (Carol und Beate) von http://www.tandtontour.com und Luc aus Belgien kennen. Erkennungszeichen T&T: Ortlieb und Hilleberg. Zu fuenft feierten wir die erfolgreiche Vollendung und die fuer Luc beginnende Tour auf dem KVR. Mit T&T machten wir Vancouver unsicher und teilten uns mit dem genialen „Nammatj 6“-Zelt den teuren Campingplatz. Die Wege trennten sich wieder und via Horseshoebay nahmen wir die Sunshine-Coast unter die Pedale, und wir koennen Euch berichten: Die Westcoast ist ganz schoen steil! Die Kanadier bauen ihre Strassen einfach so, ungeebnet durch die Landschaft, nach dem Motto: wenn es zu steil wird, machen wir einfach noch eine Kriechspur dazu („Slower traffic keep right“), denn „wir haben ja schliesslich einen Motor unter dem A….“. Nur an uns arme, humanbetriebenen Packesel denkt keiner (schwitz, aechz, …).

In Powell River setzten wir dann schliesslich nach Vancouver Island ueber und verliebten uns sofort in diese und ihre vorgelagerten Inseln. Und staendig dachten wir: schade, dass es schon Herbst wird, und wir gen Sueden weiter sollten. Sollten …
Mit einer Tour von Courtenay ueber Qualicum Bay, Parksville, Chemainus ging es auf die „Hippie-Insel“ Salt Spring Island in den Ruckle Provincial Park. Hier fanden wir einen der schoenst gelegenen Campingplaetze dieser Reise. Wieder mit der Faehre zur Saanich Peninsula erreichten wir dann via Lochside Trail Victoria. Und hier kam alles anders, als geplant.

Am 8.9.2001 besuchten wir Bud und Lyn, welche Paola in Montana auf einem Campingplatz kurz kennenlernte. Wir wurden freundlichst empfangen und hatten schon am naechsten Tag ein unwiderstehliches Angebot auf dem Tisch: warum nicht bis kurz vor Weihnachten in Victoria bleiben, ab und zu Haus, Hund und Katze hueten, hier und da verschiedene Touren machen und ein wenig bei Renovationsarbeiten helfen? Why not? Ja, warum eigentlich nicht? Eigentlich gefaellt uns Vancouver Island und Umgebung wirklich so gut, dass man etwas laenger bleiben sollte. Gesagt, getan.

Und bereits am 10.9.2001 wurde ein Nachbarschafts-Barbecue organisiert um uns vorzustellen und schon einen Tag spaeter waren wir fuer Haus, Hund und Katze zustaendig, Bud und Lyn bereits verreist.
Am 24. September 2001, nach ca. 3 Wochen “fester Behausung”, brauchten wir wieder einmal einen Klimawechsel und bestiegen den Bus in Richtung Kanada’s ultimativem Westen: das Ziel hiess Pacific Rim National Park und die Orte Tofino und Ucluelet. Hier erlebten wir den “Wilden Westen” und den uralten West Pacific Rain Forest. Der Rain Forest machte seinem Namen alle Ehre, aber was ist schon ein Regenwald ohne Regen?

Nach nur einer weiteren haeuslichen Woche in Victoria waren dann endlich wieder einmal unsere Cabongas an der Reihe. Bei herrlich herbstlichem Wetter biketen wir zur Swartz Bay und setzten zuerst nach Pender Islands ueber. Diese zwei Inseln waren nahezu ausgestorben, die Campingplaetze bereits geschlossen. Wir haben sie fuer 2 Tage wieder eroeffnet. Galiano Island empfing uns viel lebendiger. Nette Cafes, Kunstlaeden zum Bummeln und eine bunt gemischte Bevoelkerung mit vielen Alt-Hippies geben der Insel eine eigene Atmosphaere. Im BC Park Montague Bay hatten wir einen traumhaften Campingplatz. Und eine Ueberraschung wartete auf Galiano Island auf uns: hier lebt der Erfinder der genialen Hennessy Hammock, Tom Hennessy, welchen wir auch gleich besuchten. Tom liess uns die neuesten Modelle probeliegen und gab uns auch sonst viele wertvolle Tips.
Zurueck in Victoria hatten wir eine Zusammenkunft mit Roland und Guenni von http://www.gewalttour.com .

Das Reisefieber hatte uns wieder gepackt und wir hatten beschlossen, doch frueher aufzubrechen. Anfang November 2001 waren wir wieder auf Tour.

USA Westen
November, Dezember 2001, Januar 2002
Washington, Oregon, California

Am 2. November 2001 sind wir mit der Faehre von Victoria nach Port Angeles, WA gefahren. Bei strahlendem Wetter trafen wir die Biker (mit Motor) Anke und Jan, welche seit 1999 bereits auf ihrem Worldtrip unterwegs sind. Washington State durchradelten wir in 5 Tagen, alles entlang der 101, durch Regenwald, um den Olympic Mountain State Park herum. Nachts fielen die Temperaturen bereits ziemlich nahe an den Gefrierpunkt. Eines Morgens hatten wir sogar ein steif gefrorenes Zelt. Kaum ueber die schoene, ca. 4 Meilen lange Bruecke nach Astoria OR geradelt, stiegen die Temperaturen zum Glueck merklich an. Und in Astoria begann dann auch der knapp 400 Meilen lange Oregon Coast Bicycle Trail, meist entlang der Strasse 101.
Die Strecke fuehrt meist entlang der bizarren und wilden Kueste und hat das fuer diese Jahreszeit normale, stuermische Wetter fuer uns parat. Wir erlebten fast fruehlingshafte, sonnige Tage aber auch heftigen Regen, Nebel und Stuerme, die uns zwei Mal zum pausieren zwangen. Bei 60-70 Meilen die Stunde (von vorne oder von der Seite) kann man einfach kein beladenes Cabonga mehr auf der Fahrbahn halten. Unterwegs sahen wir Seehunde, Adler, Falken, Lachse (und wir assen auch zwei mal riesige, „gesponserte“ Portionen), Leuchttuerme, schoene alte Staedte, Monolithen und Felsformationen, aber leider noch keine Wale, welche hier sogar sesshaft sein sollen.

LAUNDROMAT – ein Zauberwort!
Wir muessen schon immer ein seltsames Bild abgegeben haben: rein in die Laundry, ausziehen bis auf die Unterwaesche, alles in den Trockner, und ab, weiter auf die nasse Strasse. Eine geniale amerikanische Einrichtung, diese Coin-Laundries, die es praktisch in jedem Dorf gibt: fuer 25 cent bekommt man 6-8 Minuten Trockenzeit und fuehlt sich danach wie neu geboren. Und wir haben umgedichtet: God save the Coin Laundries – oder Amerika, das Land der unbegrenzten Laundromaten.

Radfahren macht jung
An einem anstrengenden, regnerischen Tag beschlossen wir, uns zum Vesper eine Flasche Wein zu goennen. Kochen ging nicht, das es wie gesagt regnerisch und stuermisch war. Paola ging also in den Grocery, kaufte Vesper und Wein ein, und musste an der Kasse doch tatsaechlich ihre ID vorzeigen. Grund: Man darf erst ab 21 Jahren Alkohol einkaufen!!!

In Californien wechstelten wir ab Leggett auf den Highway 1, welcher gleich am Anfang eine „unendliche“ Steigung fuer uns parat hatte. Dafuer genossen wir den downhill umso mehr! Der Kuestenhighway war trotz oft sehr feuchtem Wetter wunderschoen und ruhig zum fahren, ohne nervende Logging Trucks und sonstigem Schwerverkehr. Dank der Jahreszeit waren auch nur wenige RVs (Riesen-Wohnmobile & Co.) unterwegs.
Nach ca. 4 Wochen ziemlich feuchtem Wetter, Stuermen und bescheidenen Temperaturen wurden wir am 4. Dezember 2001 dann mit einer spektakulaeren Einfahrt ueber die Golden Gate Bridge nach San Francisco belohnt. Rein statistisch gesehen haben wir einen der wenigen Tage erwischt, an welchem man die Bruecke ganz sehen kann, wir hatten sogar blauen Himmel, Sonnenschein und klare Sicht dazu! Die sympatische Stadt haben wir dann zu Fuss oder per Cable Car erobert (eine unserer neuesten Lieblingsverkehrsmittel).

Der Tag unserer Abfahrt von San Francisco war der letzte Regentag in Suedcalifornien fuer lange Zeit. Auf dem Highway 1 brausten wir mit Rueckenwind und schoenem Wetter der geschwungenen Kuestenstrasse entlang und genossen die spektakulaeren Aussichtspunkte und jeden Sonnenstrahl. Bei Big Sur mussten wir einige Berge bezwingen, was dann aber jedesmal mit gierigen Abfahrten belohnt wurde. Und man mag es kaum glauben, wir fingen uns sogar wieder einen Sonnenbrand ein (allerdings nur im Gesicht, der Rest war noch gut eingepackt).
In Pismo Beach, CA legten wir ein paar Ruhetage ein und konnten einem Weihnachtsangebot nicht widerstehen: Las Vegas im 5 1/2 Sterne Hotel Bally’s fuer nur 25$ die Nacht – gebucht! Noch drei Tage warten, dann faehrt einer im Greyhound Bus gratis – gebucht! Am 17. Dezember fuhren wir fruehmorgens los und zockten drei Naechte lang in allen moeglichen Casinos rum, ohne dabei jedoch reicher (oder wesentlich aermer) zu werden, aber ein Mords-Spass hatten wir dabei.

Weihnachten 2001 verbrachten wir dann ohne Leuchtreklame und Lichtermeer friedlich am Palmenstrand von Refugio State Beach.Ueber Sylvester besuchten wir den alten Klassenkameraden Klaus von Paola aus der Grundschule in Norddeutschland. 30 Jahre lang nicht mehr gesehen und auf Anhieb wiedererkannt.
Nach dem Jahreswechsel 2001 / 2002 kaempften wir uns durch Los Angeles und ueberschritten dabei unsere ersten erradelten 10’000 km. Durch LA radeln ist gar nicht so schlimm, wie man sich das vorstellt. Es gibt viele Bikepaths, einige davon direkt durch den Sandstrand hindurch. Auf dem Campground des San Mateo State Parks ruhten wir uns ein paar Tage lang bei schoenstem Wetter aus, da wir auf Ersatzteile fuer unsere Magura Bremsen warteten. Dort wurden wir besonders nett vom Ranger und allen anderen Leuten aufgenommen.

Mexico Teil 1
Januar – April 2002
Baja California, Sinaloa, Nayarit, Jalisco, Guanajuato, Queretaro, Hidalgo, Tlaxcala, Puebla, Veracruz

Am 16. Januar 2002 fuhren wir ueber die Grenze im Sagen-umwobenen Tijuana – und keiner hat’s gemerkt. Wir mussten nocheinmal zurueck fahren, um unseren Stempel und die unbedingt notwendige Tourikarte abzuholen. Nach einer Stunde Aufenthalt jedoch hatten wir bereits genug von Hektik, Panik, Tourinepp und billigen Apotheken und strampelten gleich weiter nach Rosarito, wo wir unsere erste Nacht in Mexico direkt am Strand unterkamen. Auch der Gaumen stimmte sich gleich mexikanisch ein: Quesadilla con pollo, Enchilladas con mole poblano y cervezas frescas de Tecate! (Das klingt nicht nur gut, das schmeckt auch!!) Carretera Mex 1 fuehrte uns entlang der Pazikifkueste und ueber die ersten Berge nach Ensenada. Auf der Mex 3 lernten wir dann aber erst die richtigen Berge der Baja kennen. 2 Tage lang fuhren wir nonstop bergauf, naechtigten in der Wueste und bestaunten die bizarre Landschaft. Eines morgens, wir glaubten es kaum, hatten wir Raureif und Minus 6 Grad Celsius im (!) Innenzelt. Traumhafte Sonnenauf- und Untergaenge, gigantische Sternenhimmel und unglaubliche Stille (bei Nacht) entschaedigten fuer diese Temperaturen. Kurz vor San Felipe kuendigten sich die ersten mexikanischen Nebenwirkungen an: Montezumas Rache und Anzeichen von Sonnenstich. Darum war in San Felipe, im Mar de Cortez erst einmal Pause angesagt. Igel musste seine eingefangenen Parasiten mit 10-taegigem Alkoholverbot und Chemie behandeln, und das ausgerechnet ueber Paola’s Geburtstag (ausgefallenes Geschenk).
Nach einem paar Tagen gings es dann wieder gut und auf ins erste mexikanische Abenteuer: die ungeteerte Strasse von Puertecitos nach Laguna Chapala (an der Mex 1). Die Informationen waren vielsagend: von fahrbar (Aussage von einem Motorradfahrer) bis absolut unmoeglich (Auskunft der Touristeninformation). Wir liessen uns aber nicht abhalten und kaempften uns 6 Tage lang durch Sand- und Stein- und Waschbrettpiste. Mehr als 20-30 Tageskilometer waren einfach nicht drin und abends fielen wir todmuede in die Schlafsaecke. Das Gute daran: bizarre Landschaften, einmalige Zeltplaetze, fast kein Verkehr und absolute Stille. Das Schlechte daran: fast keine Verpflegungsmoeglichkeiten, wunde Aersche, Wackelschaeden am Gepaeck und im Hirn (Spaessle g’macht) und 9 Tage lang keine Dusche in Sicht (puh!). Aber immer noch viel schoener als taeglich rumzurobotten. Kurz vor Punta Prieta trafen wir Annette und Gisbert aus Deutschland, die schon seit 1999 mit dem Rad in Lateinamerika unterwegs sind. Spontan campten wir im Kakteenwald und tauschten eine Nacht lang Radlerlatein aus.

In Guerrero Negro ueberschritten wir am 5.2.2002 den 28. Breitengrad und die Grenze zur Baja California Sur. Eine Dusche und die Waescherei machten dort wieder gesellschaftsfaehige Menschen aus uns. Ein Sandsturm hielt uns 3 Tage lang in der Oase von San Ignacio „gefangen“, was uns jedoch nicht schwer fiel, da uns der Ort nach so viel Wuesten-Strecke wie eine Fata Morgana vorkam. In San Lucas trafen wir auf Herb und Jeannette aus Las Vegas, die uns zwei Abende lang mit Meeresfruechten fuetterten und mit Californischem Wein abfuellten. Die naechste Oase Mulege hatte einen besonderen Charme. Eine nette, sehr saubere Altstadt lud zum bummeln (und essen gehen) ein, Dattelpalmen und Vogelviecher umringten unser Zelt. Dann ging es wieder an die Kueste zum Playa Resquesón, einem „playa publica“, d.h. oeffentlich und gratis! Die Besonderheit an diesem Strand: wir hatten auf beiden Seiten des Zeltes Wasser! Loreto war frueher einmal „Hauptstadt aller Kalifornien“ und hat somit eine reiche Geschichte und eine interessante Altstadt zu bieten. Unterwegs trafen wir auf den Biker Willy aus Italien, welcher mit einem Hund im Anhaenger von Ushuaia (Feuerland) bis Alaska unterwegs war. Am Playa Juncalito hatten wir das majestaetische Gebirge der Sierra Giganta im Genick, welches je nach Sonneneinstrahlung die Farben wechselte. Von dort aus hatten wir einen langen und steilen Anstieg, zum Teil durch Canyons (welche nach Waschmittel dufteten?!) zu bewaeltigen, bevor wir auf einer ca. 100 km langen Geraden (!) durch die Staedte Ciudad Insurgentes und Ciudad Constitucion bis nach Las Pocitas radelten. Zwischen den beiden Ciudades trafen wir auf den Biker Ian aus Schottland. Seine diesjaehrige Tour fuehrt ihn von Panama nach Los Angeles, und von Korea via China nach Europa zurueck. Am 25. Februar 2002 erreichten wir La Paz, die Hauptstadt der Baja California Sur. Wir eilten sofort zu unserer Postadresse, um (Weihnachts-) Paeckchen abzuholen. Aber wie das eben in Mexico so ist: wir waren mal wieder schneller als die Post!

In La Paz fand einmal wieder ein nettes Bikertreffen statt. Diesesmal trafen wir auf Vincent und Nathalie aus Frankreich und Belgien mit ihrem dreijaehrigen Sohn Robin (www.robinstory.com). Die drei sind ebenfalls auf einer mehrjaehrigen Welttour unterwegs. Ein paar Tage lang konnten wir uns auf dem gleichen Campground austauschen. Am 5. Maerz hatten wir dann einen Teilerfolg. 2 Paeckchen von Ortlieb und Hilleberg warteten bereits seit Anfang Februar (!) auf dem Postamt auf uns. Durch einen Fehler in der Anschrift hatten die Paeckchen dort auf uns gewartet und wurden nicht, wie eigentlich gedacht, an das Buero von American Express weitergeleitet. Man lernt nie aus! Wir nutzten die Wartezeit fuer kleine Ausfluege in und um La Paz, so auch an die schoenen Straende von Playa Pichilingue, Tecolote und Balandra im Norden der Stadt.
Am 11. Maerz 2002 war dann fertig rumluemmeln, Weiterfahren war angesagt. Auf der Faehre ab Pichilingue trafen wir mal wieder ein paar Deutsche: Marcel aus Pforzheim und die beiden Tippelbrueder Lars (Dachdecker) und Christian (Zimmermann). Tja, die Deutschen sind halt ueberall unterwegs. Nach ca. 18 Stunden auf ruhiger See kamen wir morgens auf dem Festland in Mazatlan an. Noch ein bisschen wackelig auf den Beinen baute Paola ihren ersten Unfall. Sie fuhr mit der Vorderradtasche gegen einen viel zu hohen Randstein, das Fahrrad fiel um, dann fiel Paola und rammte dabei einen hinteren Kotfluegel eines vorbeifahrenden Autos. In Deutschland waere der Autofahrer wahrscheinlich ausgestiegen, haette zuerst einen besorgten Blick auf die Beule im Auto geworfen und sich dann nach dem Zustand des Radfahrers erkundigt. Aber wir sind hier in Mexico, den Autofahrer interessierte beides nicht und fuhr einfach weiter. Zum Glueck hatte Paola den Helm auf, sonst waeren ein paar Tassen kaputt gegangen. So hatte nur der Helm einen Riss abbekommen. Auf der Isla de la Piedra trafen wir die drei Deutschen von der Faehre wieder und verbrachten einen netten Abend am Strand mit Bier, Mezcal und Haengematten miteinander.
Ab Villa Union fuhren wir mit einem Kleintransporter auf der beruechtigten Strasse 15 mit, um lebend in Tepic anzukommen. Diese Strasse hat keinerlei Seitenstreifen, nur 2 Fahrbahnen und ist total ueberlaufen mit LKWs, Bussen etc. Ab Tepic strampelten wir wieder selbst die Berge Richtung Guadalajara hinauf. Dabei bevorzugten wir die Autobahn, die wenigstens einen schoenen Seitenstreifen hat. Dafuer gab es weniger Orte an der Strasse und so zelteten wir dann auch einmal direkt an einer Zahlstelle. In Ixtlan del Rio hatten wir ersten „Maya-Kontakt“. Wir durften unser Lager direkt neben den Ruinen von Los Toriles aufbauen (mit naechtlichem Wachdienst), die als einzigste Staette in Mexico einen runden Tempel hat.
Weiter ging es auf der Strasse Mex 15D nach: Tequila! Im Dorf erkundigten wir uns bei den Dorfpolizisten nach einem Lagerplatz fuer uns. Der extra fuer uns abgestellte Polizist Jose Ramirez Gonzales fuehrte uns mit seinem ATV ueber 5 km Pflastersteine der uebelsten Sorte durch den Ort. Nach 2 Stunden Rundfahrt haben wir dann mitten im Ortskern eine Bleibe gefunden. Tagsdrauf machten wir dann natuerlich eine Tequila Tour mit „unlimited testing“ und fuellten noch unsere Vorratstaschen mit dem edlen Agavensaft auf. Der Abschied von dem netten Ort viel uns schwer, besonders da wir 10 km um den Vulkan Tequila herum bergauf strampeln mussten, und das schon am fruehen Morgen.
Im Staate Jalisco fuhren wir dann in Guadalajara ein. Auf den ersten Blick waren wir enttaeuscht, eine weitere Grossstadt, mit ueber 2,2 Millionen Einwohnern eben. Erst mal essen gehen, hiess die Devise. Oh, dort gibt es ein Angebot: 1 kg Ceviche (in Limonensaft „gekochter“ Fisch) mit Tacos und Avocados fuer nur 65 Pesos (ca. 7 Euro) – gekauft! Nachdem wir alles verzehrt hatten, fanden wir dann auch die historische Altstadt, die uns dann Guadalajara sympatisch machte. Historische Bauwerke, bunte Plaetze und Maerkte, Fressstaende ueberall, so haben wir das gerne. Und zur Begruessung gab es auch noch ein riesiges Feuerwerk. In Guadalajara trafen wir auch Vinc, Nath und Robin wieder. Eine Woche lang erkundeten wir die Stadt zu Fuss bevor wir uns wieder auf unsere Stahlroesser schwangen.
Zu fuenft fuhren wir durch die Staaten Guadalajara, Guanajuato und Queretaro und schlugen unsere gemeinsamen Nachtlager in Zapotlanejo, Tepatitlan, Arandas, Cueramaro, Irapuato und Celaya auf. Zum Teil hatten wir recht spannende Erlebnisse beim Suchen der Nachtlager. In Cueramaro half uns die Polizei fast 2 Stunden lang, bevor sie uns einen Aussenposten am Ortsrand ueberliess, den wir aber nur zum Sch… benutzten.
An unserem 1. Jahrestag der Tour fuhren wir in der von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklaerten Stadt Queretaro ein und auf dem Tacho standen 13010 km als wir unsere Unterkunft fuer die naechste Woche fanden. Queretaro hat eine auffallend schoene historische Altstadt (mit einem Aequaduct, welches heute noch in Betrieb ist), ist sehr sauber und hat viel mexikanische Geschichte zu bieten. U.a. hat die mexikanische Unabhaengigkeit hier ihren Ursprung, worauf die Queretaner sehr stolz sind. Die „Ciclonauten“ Andrei und Dulce, welche selbst 3 Jahre lang durch Zentral- und Suedamerika geradelt sind, haben uns fast taeglich durch die Stadt gefuehrt und uns hervorragend verkoestigt.
Am 8. April fuhren wir weiter. Andrei und Dulce begleiteten uns die ersten Kilometer aus Queretaro hinaus und das naechste Ziel hiess San Juan del Rio. Am naechsten Tag ging es weiter nach Jonacapa, wo wir vor einer Trucker Beiz unser Zelt aufschlugen. Am Abend und in der Nacht hatten wir heftige Gewitter und vor unserem Zelt floss ploetzlich ein kleiner Bach vorbei. Die Einheimischen rieten uns ab, die weitere Strecke mit dem Fahrrad zu machen, sie sei zu eng, steil und zu stark mit Schwerverkehr befahren. Gesagt – getan. Tagsdrauf nahm uns Alejandro mit seinem Sattelschlepper mit bis nach Calpulalpan. Unser Schlafplatz hier: einmal wieder bei einer Polizeistation. Von dort aus ging es auf der Hochebene bei Hoehen zwischen 2400 und 2700 Metern weiter auf einer kleineren dafuer ruhigeren Strasse nach Apizaco. Weiter ueber Huamantla, Zacatepec und ab Perote ging es wieder auf waermere knappe 1400 m nach Xalapa, welches gerade „Feria-Expo“, d.h. Messe Wochen hatte. Xalapa war einmal wieder eine positive Ueberraschung und so blieben wir gleich 3 Tage und erkundeten eine Mischung aus Strassen von San Francisco, Khao San Road Bangkok und Laufenburger Altstadt zu Fuss. In rauschender Fahrt gings weiter auf fast Meereshoehe Richtung Veracruz, und nun hatten wir endlich unsere Tropen: viel Gruen, Unmengen Voegel, ueber 30 Grad, fast 100% Luftfeuchtigkeit und schwitzen, schwitzen, schwitzen …

Nordamerika

Mexico Teil 2
April – Juni 2002, August – September 2002
Veracruz, Tabasco, Campeche, Yucatan, Quintana Roo

Auf der Strasse 180 strampelten wir ins tropisch gruene Santiago Tuxtla und schauten uns die ersten Spuren der Olmec Indianer an: riesige Steinkoepfe im schoen gelegenen Ort. Und wieder einmal ging es bergauf bei ueber 30 Grad und mit viel Schweiss nach San Andres Tuxtla. DIese Stadt war vielversprechend, aber enttaeuschend, drum fuhren wir gleich am naechsten Tag zum Catemaco See weiter. Der Ort ist ziemlich touristisch und an jedem Ecken im Ort wollen sie einem Bootstouren verkaufen. Vom frueheren Hexenkult und von den Hexenhaeusern war leider nicht mehr viel zu sehen. Wir wollten trotzdem etwas von der angepriesenen Natur im noerdlichsten tropischen Regenwald Amerikas sehen uns so planten wir einmal wieder eine Abkuerzung. Um den halben See herum und dann auf dem kuerzesten Weg nach Coazacoalcos. Der erste Teil war noch geteert, es flogen Tukane rum und wir waren von der Natur begeistert. Dann hoerte erst der Teerbelag auf, dann fingen die Berge an – und was fuer welche! Beim ersten Mal Absteigen und schieben kam ploetzlich ein Pickup Fahrer aus dem Nichts heraus und ueberredete uns zum Mitfahren bis zur naechsten Teerstrasse. Das war unser Glueckstag, denn fuer unseren geplanten Fahrtag haetten wir mind. 3 Tage gebraucht. So waren es gute 3 Stunden „Taxifahrt“ und wir fuhren mit unseren netten „Bauleitern“ einige Dschungelbaustellen in Indiodoerfern ab und kontrollierten den Baufortschritt.
Im Staate Tabasco schauten wir uns zuerst die Olmec Ausgrabungen in La Venta und Comalcalcos an. Auf der Fahrt dorthin stellten wir fest, das Tabasco ein „Einsteigerstaat fuer Tropenradler“ ist. Praktisch alles flach, oft breite Strassen mit Seitenstreifen oder wenig Verkehr, herrliche Tropenlandschaft, nette Leute, so macht Fahrrad fahren Spass. Die naechste groessere Stadt hiess Villahermosa, die Hauptstadt des Staates. Dort hat es uns besonders der Museumspark La Venta angetan. Ein Open-Air Museum in Dschungellandschaft mit freilaufenden Tieren und Originalstuecken aus der archeologischen Zone von La Venta. In Frontera, Tab., wollten wir eigentlich naechtigen, es gefiel uns aber nicht dort und so fuhren wir weiter zum Playa El Bosque. Nach ueber 100 Tageskilometern mussten wir die letzten 5 km auch noch durch losen Sand schieben, wir kamen muede und sehr hungrig dort an. Dann stellte sich auch noch heraus, dass es weder einen Laden noch ein Restaurant gab. Die Einheimischen verpflegten uns spontan auf der Strasse mit leckeren Meeresgetieren und zeigten uns einen netten Platz fuer die Haengematten. Der Fischer von nebenan hielt ausserdem „Nachtwache“ ueber uns – das nennt man Gastfreundschaft!
Im Staate Campeche ging es erst einmal am tuerkisfarbenen Golf von Mexico entlang. Ciudad del Carmen, Isla Aguada und Sabancuy waren unsere Stationen. In Sabancuy kamen wir wiedereinmal rechtzeitig zur Feria (Messe) an. Victor Manuel von der Firma Pemex verkoestigte uns und lud uns zu mehreren Bierchen ein, mit ihm und seinem Freund Charly unterhielten wir uns und tanzten noch die halbe Nacht. An der Feria lernten wir auch die tabasquenische Trommler- und Pfeiffergruppe Teponatzle kennen. Zuerst bekamen wir ein extra Staendchen, dann beobachteten wir sie bei ihrem Auftritt: ganz wie die Blaesergruppe Hotzenwald! Bei der Aufstellung ging es nach dem Motto: „Hey Leute, Aufstellung, nein hier her, oder doch dort drueben, hey Du auch, koennen wir jetzt endlich?, was spielen wir denn jetzt, anfangen!, …… “
Ueber kleine Fischerdoerfer fuhren wir weiter bis nach Campeche. Voller Erwartung einiger Paeckchen aus Deutschland stuermten wir den American Express Schalter. Und was war – nix war. Die Post, welche auch immer, hatte versagt. Wir entschlossen uns nach ein paar Ruhe- und Sightseeingtagen und einem Wiedertreffen mit den Bikern Nath, Vinc und Robin einen kleinen „Maya-Loop“ zu machen, um der Post noch eine Chance zu geben. So machten wir uns auf den Weg nach Edzna, Tocoh, Hopelchen, Hochob, Dzibalchen, Xpujil, Becan, Chicana, Calakmul, Balamku und ueber El Centenario, fuhren wir wieder nach Champoton und Campeche zurueck. In 12 Tagen legten wir 773 km zurueck und haben viele schoene Ruinen gesehen, sind durch die Biosfera Calakmul gefahren. Dort gab es neben den Ruinen auch noch eine vielfaeltige Flora und Fauna zu bestaunen. So sahen wir Tukane, Motmots, Papageien, Iguanas, wilde Truthaehne und Fasane, Affen, Nasenbaeren und Agutis, sowie eine Vielzahl schoener, bunter Schmetterlinge. Auf unserem Loop abseits der touristischen Route kamen wir durch sehr kleine Doerfer, die zum Teil nicht einmal Strom hatten und die freundlichen Maya-Nachkommen liessen uns auf ihren Grundstuecken unsere Haengematten aufhaengen. Wieder zurueck in Campeche machten wir uns wieder einmal auf den Weg zu American Express, doch unsere Paeckchen waren weiterhin verschollen – kein Wunder geht’s der T-Aktie so schlecht, so kann das ja nix werden, Jungs!
Ohne Paeckchen fuhren wir weiter auf der „Ruta Puuc“. Im kleinen Maya-Dorf Cumpich erfuhren wir einmal wieder ausserordentliche Gastfreundschaft. Wir durften im Comisario unser Lager aufschlagen und inspirierten die dortige Polizei zu einem spontanen Betriebsausflug zu den Ruinen Xcalcumkin. In der Abenddaemmerung mit dem Pickup losgefahren, verschafften uns die bewaffneten Begleiter Zutritt zu der bereits geschlossenen Anlage unter dem Stacheldraht hindurch. Bei Vollmond und mit Taschenlampe wurde uns die Anlage vom Maya-Comisario bestens erklaert. Tagsdarauf nahmen wir wieder selbst die Ruinen Kabah, Sayil, Labna unter die Lupe. Von der grossen Touri-Attraktion Uxmal waren wir erst einmal von den Preisen geschockt. Bezahlten wir doch sonst zwischen 22 und 30 Pesos pro Anlage, so wurden hier doch glatte 85 Pesos abgezockt! Dazu zum ersten Mal unfreundliches Personal und ein grosser Teil der Anlage war wegen Reparaturen gesperrt.
Merida war fuer uns „Liebe auf den zweiten Blick“. Unser Weg fuehrte uns durch das Industrieviertel in die Stadt hinein und am Plaza Grande ging die Touri-Nepperei weiter. Doch ein Blick in die vielen anderen schoenen Seitengassen und eine zweistuendige Rundfahrt durch die Stadt belehrte uns eines Besseren. Merida ist eine Fundgrube fuer Architekturfreaks und Antiquitaeten-Sammler und bietet eine kulinarische Vielfalt. Und wo sonst kann man mitten in einer Gross-Stadt seine Haengematten unter Baeumen aufhaengen (im ruhigen Hinterhof vom Youth Hostel)?
Von Merida ging es weiter nach Puerto Progreso, wo wir Igels Geburtstag am Strand feierten. Leider hat die Diskette mit den Geburtstagsbildern den Geist aufgegeben. Bei unserer abendlichen intimen Feier ging der Beiz doch tatsaechlich (nach nur 24 Flaschen) das Bier aus! Und da wir immer noch Durst hatten, mussten wir dann in die naechste Beiz wechseln…
Entlang der noerdlichen Kueste von Yucatan, wo wir fliegende und fressende Flamingos bestaunen durften, fuhren wir nach Dzilam Bravo, von wo aus uns die Strasse wieder inlands fuehrte. Durch fruchtbare, gruene Landschaft und kleine urige Mayadoerfer ging es nach Izamal, der gelben Stadt. Das Konvent und die ganze historische Altstadt sind gelb angemalt. Und mitten in der Kleinstadt befinden sich noch viele Ruinen, unter anderem eine der flaechenmaessig groessten Pyramiden von Mesoamerika. Fuer uns war die gelbe Stadt auch eine Schlemmerstadt.
Ueber Nebenstrassen radelten wir zum touristischen „Muss“ von Yucatan: den Ruinen von Chichen Itza. Wir besichtigten die Ruinen an einem Sonntag Morgen. An Sonntagen kosten alle Pyramiden in Mexico keinen Eintritt und wir erlebten „das Wunder von Chichen Itza“ mit: von 8 bis 10 Uhr waren wir praktisch alleine unterwegs, ab 10 Uhr stroemten Unmengen Busladungen voll Touris in die Anlage herein. Dieses „Wunder“ soll sich angeblich jeden Tag wiederholen!
Kurz vor Valladolid gingen wir im Cenote von Dzitnup baden. Diese „Wasserloecher“, teilweise ueber-, teilweise unterirdisch, waren zu Mayazeiten die einzige Trinkwasserquelle. Einige heilige Cenotes wurden aber auch zu Opferungszwecken benutzt. Gespiesen werden Cenotes durch unterirdische Fluesse.
In Valladolid ergatterten wir uns wieder einmal einen schoenen Platz fuer unsere Haengematten im Hinterhof des Youth Hostels – mitten im Gruenen unter einem Baumhaus. Nach dieser netten Kolonialstadt fuhren wir an Mexicos Karibikkueste, „La Riviera Maya“. Von Puerto Juarez aus setzten wir erst einmal auf die Insel Isla Mujeres ueber. Eine nette kleine Insel, die touristisch noch nicht so sehr ueberlaufen ist. Wir schoben ein paar Tage einen faulen Lenz und suchten vergeblich nach einer Moeglichkeit, nach Kuba ueberzusetzen. Kaum zurueck in Puerto Juarez trafen wir per Zufall auf einen amerikanischen Buchautor, der uns die Adresse eines Tauchbootes vermittelte. Innerhalb einer Stunde war hatten wir unser Boot, welches uns dann am 13. Juli nach Kuba bringen wird. Und was macht man mit 2 verbleibenden Wochen Mexiko’s Karibik? Ferien natuerlich! Da uns jedoch Cancun ueberhaupt nicht zusagte, ging es ueber Puerto Morelos nach Playa del Carmen weiter. Im Ort sind zwar ziemlich viele Touris rum, jedoch ergatterten wir uns im „Camping Ruina“ einen herrlichen Platz fuer unsere Haengematten: ueberdacht, guenstig und direkt am Strand, an welchem wir versuchten, unsere „Radlerstreifen“ einzufaerben.
Nach einer verfruehten Abfahrt waren wir vom 7. Juli bis 2. August in Kuba.
Ab dem 3. August waren wir zurueck in Mexico und begaben uns wieder an den Playa del Carmen, um unsere Einfaerbversuche weiterzufuehren und auf Ersatzteile aus Deutschland zu warten.
August 2002: wir machen mit beim Sommerloch!
Am 18. August war fuer uns dann Weihnachten! Petra und Walter Gerspach und Priska und Heinz Arzner aus Harpolingen besuchten Playa del Carmen und brachten die seit Februar erwartete Nabe fuer Igels Hinterrad mit. Es gab ein grosses Hallo, die „Bescherung“ umfasste natuerlich auch noch ein paar Dinge mehr wie nur die Nabe, unter anderem sogar fuer jeden ein Tannenzaepfle – na wenn das nicht Weihnachten ist!
Noch in Playa del Carmen wechselte der Igel die Hinterradnabe und genau nach 4 Wochen waren wir „on the road again“. Doch an unserem Abreisetag kamen wir nicht so recht in die Gaenge und so zog sich unsere Fahrt nach Tulum bis in den spaeten Nachmittag hinein. Die oede, schattenlose Strecke und der strahlende Sonnenschein hatten einen leichten Sonnenstich zur Folge, den wir natuerlich am Playa Tulum auskurieren mussten und aus den geplanten 3 Tagen wurden in der „Hamaca Loca“ 10 schoene, erholsame Tage. Der Abschied von Fabio und seiner „Meute“ fiel uns nicht leicht aber es trieb uns dann doch weiter, vor allem da uns einige Leute sagten, mit dem Fahrrad nach Punta Allen im Biosphaeren-Reservat Sian Ka’an zu kommen, sei nicht moeglich (dirt road und viele wassergefuellte Schlagloecher). Aber es ist doch moeglich! Nach 5 Stunden waren wir am Tagesziel. Von dort versuchten wir ein Boot nach Punta Herrero zu chartern, was leider nicht moeglich war. So setzten wir mit einem Fischerboot nach Playon auf die andere Seite der Lagune ueber. Der zweite Tag in Sian Ka’an fuehrte ueber eine leicht bessere Strasse durch Mangroven und verschiedene Waldlandschaften. Auf dieser Seite sollte es anscheinend auch eine groessere Fauna geben, wir sahen jedoch nur viele verschiedene Vogelarten, Schildkroeten, Schlangen und Vogelspinnen. Der aus der Uebung geratene Radlerar… hatte unter der unebenen Strecke ganz schoen zu leiden. In Felipe Carrillo Puerto hatten wir endlich wieder einmal eine Suesswasserdusche und pflegten unsere Allerwertesten. Diese nicht-touristische Maya-Stadt ist ein wichtiges Zentrum fuer die Mayas in Quintana Roo.

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Über grenzenlos2001

Igel & Paola, Rambo & Caramba auf dem Bike, Trike und im Bus um die Welt
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